Was weiss Prinzessin Cristina?

Ein spanischer Ermittlungsrichter hat den Weg für einen Korruptionsprozess gegen Prinzessin Cristina freigemacht. Sie soll von den Machenschaften ihres Mannes gewusst haben.

Cristina verlässt nach der Befragung im Februar das Gerichtsgebäude, im Bild auch zwei Polizisten.

Bildlegende: Prinzessin Cristina soll vom Betrug ihres Mannes gewusst haben. Keystone

Der spanische Richter José Castro hat entschieden, dass die Schwester von König Felipe VI. und ihr Ehemann Iñaki Urdangarin sich wegen Betrugs- und Geldwäschereivorwürfen vor Gericht verantworten müssten. Wie das Gericht in Palma de Mallorca mitteilte, können die 49-Jährige und ihr Mann sowie weitere Verdächtige die Entscheidung noch anfechten.

Verdacht der Geldwäscherei

Der für Korruptionsbekämpfung zuständige Staatsanwalt hatte sich bislang gegen eine Anklage der Tochter des ehemaligen Königs Juan Carlos ausgesprochen. Ermittlungsrichter Castro verdächtigt sie dagegen der Geldwäscherei und des Steuerbetrugs. Er hatte sie dazu im Februar befragt. Cristina hat damals ausgesagt, nichts von den Machenschaften ihres Ehemannes gewusst zu haben.

Doch Castro wirft ihr vor, mit Urdangarin zusammengearbeitet zu haben. Dieser soll über eine gemeinnützige Stiftung sechs Millionen Euro aus der Staatskasse veruntreut haben. Anschliessend soll er die Mittel in der Firma Aizoon gewaschen haben.

Schützende Hand über Cristina?

Der Skandal um Cristinas Ehemann hat in Spanien grossen Ärger ausgelöst und schadete dem Ansehen des Königshauses erheblich. Es gebe Spekulationen, wonach der abgedankte König Juan Carlos und die Regierung ihre schützende Hand über Cristina gehalten hätten, sagt ARD-Korrespondent Reinhard Spiegelhauer gegenüber SRF.

Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft in der Vergangenheit bereits einmal erfolgreich Einspruch gegen eine Vorladung Cristinas eingelegt. Doch: «Das sind Spekulationen. Ob im Hintergrund tatsächlich irgendwo die Fäden gezogen werden, wissen wir nicht», so Spiegelhauer weiter.

Felipe ohne Fehl und Tadel

Kaum betroffen von der Affäre ist König Felipe. «Alle Spanier glauben bisher, dass er nichts gewusst hat.» Für den Journalisten ist es sogar möglich, dass die Affäre einer der Gründe war, weshalb Juan Carlos kürzlich abgedankt hat. «Damit Felipe als neuer, unbelasteter König das Ansehen der Krone wieder etwas verbessern kann.»

Sollte es tatsächlich zu einem Prozess gegen Mitglieder der royalen Familie kommen, wäre dies ein beispielloser Vorgang.