Sturm auf Mossul Wegen hoher Zahl ziviler Opfer – Armee unterbricht Rückeroberung

Dutzende Tote lägen unter Trümmern begraben. Vor allem in der Altstadt. Darum werden die Vormarschpläne überarbeitet.

Soldaten in einem Lastwagen.

Bildlegende: Die Soldaten der irakischen Armee legen eine Feuerpause ein. Zu viele Opfer sind beim Sturm auf Mossul zu beklagen. Reuters

  • Wegen der hohen Zahl an zivilen Opfern haben die irakische Armee und die Polizei die Rückeroberung der IS-Hochburg Mossul unterbrochen.
  • Vor allem in der Altstadt seien viele zivile Opfer zu beklagen, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Vormarschpläne würden deshalb überarbeitet.

«Zurzeit finden keine Kampfeinsätze statt», sagte ein Sprecher der Polizeikräfte am Samstag. Wegen der zahlreichen Verluste unter der Zivilbevölkerung in der Altstadt würden die Vormarschpläne überarbeitet. Dutzende Tote lägen unter Trümmern begraben, sagte der Vorsitzende des Provinzrates von Ninive, Baschkar al-Kiki. Der Gouverneur der Provinz, Nawfal Hammadi, sprach von mehr als 130 Toten.

Mehr als 200'000 Flüchtlinge

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Kampf um Mossul in entscheidender Phase

1:35 min, aus 10vor10 vom 14.3.2017

Flüchtlinge hatten zuvor bereits berichtet, bei den Luftangriffen der von den USA unterstützten Anti-IS-Koalition seien etliche Menschen unter einstürzenden Häusern begraben worden. Auch die Vereinten Nationen sprachen von hohen Opferzahlen.

Das Ministerium für Migration und Vertriebene in Bagdad teilte mit, seit dem Beginn des Sturms auf den Westteil Mossuls seien mehr als 200'000 Menschen aus der Stadt geflüchtet.

Hunderttausende sitzen fest

In der heftig umkämpften Metropole sitzen nach Angaben der UNO aber noch rund 400'000 Zivilisten fest. Aus Angst vor Heckenschützen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) würden viele Menschen nicht flüchten. Regierungstruppen haben mit Unterstützung von US-Luftangriffen bereits den Osten der Stadt und über die Hälfte des Westens unter Kontrolle gebracht.

Der Vormarsch der Regierungstruppen steckt allerdings in den engen Strassen der Altstadt fest. «Es ist an der Zeit, neue Offensivpläne und Taktiken zu erwägen», sagte der Sprecher der Sicherheitskräfte vor Ort. Es müsse sichergestellt werden, dass die Vertreibung des IS nicht zu unerwünscht hohen Opferzahlen unter der Bevölkerung führe. Nötig seien «chirurgisch präzise» Operationen gegen die IS-Kämpfer.

Am Freitag hatte US-Brigadegeneral John Richardson der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, überlegt werde unter anderem, die Altstadt vom Rest der Stadt zu isolieren. Die UNO-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak, Lise Grande, erklärte, die UNO sei wegen der zivilen Verluste sehr besorgt.