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Anschlag in Manchester Was bisher bekannt ist – und was nicht

Der Attentäter tötete 22 Menschen, viele wurden verletzt. Laut Medien wurden vier Personen verhaftet. Ein Überblick.

Legende: Video England am Tag nach dem Anschlag von Manchester abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 24.05.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mindestens 22 Menschen sind bei dem Anschlag in Manchester ums Leben gekommen. Die Polizei kennt die Identität aller Todesopfer.
  • Die Polizei hat einen 22-jährigen Briten libyscher Abstammung als Täter identifiziert. Er war dem Geheimdienst bekannt. Vermutlich hat er nicht alleine gehandelt. In diesem Zusammenhang ist ein 23-Jähriger festgenommen worden. BBC berichtet von weiteren drei Verhaftungen.
  • Grossbritannien hat die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen.
  • 3800 Soldaten sollen die Polizei beim Objektschutz und der Sicherung wichtiger öffentlicher Einrichtungen unterstützen.

Der Täter: Der Attentäter, der beim Angriff starb, war 22 Jahre alt, wie die britische Polizei bekannt gab. Nach Medienberichten war er der Sohn libyscher Flüchtlinge. Er sei 1994 in Manchester geboren worden und habe an der Salford Universität in der nordenglischen Stadt studiert. Seine Familie soll sehr religiös gewesen sein und sich in einer Moschee der Stadt engagiert haben. Einige Familienmitglieder sollen kürzlich nach Libyen zurückgekehrt sein.

Die Behörden haben die Identität des Täters inzwischen bestätigt sowie, dass der Täter dem britischen Geheimdienst bekannt war. Der Junge soll in Syrien gewesen sein und sich dort radikalisiert haben – das berichtet der französische Innenminister, der sich auf britische Ermittler als Quelle bezieht.

Laut Polizei kam der Täter vermutlich von London mit dem Zug nach Manchester. Dort habe er einen am Körper getragenen Sprengsatz gezündet, sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins. Geprüft werde, ob er allein gehandelt habe oder zu einem Terrornetzwerk gehörte. Die britische Regierung hält es ausdrücklich für denkbar, dass der Attentäter nicht allein handelte. Im Zusammenhang mit der Tat hat die Polizei einen 23-Jährigen festgenommen. Der Nachrichtensender BBC berichtet von weiteren drei Verhaftungen.

SRF zeigt keine Attentäter

Terroristen und Amoktäter streben nach medialer Aufmerksamkeit. Sie wollen Angst schüren und zählen darauf, dass sie durch ihre Gräueltaten berühmt werden und so ihre Botschaften verbreiten können. SRF verzichtet deshalb bewusst darauf, Bilder und Namen von Attentätern zu zeigen. Das gilt auch für deren Propagandamaterial oder Video-Botschaften.

Weshalb der Selbstmordattentäter sich in der Manchester Arena in die Luft sprengte, ist unklar. Es scheint aber, als ob er gut vorbereitet war. Zum Beispiel muss ihm bewusst gewesen sein, dass das Publikum vor dem Konzert streng kontrolliert wurde, nach der Show jedoch alle Türen offen standen. Dies haben auch viele Eltern genutzt, um ihre Kinder abzuholen.

Die Opfer: Der Attentäter tötete mindestens 22 Menschen, darunter waren auch mehrere Kinder. Die Polizei in Manchester teilte am Mittwoch mit, man sei nun sicher, die Identität aller Todesopfer zu kennen. Die Familien seien kontaktiert und würden von Fachleuten betreut. Das jüngste Opfer war 8 Jahre alt. 59 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. 20 Menschen sind noch in einem kritischen Zustand. Es ist der folgenschwerste Anschlag in Grossbritannien seit Juli 2005, als vier Selbstmordattentäter in London 52 Menschen töteten.

Die Rolle des «Islamischen Staats»: Die Extremisten-Miliz «Islamischer Staat» reklamiert den Anschlag für sich, das teilte sie über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq mit. Ein Zusammenhang zwischen dem IS und dem Attentat wurde von den Behörden jedoch nicht bestätigt. Einige IS-Bekenntnisse haben sich in der Vergangenheit als falsch erwiesen.

Der Tatort: Die Manchester Arena fasst 21’000 Zuschauer und ist nach Angaben des Betreibers die grösste Innenarena Europas. Die Explosion ereignete sich im Foyer nach dem Konzert der US-amerikanischen Pop-Sängerin Ariana Grande.

Die Reaktionen: Am Abend fanden in Manchester und anderen Städten erste Gedenkveranstaltungen statt. Auch der UNO-Sicherheitsrat hielt eine Schweigeminute ab. Premierministerin Theresa May nannte die Tat besonders «abstossend und abscheulich». Sie ist am Dienstag nach Manchester gereist.

In gut zwei Wochen wählen die Briten ein neues Parlament. Wie der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, setzt May den Wahlkampf aus.

Anteilnahme zeigte auch die Königliche Familie. Königin Elizabeth II. erklärte, die ganze Nation sei über die vielen getöteten und verletzten Menschen schockiert.

Auch in der Schweiz wurde die Attacke mit Bestürzung aufgenommen. Bundespräsidentin Doris Leuthard hat den «furchtbaren Anschlag» verurteilt. «Die Tatsache, dass das Anschlagsziel einmal mehr Leute sind, die auswärts ein Konzert geniessen wollen, ist entsetzlich», schrieb sie auf Twitter. Sie sei in Gedanken bei den Betroffenen und empfinde tiefes Beileid mit den Opferfamilien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, «der mutmassliche terroristische Anschlag wird nur unsere Entschlossenheit stärken, weiter gemeinsam mit unseren britischen Freunden gegen diejenigen vorzugehen, die solche menschenverachtenden Taten planen und ausführen». Ähnlich äusserte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er sicherte Premierministerin Theresa May per Telefon die volle Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu.

Die Folgen: Premierministerin May teilte mit, die Terrorwarnstufe werde von «ernst» auf «kritisch» hochgestuft. Das bedeute, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könne. Der Chef der Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, sagte, die Entscheidung, die Warnstufe zu erhöhen, sei eine Vorsichtsmassnahme.

Legende: Video Manchester trauert abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 24.05.2017.

Die Regierung setzt ausserdem 3800 Soldaten ein, um die Polizei beim Objektschutz und der Sicherung wichtiger öffentlicher Einrichtungen zu unterstützen. Unterdessen hat die örtliche Polizei die Bürger zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Verdächtige Beobachtungen sollten sofort gemeldet werden, erklärte Polizeichef Ian Pilling.

Polizisten in Grossbritannien tragen nicht immer Waffen bei sich. Die Londoner Polizei hat aber angekündigt, etwa beim Fussball-Pokalfinale und einem Rugbyspiel am Wochenende zusätzliche bewaffnete Beamte abzustellen. Die Band Take That sagte ein für Dienstag geplantes Konzert in Liverpool ab. Ob das im Juni vorgesehene Konzert von Ariana Grande in Zürich stattfindet, ist unklar.

Erinnerung an 1996

Ein Polizist vor beschädigten Fassaden.
Legende: Keystone

Im Juni 1996 waren in Manchester bei einem Anschlag der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) während der Fussball-Europameisterschaft mehr als 200 Menschen verletzt worden. Die Terroristen hatten im Zentrum der Stadt eine Autobombe gezündet.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Interessante Details in der BAZ über die Familie. Ein ehemaliger libyscher Sicherheitsbeamter sagte, er kenne den Vater vom Attentäter persönlich. Er sei in den 1990er ein Mitglied der Libyschen Islamischen Kampfgruppe gewesen, die hatte enge Verbindungen zur Al-Kaida. Der in Libyen festgenommene Bruder des Attentäters wusste von den Anschlagsplänen. Er hat ausgesagt, dass er wie sein Bruder dem IS angehöre und sich während der Vorbereitungen zu dem Anschlag in GB aufgehalten habe.
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  • Kommentar von Anna Hiltebrand (Hilann)
    Vielen Dank für das Auslassen von Bildern und Namen des Attentäters!
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Vielleicht sollte man gleich den ganzen Artikel auslassen und rein gar nichts mehr berichten. Das wäre zumindest ehrlicher.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @H. H.: Oft ist weniger mehr! Ehrlich! Was haben wir davon, wenn wir Bilder sehen & Namen wissen? Ändert es was? Ist die Welt dann eine bessere? Was haben Sie persönlich davon?
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  • Kommentar von Herbert Müller (Herbert Müller)
    Das Problem ist in England hausgemacht. Wo konnte der in England geborene Attentäter sich derart radikalisieren? Es sind die Hassprediger in Moscheen und Hinterhöfen. Was heisst das für uns: Strenge Kontrollen der Moscheen und Hinterhofprediger, Beschränkung der Zuwanderung, Grenze dicht. Beschränkung auf echten Flüchtlinge. So kann das nicht weitergehen. Multikult ist gescheiter. Eine radikale Volksinitiative wird kommen und angenommen werden.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Was nützt Ihnen "Grenze dicht", "Beschränkung der Zuwanderung" und "Beschränkung auf echte Flüchtlinge" wenn die Attentäter nachgewiesener Massen Staatsbürger sind, im Land geboren sind, im Land aufwachsen, im Land zur Schule gehen und im Land radikalisiert werden? Ich würde sagen: gar nichts. Das ist Augenwischerei und Steuergelder verschleudern für untaugliche Massnahmen.
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    2. Antwort von Martin Guggisberg (Martin Guggisberg)
      Ach Herr Müller. Sie haben ein sehr sehr vereinfachtes Weltbild. So simpel wie sie das schildern funktioniert das nicht auf unserem Planeten. Haben sie sich auch schon mal überlegt ob diese "Radikalisierung" auch etwas mit unseren Waffenlieferungen zu tun haben könnte? Nein, dicht machen ist keine Lösung. Nur für die undichten Köpfe.
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