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WEF 2018 «Für Trump stand das Geschäft im Vordergrund»

Legende: Audio Donald Trump lobt sich und die USA abspielen. Laufzeit 07:20 Minuten.
07:20 min, aus Echo der Zeit vom 26.01.2018.

Ein kooperativer Donald Trump und eine Rede mit vielen inhaltlichen Lücken. USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi ordnet den WEF-Auftritt des US-Präsidenten ein.

SRF News: Was für einen Eindruck haben Sie von der Rede des US-Präsidenten?

Isabelle Jacobi: Es war ein sehr kooperativer Trump, der sich in Davos präsentiert hat. Im Vordergrund stand für ihn klar das Geschäft – «America is open for Business», so der Refrain seiner Rede. Trump drehte quasi eine Siegesrunde vor den Mächtigen der Wirtschaft, er kann ja auch tatsächlich mit einem Wirschafts-Aufschwung punkten.

Die Rede hatte massive inhaltliche Lücken.

Aber es gab – bei allem Eigenlob – auch massive inhaltliche Lücken. Apropos Freihandel: Was ist mit dem Freihandelsabkommen Nafta? Es hängt in der Schwebe. Was ist mit den neuen Importzöllen auf Waschmaschinen und Solarmodulen? Und ein weiteres Thema: Was ist mit dem Klimawandel? Da ist Trump auf Kollisionskurs mit der Welt, aber all das fand keine Erwähnung.

Trump ist ein vielgesichtiges Staatsoberhaupt.

Trump hatte bisher eher düstere Auftritte auf dem internationalen Parkett. In Davos gab er sich nun optimistisch und voller Tatendrang. Wie kommt das?

Trump ist ein vielgesichtiges Staatsoberhaupt. Er weiss genau, wie er sich verkaufen kann und hat ein sehr sicheres Gespür für sein Publikum. So hat er schliesslich auch die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Man weiss aus Erfahrung, dass er sehr unterschiedlich auftreten kann, je nachdem, ob er mit Politikern spricht oder mit seiner Basis. Oder jetzt am WEF mit der Wirtschaftselite.

Dass ihm in Davos der rote Teppich ausgerollt wurde, spielte sicher auch eine Rolle. Trump reagiert sehr positiv auf Anerkennung – und sehr negativ auf Kritik.

Ist das mediale Echo auf Trumps Auftritt in Washington auch so gross?

Es ist nicht so gross wie in Europa. Natürlich wurde Trumps Rede am WEF live übertragen und kommentiert. Aber die «New York Times» und die «Washington Post» bringen zuoberst eine neue Skandalgeschichte zu Trump: Offenbar soll dieser nun doch geplant haben, den Sonderermittler in der Russland-Affäre, Robert Mueller, zu entlassen. Und das «Wallstreet Journal» hat zuoberst die Wachstumszahlen des vierten Quartals 2017: Diese liegen mit 2,6 Prozent etwas unter den Erwartungen. Das rückt die Boom-Botschaft von Trump in Davos zurecht, wenigstens ein bisschen.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Isabelle Jacobi

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Porträt Isabelle Jacobi

Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. 2008 wechselte sie zum «Echo der Zeit» und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist sie USA-Korrespondentin in Washington.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Trump hat viele Tabuzonen offengelegt und zur Disposition gestellt. Das passt der europäischen Gross-Schickimicki natürlich gar nicht. Aber das macht nichts.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Propaganda mit wenigen Sätzen: Donald Trump habe sich in ein gemachtes Nest gesetzt, profitiere von der globalen Erholung und reitet "diese Welle gnadenlos", indem er den Erfolg als seinen eigenen verkaufe. Er sei "der Inbegriff des Globalisten". Seine "Komplizenschaft" mit den Eliten besteht darin, dass er publikumswirksam auf sie schimpft - und sie zugleich gewähren lasse. Vom Klimawandel kein Wort. Er interessiert sich nur für sich selbst und für Geld. Bitte nächstes Jahr vom WEF fernbleiben
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Wie sich die Medien redlich abmühen von Trump eine besonders hässlich Variante rüberzubringen ist schon sehr auffällig. Trump hat da schon recht, so er sagt, die Medien hätten eine sehr hässliche Seite. Mancherorts verlieren diese sogar auch jedes Taktgefühl. Und was die "Lücken" betrifft, so glaube ich sogar, dass da die Mainstreamer & Medienlandschaft eben auch erhebliche, selbstverordnete Lücken haben aufgrund eigener Gesinnung und Anschauungen. - Nur die wollen es ja auch nicht wahr haben.
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