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«10vor10»-Sommerserie Wasser: China's Megaprojekt
Aus 10vor10 vom 24.07.2020.
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Wasser für Chinas Norden China löst die Wasserknappheit mit einer riesigen Umleitung

Um dem trockenen Norden zu helfen, hat China ein gigantisches Wasserumleitungsprojekt gebaut.

Wenn China ein Problem sieht und anpackt, hat die Lösung oft gigantische Dimensionen. So auch beim Thema Wasserknappheit. Der Süden ist wasserreich, der Norden leidet unter grosser Trockenheit. Bereits Staatsgründer Mao Zedong träumte davon, Wasser im Süden für den Norden auszuleihen. Heute ist Maos Idee Realität.

Das sogenannte Süd-Nord-Wasserumleitungsprojekt sammelt das Wasser im Süden und leitet es über ein Kanalsystem in den Norden. Es besteht aus einer östlichen, zentralen und westlichen Pipeline.

Auf einer Karte ist das Wasserprojekt von Chinas Süden bis Chinas Norden ersichtlich.
Legende: Das Wasser wird im Süden Chinas gesammelt und über eine östliche und eine zentrale Pipeline in den Norden geleitet. Die Zentralroute umfasst 1432 Kilometer an Kanälen und führt von Danjiangkou bis nach Peking. SRF

Während die Westroute noch in Planung ist, nahm die Ostroute bereits 2013 den Betrieb auf. Ein Jahr später folgte die Eröffnung der Zentralroute. Jener Teil der Umleitung, welche in Betrieb ist, umfasst rund 3000 Kilometer.

Geografische und menschengemachte Gründe

Der Widerspruch: Obwohl China zu einem der wasserreichsten Länder der Welt gehört, hat es im Norden ein Knappheitsproblem. Das hat geografische Gründe, erklärt der prominente Wasserexperte Ma Jun: «Der Süden ist feucht und nass. Dort sind mehr als 80 Prozent der Wasserressourcen. Chinas Norden hat nur deren 20 Prozent. Aber im Norden lebt fast die Hälfte der Bevölkerung.»

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«Obwohl das meiste Wasser im Süden ist, lebt die Hälfte der Bevölkerung im Norden»
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Im Norden Chinas liegt der Grossteil der Ackerbauflächen und Bodenschätze. Entsprechend schnell haben sich dort Industrie und Städte entwickelt. Zudem gelangte ein Grossteil des Abwassers jahrzehntelang ungefiltert in Flüsse und Seen. Das verstärkte die Knappheit zusätzlich.

Mittlerweile hat sich zwar laut dem Umweltexperten Ma Jung bei der Wasserverschmutzung einiges getan, ganz gelöst sei das Problem aber nicht.

15 Tage ist ein Wassertropfen unterwegs

Die wichtigste Pipeline ist die Zentralroute. Sie startet im Danjiangkou-Wasserreservoir und versorgt rund 20 Städte im Norden Chinas mit Trinkwasser, drunter die Stadt Peking.

Allein die Strecke von Danjiangkou bis Peking durchquert mehrere Provinzen und ist über 1000 Kilometer lang. Es dauert rund 15 Tage bis ein Wassertropfen aus dem Süden den Norden erreicht hat.

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20 Städte im Norden Chinas haben dank der Zentralroute Trinkwasser
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Der Bau des Kanalsystems hat Milliarden verschlungen und viel Kritik geerntet. Umweltschützer warnten vor den ökologischen Folgen und der Zerstörung ganzer Landschaften. Die Wasserumleitung verlangte von den Menschen grosse Opfer.

Rund 340’000 Menschen mussten dem Projekt Platz machen. Im Gegenzug profitieren von der Wasserumleitung bis heute rund 120 Millionen Menschen.

Für die Landwirtschaft ist das Wasser zu teuer

Nur längst nicht alle im trockenen Norden sind angeschlossen. Bauer Chen Ruxian lebt in der Nähe der Ost-Route – ein paar Stunden Autofahrt von der Stadt Zibo entfernt.

Wasser erhält er bisher keins: «Wir sind vom Wetter abhängig. Letztes Jahr hat es zwei Monate lang nicht geregnet.» Weil er nicht länger warten konnte, hat er trotzdem angepflanzt, gewachsen sei aber nichts.

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Bauern im Norden sind vom Wetter abhängig
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Die Gegend sei gebirgig und könne nur schlecht Wasser speichern. «Die Regierung hat versucht, Brunnen zu graben», erzählt Chen Ruxian, «aber das Grundwasser reicht nicht aus. Dürre ist deshalb seit langem ein ungelöstes Problem.»

Zwar soll die Stadt Zibo bald Trinkwasser aus der Wasserumleitung erhalten, Pläne, dass auch die Bauern davon profitieren sollen, gibt es nicht. Das weit transportierte Wasser ist für die Landwirtschaft schlichtweg zu teuer.

Wassereffizienz jahrzehntelang vernachlässigt

Nicht nur rund um Zibo wird die Route ausgebaut. Denn der Bedarf an sauberem Leitungswasser nimmt nicht ab, sondern steigt.

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Projekt löst Wasserknappheitsproblem nur teilweise
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Der Umweltexperte Ma Jun warnt vor einem voreiligen Ausbau: Bei Wasserknappheit gebe es nur zwei Möglichkeiten.

«Man erhöht entweder das Wasserangebot oder man verbessert die Effizienz. China hat jahrzehntelang einzig auf die Ausweitung des Angebots gesetzt.»

Wasserexperte Ma Jun fordert daher ein Umdenken. Viel wichtiger als Wasser teuer zu transportieren, wäre es, Wasser zu sparen.

10vor10, 24.07.2020, 21:50 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Chrigel Respond  (Cr)
    Anstelle anderer Wasserhaushalte nur zu kritisieren würden wir Schweizer besser im eigenen Land unser Augenmerk auf Wasserspeicher-Seen richten und diese ausbauen, damit in Zukunft Wasser kontinuierlich das ganze Jahr über sowohl als Stromlieferant wie auch als Bewässerung vorhanden ist.
    Sozusagen die Gletscher mit Staumöglichkeiten von Wasser kompensieren und heftige Regenmengen in Zukunft über längere trockene und heisse Zeiten nutzen zu können.
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    1. Antwort von Emil Brand  ((Inkognito))
      Ich fürchte, die Stauseen werden wegen der fehlenden Gletscher irgendwann ziemlich leer sein.
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Also ist das Projekt mehr oder weniger Nutzlos. Wie so oft bei China. Ein prestigeträchtiges Grossprojekt der Staatspartei, welches durchgeboxt wurde um es der Weltöffentlichkeit und der Bevölkerung im Staatstv präsentieren zu können. Der effektive Nutzen und die Nachhaltigkeit des Projekts sind genauso fragwürdig wie dessen Realisierung. Vieles in China ist vor allem Fassade aber dahinter steht oftmals nicht viel Nachhaltiges.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Nun nach 10000 Jahren Menschheitsgeschichte leben mehr als 50 Prozent in den Städten, das war mal klug. Was es jetzt braucht sind smarte Dörfer und Städte die die Berünung vorantreibe. Es ist also ein Zenit überschritten. Die Chinesen haben viel zu viele Menschen in die Städte gezogen. Ich gegen den Rest der Welt. Indien hat noch am meisten Bauern und leistet den höchsten Umweltschutz. Es muss sexyer werden Baumpfleger und Umweltgestalter zu sein. Es braucht Gegenkonzepte.
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