Was der 17. Oktober für die USA bedeutet

Einigen sich die Parteien in letzter Minute nicht doch noch, so werden die USA zahlungsunfähig. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären gravierend. SRF News Online zeigt den Mechanismus, der in die Pleite führt.

100-Dollar-Noten auf einem Tisch

Bildlegende: Wird die Schuldengrenze nicht angehoben, könnten die wohl noch bis zu zwei Wochen finanziell überleben. Reuters

So schlimm das Wort Zahlungsunfähigkeit der USA klingt, so negativ die Folgen für die Weltwirtschaft sein dürften: Am ominösen Stichtag vom 17. Oktober wird das Schreckensszenario nicht mit einem grossen Knall eintreten, falls es nicht doch noch in letzter Sekunde vermieden werden kann. Denn zunächst passiert wenig, die meisten Menschen in den USA, aber auch in der übrigen Welt, werden den Schicksalstag nicht anders erleben als die Tage vorher.

Börsen urteilen als erste

Als erstes werden am Morgen die Finanzmärkte in Japan und Europa ihr Urteil sprechen. Doch wie stark die Kurse fallen, darüber sind sich auch Experten nicht einig. Während die einen mit panikartigen Reaktionen rechnen, gehen andere von leichteren Kursabschlägen aus. Denn selbst wenn die Schuldenobergrenze nicht angehoben werde, bedeute dies nicht die sofortige Zahlungsunfähigkeit des amerikanischen Staates. Das Finanzministerium warnt aber, dann könne ihm jeden Tag das Geld ausgehen.

Über den 17. Oktober hinaus überleben

Tatsächlich ist der 17. Oktober ein wohl etwas flexibleres Datum als ein unumstösslicher Stichtag. An diesem Tag liegen laut US-Finanzminister Jack Lew nur noch rund 30 Milliarden Dollar in der Staatskasse. Eine weitere Verschuldung des Landes ist nicht mehr möglich, wenn die Schuldengrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar nicht angehoben wurde. Die USA könnten also keine weiteren Anleihen mehr aufnehmen, um ihre Ausgaben zu finanzieren.

Es könnte ihnen aber für kurze Zeit noch gelingen, wenigstens die laufenden Zinsen für die Anleihen zu bezahlen und so den Staatsbankrott bis zu einer sich eventuell doch noch abzeichnenden Lösung des Budgetstreit zu verhindern. Das wäre möglich, indem die Regierung nur noch die wirklich dringlichsten Ausgaben tätigt mit dem noch vorhandenen Geld und den täglichen Einnahmen aus den laufenden Steuern. Diese Möglichkeit ist rechtlich aber umstritten.

US-Anleihen für ganze Welt wichtig

Grosse Unbekannte dabei ist allerdings die wenig vorhersehebare Reaktion des Anleihenmarktes: Jede Woche werden für rund 100 Milliarden Dollar amerikanische Anleihen fällig. Wollen die Anleger ihr Geld zurück und legen es nicht wieder in den USA an, dann ist das Finanzministerium in kürzester Zeit zahlungsunfähig.

Staatsanleihen der USA sind nicht nur für die Finanzierung des Landes zentral, sondern auch eine wichtige Grundlage des weltweiten Finanzsystems. Sie gelten eigentlich als risikolose Anlageklasse. Wenn aber die Zinszahlungen in Frage stehen, verlieren sie diesen Status, und die Anleger werden ihnen misstrauen. Die USA müssten dann für das Risiko dieser Papiere deutlich mehr Zins bezahlen. Auch das allgemeine Zinsniveau dürfte anziehen, was die Weltwirtschaft durchschütteln würde.

Sparen würgt langsame Erholung ab

Eine weltweite Rezession könnte auch von den nötigen harten Sparmassnahmen Amerikas ausgehen, wenn ab dem 17. Oktober die Staatsausgaben den Einnahmen entsprechen müssen. Amerikas Wirtschaft, die sich noch immer von der Finanzkrise erholt, fiele in die Rezession zurück und würde andere Länder mitreissen. Nach Schätzungen der Budgetbehörde des Kongresses beträgt die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben im laufenden Steuerjahr satte 19 Prozent des Budgets. Entsprechend drastisch müsste der Staat seine Ausgaben kürzen.

Angesichts dieser Aussichten sollten die Streitparteien in Washington eigentlich alles dran setzen, die Schuldenobergrenze doch noch anzuheben – bald in letzter Sekunde.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Es wird langsam eng im US-Budgetstreit

    Aus Tagesschau vom 15.10.2013

    Nur noch zwei Tage und dann droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft. Immerhin: Jetzt liegt ein Kompromissvorschlag der Republikaner auf dem Tisch. Einschätzungen von USA-Korrespondent Arthur Honegger.