Was der IS schon alles zerstört hat

Irak, Syrien, Jordanien – sie alle sind Heimat kulturell reicher Stätten der Antike. Die Terror-Miliz IS zerstört und plündert diese Stätten systematisch. Allein in den letzten 18 Monaten fielen den Islamisten über 100 wichtige Kulturstätten zum Opfer. Die grössten Zerstörungen in einem Überblick.

Zerstörte Kirche im antiken Kloster von Al Qaryatayn.

Bildlegende: Die Zerstörungen sind nur vordergründig religiös verbrämt. Es geht um Macht und Geld. Keystone / Propagandabild IS

Die Schergen der Terrormiliz IS haben in den vergangenen eineinhalb Jahren eine Reihe wertvoller Kulturgüter in Syrien und im Irak zerstört. Eine Übersicht:

  • 25. Juli 2014: GRABSTÄTTE JONAHS
    Das Grab befand sich im Innern der sunnitischen Moschee des Propheten Jonahs. In wie weit das Grab tatsächlich historisch verbürgt ist, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Die Stätte gehört aber dennoch zum christlichen Weltkulturerbe im Nordirak.
  • Februar 2015: MUSEUM VON MOSUL
    Iraks zweitgrösste Stadt, 400 Kilometer nördlich von Bagdad. Das Museum besass 173 Original-Antiquitäten. Zerstört wurden Statuen aus dem Weltkulturrerbe Hatra und Ninevah.
  • Februar 2015: ANTIKE BIBLIOTHEK VON MOSUL
    Der IS verbrannte ca. 100‘000 Bücher und antike Schriften, unter anderem Dokumente aus dem 18. Jahrhundert des Ottomanischen Reichs. Der Brand dauerte mehrere Wochen. Irina Bokova von der Unesco nannte es den schlimmsten Akt von Büchervernichtung in der Geschichte der Menschheit.
  • März 2015: NIMRUD
    Alt-Assyrische Stadt 30 Kilometer südlich von Mosul im Nordirak. Die Stadt erblühte zwischen 900 und 612 v.Chr. Auch deshalb ein besonders grosser Verlust, weil ein Grossteil der Schätze von Nimrud vor ihrer Zerstörung nicht wissenschaftlich erfasst werden konnte. Ihre Geheimnisse sind für immer verloren.
  • 7.3.2015: RUINENSTÄTTE HATRA
    Liegt 110 Kilometer südwestlich von Mosul. Hatra, gross gemacht durch den Nachfolger von Alexander dem Grossen 300 vor Christus, wurde zur Hauptstadt des vermutlich ersten Arabischen Reiches, regiert durch das Partha-Königreich, das die sagenumwobene Stadt Petra in Jordanien einschliesst.
  • 9. März 2015: KHORSABAD
    Assyrische Tempelstadt 19 Kilometer nordöstlich von Mosul im Nordirak. Für Kulturhistoriker ergibt sich die Einmaligkeit der geschändeten Kulturstätte in der stilistischen Besonderheit ihrer Kunstwerke, namentlich der besonderen Steinfresken.
  • 18.3.2015: MUSEUM VON AR RAKKAR
    Das Museum enthielt unzählige Artefakte aus der alt-assyrischen Zeit. Nachdem die Terrormiliz IS die syrische Stadt Ar Rakkar zur Hauptstadt ihres Kalifats ausgerufen hatte, plünderten Schergen der Miliz das Museum praktisch vollständig.
  • August 2015: KLOSTER VON QARYATAYN
    Das Männerkloster in der nordwest-syrischen Stadt Qaryatayn zählt zu den kulturellen Wurzeln der Christenheit. Der IS zerstörte die im Kloster enthaltene Kirche aus dem 1. Jahrhundert nach Christus.
  • August 2015: BAAL-SCHAMIN-TEMPEL IN PALMYRA
    Der Tempel des Baal Schamin war über 1800 Jahre alt. Er wurde im Jahr 17 errichtet und unter dem römischen Kaiser Hadrian im Jahr 130 erweitert.
  • Oktober 2015: TRIUMPHBOGEN VON PALMYRA
    Anfangs Oktober sprengten die Extremisten in der Oasenstadt den zwischen 193 und 211 nach Christus erbauten Triumphbogen. Der IS wolle die antike Stätte vollständig auslöschen, klagte Verwaltungschef Mamun Abdelkarim nach der Zerstörung der Bauwerke.

Weitere Zerstörungen anderer Islamisten-Milizen