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International «Was ist mit dir los, Europa?»

Im Vatikan ist Papst Franziskus mit dem Karlspreis geehrt worden. Er appellierte in seiner Dankesrede an das humanistische Europa.

Papst Franziskus ist für seine besonderen Verdienste um Europa mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet worden. Der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp hob bei der Verleihung in Rom die wichtige Rolle des Papstes für die Bewältigung der Krisen in Europa hervor.

Franziskus ist für Europa «ein grosses Glück»

Legende: Video Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.05.2016.

Der Südamerikaner Franziskus sei für den schwierigen Weg Europas «ein grosses Glück». «Der Heilige Vater schaut mit dem Blick der südlichen Hemisphäre auf Europa und sieht klar und ohne den Wohlstandsschleier unseren verzerrten und in Widersprüche verstrickten Kontinent», betonte Philipp in seiner Rede.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bedankte sich bei Franziskus, dass dieser als Mahner Europa ins Gewissen rede. Immer wieder rufe er die ursprünglichen Werte Europas ins Gedächtnis.

EU-Ratspräsident Donald Tusk würdigte den Papst für dessen neue Vision der Kirche. «Eine Kirche – um es mit Ihren Worten auszudrücken – als Feldlazarett und nicht als Zollhaus», sagte Tusk.

«Europa, du Verfechterin der Menschenrechte»

In seiner Dankesrede mahnte der Papst Europa: «Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?»

Zudem forderte er Europa auf, sich an seine Gründerväter und deren Ideale zu erinnern. «Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloss Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern», sagte das Kirchenoberhaupt.

Und: «Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand.»

Der Argentinier Franziskus ist der erste reguläre Preisträger auf dem Heiligen Stuhl. Sein Vor-Vorgänger Johannes Paul II. hatte 2004 einen Ausserordentlichen Karlspreis erhalten. Papst Franziskus gelinge es, den Menschen in Europa in einer schwierigen Zeit Orientierung und Hoffnung zu geben, begründete das Direktorium des Karlspreises die Wahl.

Der Karlspreis

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 für besondere Verdienste um Europa und die europäische Einigung verliehen. Er geht auf eine Initiative von Aachener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung zurück. Die Auszeichnung ist nach Karl dem Grossen (747/748-814) benannt, der auch in Aachen residierte. Der Herrscher wird oft als erster Vordenker des geeinten Europas gesehen. Er führte in seinem Reich, das sich über einen Grossteil Westeuropas erstreckte, einheitliche Gesetze und eine einheitliche Währung ein.
Kritik:
Bei ihrer Namenswahl bezogen sich die Gründer des Karlspreises auf die kulturelle Bedeutung Karls des Grossen. Die Namenswahl steht aber auch in der Kritik. Karl der Grosse erhielt im Nachhinein den Beinamen «Sachsenschlächter». Die Bezeichnung bezieht sich auf das Blutgericht von Verden, ein angebliches Massaker an 4500 heidnischen Sachsen während der Sachsenkriege. Das Ereignis wird in der Forschung sehr unterschiedlich bewertet.

Dankesreden (Auswahl)

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23 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Was ist mit dir los, Vatikan? Wie lange dauerte es bis die sexuellen Missbräuche eingestanden und angegangen wurden?. Was hat die Kirche bis anhin der Menschheit gebracht? Oder anders gefragt: Von wo kommt der riesige Reichtum des Vatikans und von wo kommt die Arroganz, andern etwas vorzuschreiben was selber nicht befolgt wird? Die Bank des Vatikans hat nachweislich Gelder aus Drogen und Waffenhandel gewaschen und tut es wahrscheinlich immer noch, warum auch nicht? Der Vatikan ist Teil Europas!
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  • Kommentar von Armin Hertig (Armin Hertig)
    Es ist ja sehr interessant, man hört nie wirklich etwas vom Papst und dann plötzlich bekommt er so eine grosse Auszeichnung. Gratulation. Bin ich froh, dass es solch wichtige Persönlichkeiten gibt. Es würde uns sonst so schlecht gehen... Vielen Dank...
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Spießbürger wie in der Schweiz, die nicht über ihren kleinen Horizont hinausgucken können und nur auf ihren Vorteil bedacht sind, ignorieren 71 Jahre Frieden in Westeuropa und haben natürlich weder Visionen, noch üben sie Solidaridät mit Europa. Widerlich, nur Verachtung haben sie für dieses Projekt übrig.
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