Weder Krieg noch Frieden auf der koreanischen Halbinsel

Die koreanische Halbinsel gilt als letzte Bastion des Kalten Krieges. Auch 60 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges stehen sich Soldaten aus dem Norden und Süden bis an die Zähne bewaffnet feindlich gegenüber.

Am 27. Juli 1953 wurde in Panmunjom der Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea geschlossen. Er sollte einen Schlussstrich unter den drei Jahre dauernden Koreakrieg ziehen. Der kriegerische Konflikt selbst war ein Stellvertreterkrieg zwischen den damaligen Supermächten im Kalten Krieg. Zusammen mit China kämpften die Truppen Nordkoreas gegen die Armee Südkoreas, die seinerseits von den USA sowie der UNO unterstützt wurde.

Der Streit um die Macht auf der Koreanischen Halbinsel hat aber eine längere Vorgeschichte. Das Kaiserreich Korea war seit 1894 unter der Vorherrschaft Japans. 1910 wurde es von Japan annektiert. Nach der Kapitulation Japans am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Korea in zwei Besatzungszonen aufgeteilt. Der Süden des Landes wurde von US-Truppen, der Norden von sowjetischen Truppen besetzt.

Nach abwechselnden Grenzverletzungen marschierten die Nordkoreaner am 25. Juni 1950 in den Süden ein und überrannten die kaum vorbereiteten Südkoreaner. Mitte September begann die Gegenoffensive der UNO-Truppen unter US-General MacArthur, die die nordkoreanischen Truppen bis weit hinter den 38. Breitengrad zunächst zurückdrängten.

Schliesslich stabilisierte sich die Front nahe des 38. Breitengrades. Die Waffenstillstandsverhandlungen begannen im Juli 1951.

Waffenstillstand wiederholt gebrochen

Erst durch Einsatz von UNO-Truppen aus 16 Ländern konnten die nordkoreanischen Verbände zurückgeschlagen werden, die in den Süden eingefallen waren. Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand zogen sich über fast zwei Jahre hin.

Das Abkommen vom 27. Juli 1953 bestätigte im Wesentlichen den 38. Breitengrad als Grenze zwischen Nord- und Südkorea und legte eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone fest. Drei Monate nach der Vereinbarung wurden die Kriegsgefangenen von beiden Seiten frei gelassen.

Wie brüchig der Waffenstillstand nach wie vor ist, haben die vielen militärischen Grenzzwischenfälle in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gemacht. Beide Seiten werfen sich gegenseitig unzählige Verletzungen des Waffenstillstands vor. Noch im März hatte Nordkorea das Abkommen aufgekündigt – wenn auch nicht zum ersten Mal.

Hochexplosive Situation

Weil es seit dem Kriegsende keinen Friedensvertrag gibt, herrscht auf der Halbinsel völkerrechtlich nach wie vor Kriegszustand. Über eine Million Soldaten aus Süd- und Nordkorea stehen sich am 38. Breitengrad gegenüber – nur getrennt von einer vier Kilometer breiten Pufferzone.

Südkorea wirft Nordkorea vor, das Waffenstillstandsabkommen seit Jahren systematisch zu torpedieren. Ziel des kommunistischen Regimes in Pjöngjang ist es, das von ihm selbst als «nutzloses Stück Papier» bezeichnete Dokument durch einen Friedensvertrag mit den USA zu ersetzen.

Ein solcher Vertrag würde die US-Truppenpräsenz in Südkorea aus Sicht Pjöngjangs überflüssig machen. Die USA und Südkorea verlangen jedoch von Nordkorea konkrete Schritte zum Abbau seines Atomwaffenarsenals, um den Weg zu einer neuen Friedensordnung freizumachen.

Zeichen der Entspannung

Der Dauerkonflikt um das nordkoreanische Atomprogramm hatte sich seit dem dritten Nukleartest des Landes im Jahr 2013 zugespitzt. Zuletzt hatte Pjöngjang jedoch wieder Entspannungssignale ausgesendet.

Zum ersten Mal will Südkorea nun den Jahrestag der Unterzeichnung mit einer nationalen Gedenkzeremonie begehen. Man wolle den alliierten Nationen Dankbarkeit zeigen und die Freundschaft zu den Ländern festigen, erläutert das Ministerium für Patrioten und Veteranen-Angelegenheiten.

Zudem sei es wohl die letzte Chance für etwa 200'000 südkoreanische Kriegsveteranen, an einer solchen Zeremonie teilzunehmen, sagte der Leiter des Büros für Veteranen-Politik, Park Jong Wang. Ihr Alter liege im Schnitt bei 82 Jahren.

Schweizer Friedensförderung

Schweizer Friedensförderung

Der Korea-Konflikt endet im Waffenstillstandsabkommen vom 27. Juli 1953. Kommissionen von neutralen Staaten hatten die Aufgabe, zum einen die Gefangenen zu repatriieren und zum anderen den Waffenstillstand zu überwachen. Von Anfang an war die Schweiz dabei. Bis heute sind Schweizer Soldaten an der Demarkationslinie stationiert.

Ein Krieg – mehrere Namen

Der Koreakrieg wird unterschiedlich genannt. In Südkorea heisst der Konflikt «6.25». Hier wird auf das Datum des Ausbruchs am 25. Juni 1950 erinnert. In Nordkorea ist es der «Vaterländische Befreiungskrieg», während die USA zum Beispiel den Krieg als «internationale Polizeiaktion» bezeichnen. Damit wurde eine Kriegserklärung vermieden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • 60. Jahrestag des Waffenstillstands in Korea

    Aus Tagesschau vom 27.7.2013

    Am 27. Juli 1953 wurde in Panmunjom nach drei Jahren Krieg der Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea unterzeichnet. Das Abkommen definiert den 38. Breitengrad als Grenze zwischen den beiden Ländern und legt eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone fest. In Südkorea findet der Jahrestag nur wenig Beachtung. Der Norden dagegen nutzt ihn für eine der grössten Militärparaden in der Geschichte des verarmten Landes.

  • 60 Jahre nach dem Armee-Einsatz

    Aus 10vor10 vom 24.7.2013

    Diese Woche jährt sich der Waffenstillstand im Korea-Krieg zum 60. Mal. Einen Friedensvertrag gibt es aber bis heute nicht. Auch die Schweiz engagierte sich in der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea. «10vor10» traf einen Schweizer Veteranen, der vor 60 Jahren in Korea Dienst leistete.