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Wassernot in Kapstadt Die Angst vor dem «Day Zero»

Legende: Audio Trotz Regen: Die Folgen der Dürre in Südafrika sind unübersehbar abspielen.
3:07 min, aus SRF 4 News aktuell vom 23.03.2018.

Die Region um die südafrikanische Metropole wurde von der härtesten Dürre seit über hundert Jahren heimgesucht und Kapstadt hatte es verschlafen vorzusorgen. Wenn es nicht bald und genügend regnet, werden im Juli die Wasserhähne in der Millionenstadt zugedreht und die Einwohner müssen an öffentlichen Stellen für rationiertes Trinkwasser anstehen. Kapstadt wappnet sich für dieses Szenario.

Furcht vor «Day Zero»

Bei den Newlands Springs, einer natürlichen Quelle mitten in einem Mittelklassequartier in Kapstadt, herrscht Andrang. Menschen jeglichen Alters, Hautfarbe und Geschlechts stellen sich mit ihren leeren Plastikflaschen und Kanistern in die Schlange. Sie alle wollen nur eines: zusätzliches Wasser.

Denn aus dem Hahn zuhause kommt nicht mehr so viel wie auch schon, so ein junger Mann: «Day Zero steht kurz bevor». «Day Zero» – die Stunde Null. Das ist der Tag an dem die Stadt die Wasserhähne zudreht.

Wasserdruck reduziert

Um dies zu verhindern, hat die Stadt den Wasserdruck in den Leitungen vermindert und den täglichen Wasserbedarf pro Person auf 50 Liter reduziert. Das ist eine halbe Badewanne voll. Wasserpatrouillien kontrollieren, ob die Haushalte die Rationierung einhalten. Es gibt gar eine städtische Hotline, bei der man Wassersünder anzeigen kann. Doch ob das reicht, ist unklar.

Und viele Kapstädter fürchten «Day Zero»: «Wenn sie wirklich die Hähne zudrehen – das wird ein Riesenproblem. Ich kann mittlerweile sogar verstehen, warum Nationen für Wasser in den Krieg ziehen», sagt ein älterer Mann.

Als die Stadt Anfang Jahr den «Day Zero» auf April ansetzte, brach bei einigen Kapstädtern Panik aus. Sie kauften das Trinkwasser in den Supermärkten auf und legten ganze Wasserlager in ihren Garagen an. Bei den Quellen von Newlands herrschte Chaos, erzählt eine Anwohnerin. «Es war ein Albtraum. Ganze Lastwagen kamen, die ganze Nacht hindurch. Weil die Anwohner nicht mehr schlafen konnten, haben einige meiner Nachbarn gar ihr Haus verkauft».

Wasserstellen unter Polizeischutz

Weil es auch Schlägereien gegeben hatte, kontrolliert mittlerweile die Polizei die Wasserstellen. Ein Vorgeschmack, wie «Day Zero» aussehen könnte. Und dafür muss die Stadt gewappnet sein.

Eine halbe Stunde Autofahrt entfernt sitzt Greg Pillay in seinem Büro. Als Chef des Kapstädter Disaster Risk Management Center ist er zuständig für den Notfallplan, welcher vier grosse Risiken vorsieht: «Kein Wasser heisst keine Hygiene, heisst Krankheitsausbrüche. Ausserdem droht die Gefahr von Gewalt in der Bevölkerung.»

Nie mehr so ein Leben wie zuvor

Sollte Kapstadt das Wasser ausgehen, wird die Regierung mit Hilfe von Polizei und Militär an 200 Stellen in der Stadt je 25 Liter Wasser pro Person abgeben. Spitäler, Atomkraftwerke, der Flughafen – wichtige Infrastruktur wird weiterhin uneingeschränkt Wasser haben.

Für alle andern wird das Leben nie mehr sein wie zuvor, so der Katastrophenmanager. Alle werden sich Zeit nehmen müssen, um für Wasser anzustehen, es wird die Wirtschaft beeinträchtigen, Jobs könnten verschwinden. «Ich bitte darum alle Kapstädter Wasser zu sparen, damit es nicht zum Ernstfall kommt.»

«Gottseidank!»

Die Strategie der Stadt wird von vielen Kapstädtern als bedrohlich wahrgenommen. Das führt zu viel Kritik. Doch die Drohkulisse hat auch Wirkung gezeigt. Innerhalb weniger Monate hat die Stadt ihren Wasserverbrauch halbiert. Wenn das so bleibt und der Regen kommt, kann «Day Zero» vermieden werden.

Bei den Quellen in Newlands hat es mittlerweile angefangen zu regnen. «Thank you lord», Gottseidank: «Wir sind froh um jedes kleines bisschen Regen», sagt die Anwohnerin – und rollt ihr Wägelchen mit vier riesigen Wasserkanistern nach Hause.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Abholzung und Bevölkerungsexplosion führen zu Dürren und Überschwemmungen. Nur 1% der Gesamtfläche Südafrikas ist bewaldet, davon sind 2,6 Mio. ha natürlicher und 1,2 Mio. ha angepflanzter Wald. Auch sind grosse Bäume relativ selten in vielen Teilen des Landes und die meisten Waldgebiete sind relativ klein. Im Tagesanzeiger erschien ein Bericht, online unter: "Der Waldmacher". Solche Projekte sollte man mit Milliarden Entwicklungsgeldern fördern, unter Fluchtursachen bekämpfen.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
    Wassermangel ist nur der Vorgeschmack zu den Folgen einer zunehmenden Schieflage von global begrenzten Ressourcen und menschlichen Ansprüchen, resp. ökologischen Fussabdruck. Bevölkerungsexplosion ist ein wichtiger Faktor, aber fehlende Planung und Ignoranz noch gewichtiger. Klimatischer Wandel ist nicht das Hauptübel, sondern die fehlende Kompetenz und Weitsicht der Menschheit diese teils hausgemachten Änderungen zu verhindern und sich vor allem angemessen der neuen Situation anzupassen.
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Das zeigt,wie wertvoll unsere Stauseen und unser Grundwasser ist.Nie und nimmer darf dieser Schatz in private,noch schlimmer in ausländische Hände geraten.Sonst ergeht es uns wie einst Kalifornien,das seinen selbst erzeugten Strom in Texas teuer zurückkaufen muss.
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