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International Was war die Todesursache beim palästinensischen Minister?

Tausende Palästinenser haben an den Trauerfeierlichkeiten für den palästinensischen Minister Siad Abu Ain teilgenommen. Zahlreiche Menschen begleiteten den Leichnam, der im Beisein von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei Ramallah beigesetzt wurde.

Begräbnis von Abu Ain.
Legende: «Der Kampf geht weiter»: Das Begräbnis von Abu Ain wurde zur Demonstration. Keystone

Der Leichnam des palästinensischen Ministers Siad Abu Ain ist in Ramallah beigesetzt worden. An der Beerdigung skandierten die Anhänger des Ministers «Wir werden dich mit unserem eigenen Blut rächen» und «Der Kampf geht weiter». Für drei Tage galt in den Palästinensergebieten eine Staatstrauer, Schulen blieben in Ramallah geschlossen, im ganzen Westjordanland hingen Plakate mit dem Bild des Toten.

«Es war kein natürlicher Tod»

Abu Ain war am Mittwoch bei einer Demonstration gegen den israelischen Siedlungsbau gestorben. Jordanische, israelische und palästinensische Forensiker stellten übereinstimmend fest, dass Abu Ain an einer Verstopfung der Koronararterie, die das Herz mit Blut versorgt, gelitten habe.

Eine Kombination aus Stress und einer Herzerkrankung habe am Mittwoch einen Herzanfall ausgelöst, sagte der Arzt Chen Kugel vom Nationalen Institut für Forensische Medizin nahe Tel Aviv, der bei der Autopsie dabei war.

Legende: Video «Abu Ain» abspielen. Laufzeit 0:36 Minuten.
Vom 11.12.2014.

Der palästinensische Pathologe Saber al-Alul betonte hingegen, der Tod sei auch durch Schläge auf Gesicht und Nacken sowie die Inhalation von Tränengas verursacht worden. Letzteres habe Erbrechen ausgelöst, das Erbrochene sei in Abu Ains Lunge gelangt und habe die Atemwege blockiert. «Es war kein natürlicher Tod», sagte Al-Alul.

«In Kenntnis der Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung macht die palästinensische Regierung Israel voll verantwortlich für die Tötung von Siad Abu Ain», erklärte Regierungssprecher Ihab Bseiso bei einer Pressekonferenz in Ramallah.

Sorge vor Protesten

Dem israelischen Radio zufolge verstärkte die israelische Armee aus Sorge vor Protesten ihre Präsenz im Westjordanland. An mehreren Orten im Westjordanland warfen palästinensische Jugendliche Steine auf israelische Sicherheitskräfte.

Abu Ain war Minister ohne Amtsbereich, aber für den Widerstand gegen israelische Siedlungen in den Palästinensergebieten zuständig. Er hatte am Mittwoch in der Nähe des Dorfes Turmus Aja mit anderen gegen einen Siedlungsaussenposten demonstriert. Als Protest gegen Landenteignungen durch Israel pflanzten die Demonstranten Olivenbäume.

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Soldat den Minister am Hals packt. Berichte anderer Augenzeugen, wonach Abu Ain von einem Soldaten mit einem Gewehrkolben oder Helm geschlagen wurde, konnte eine Vertreterin der Menschenrechtsorganisation Jesch Din nicht bestätigen.

6 Kommentare

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  • Kommentar von E. Beeler, Luzern
    Es spielt doch nun wirklich keine Rolle mehr WIE dieser Minister ermordet wurde, sondern durch WEN er ermordet wurde? Fakt ist: "Die ganze Menschheit weiss, dass dieser Minister von den Israelis ermordet wurde; wie schon andere Hunderttausende von Menschen"!!
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    1. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      'Fakt' und 'Wissen' haben hier scheinbar mit Wunschdenken zu tun, denn Fakt ist Realität und wissen bedeutet mehr als vermuten! Woher nehmen Sie Hunderttausende von Menschen, die von Israelis sollen ermordet worden sein, wenn Sie sie nicht stehlen wollen?
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Auf dem Film war der verstorbene Minister zu sehen, in einer Gruppe von etwa 20 Palästinensern. Mit heiserer Stimme schrie er einen israelischen Soldaten an. Es war sicher nicht so, dass er von Soldaten umzingelt war, sondern er war gut abgedeckt von eigenen Leuten. Es war auch keine Schlägerei im Gange. Für die Aussage, der Minister sei von einem Gewehrkolben gestossen worden, habe ich keine Beweise gesehen.
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  • Kommentar von Hans Hartmann, Rep. Dominicana
    Eine Geschichte ohne Ende !
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