Zum Inhalt springen

International Wegen Snowden: Mehrere Mail-Dienste schliessen

Lavabit, ein Anbieter für verschlüsselte Emails, gibt auf – angeblich auf Druck der US-Behörden. Ein anderer ähnlicher Dienst streicht gleich vorsorglich die Segel.

Internetseite
Legende: Dienst wegen Snowden eingestellt: Der Mail-Verschlüsselungs-Service Lavabit. lavabit

«Ich sehe mich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu fällen - entweder mitschuldig an Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu werden oder zehn Jahre harte Arbeit aufzugeben und Lavabit zu schliessen», erklärte der Besitzer des E-Mail-Dienstes Lavabit, Ladar Levison, auf der Internetseite des Unternehmens.

Er habe sich entschieden, die Arbeit einzustellen; er dürfe aber nicht über die Ereignisse der vergangenen sechs Wochen diskutieren, die zu dieser Entscheidung geführt hätten. Das entspricht dem Zeitraum, seit der Whistleblower Edward Snowden mit seinen Informationen über die Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes NSA an die Öffentlichkeit ging.

Wenige Stunden später folgte der ähnliche Dienst Silent Circle aus dem US-Staat Maryland seinem Vorbild. Alle Daten seien bereits vernichtet worden, sagte der Chef Mike Janke der «New York Times». «Wir dachten, es sei besser, Kritik von Kunden zu bekommen als gezwungen zu werden, sie auszuhändigen.» Silent Circle habe zwar noch keine Durchsuchungsbefehle oder andere Anfragen bekommen, wollte aber gerade deswegen handeln, solange es noch rechtlich möglich war.

Warnung an Internet-Gemeinde

Die jüngsten Erfahrungen hätten ihm eine sehr wichtige Lektion erteilt, schrieb Lavabit-Chef Ladar Levison. Solange es keine klaren Aktionen des Kongresses oder der Justiz dazu gebe, könne er nur jedem dringend abraten, seine privaten Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das direkte Beziehungen zu den Vereinigten Staaten habe.

Laut Berichten wurde unter anderem eine Lavabit-Adresse für Einladungen zu einer Pressekonferenz von Snowden am Moskauer Flughafen Scheremetjewo benutzt. Es gab Hinweise, wonach er schon seit 2010 Lavabit-Kunde gewesen sein könnte. Lavabit hatte seinen Kunden zugesagt, dass deren E-Mails auf den Servern des Unternehmens verschlüsselt werden und dass ein Zugang zu den Mails nur mit dem Passwort des Nutzers möglich sei.

Lavabits Erklärung lässt vermuten, dass die US-Behörden möglicherweise Zugang zur E-Mail-Korrespondenz von Snowden, zu anderen Informationen über ihn oder zum Schlüssel seiner Mails bekommen wollten oder sogar einen Zugang zu den Daten der Hunderttausenden anderen Lavabit-Kunden.

Der strikte Maulkorb für Lavabit könnte auf eine Anfrage der Behörden nach Nutzer-Informationen gemäss dem Auslandsspionage-Gesetz FISA hinweisen. Solche Anfragen sind so geheim, dass noch nicht einmal ihre Existenz bestätigt werden darf. Das US-Justizministerium äusserte sich zunächst nicht dazu.

Eine weitere Möglichkeit wäre auch ein Durchsuchungsbefehl gegen Lavabit. Der E-Mail-Anbieter hatte laut Gerichtsunterlagen im April einem Durchsuchungsbefehl entsprochen, bei dem es um das Konto eines Verdächtigen in einem Fall von Kinderpornografie ging.

Snowden von Entscheidung «begeistert»

Dafür gab Glenn Greenwald, der Guardian-Journalist hinter den Snowden-Enthüllungen bekannt, Link öffnet in einem neuen Fenster, er stehe weiterhin mit dem Whistleblower in Kontakt. Snowden war vom Entscheid von Ladar Levison «begeistert». Weiter meinte er, Amerika könne nicht ein erfolgreiches Land sein, wenn Einzelpersonen wie Ladar Levison auswandern müssten, um ihr Geschäft durchführen zu können.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von R. Frey, Bern
    Das ist äusserst bedauerlich. Ich bin bzw. war langjähriger Kunde von Lavabit und habe diesen Anbieter gerade wegen seiner AGBs gewählt und sehr geschätzt. Ich finde das Vorgehen der amerikanischen Behörden sehr anmassend. Die machen wirklich alles kaputt! ;-(
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P. Fahrni, Bern
    Die Amis sind so dumm. Sie machen alles kaputt. Sogar ihre eigene Wirtschaft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von h. anni, zürich
    Das finde ich mutig. Der mail-dienst hatte bestimmt in seinen AGB's den Kunden versprochen, dass deren Daten, Adressen etc. nicht weitergegeben werden und entsprechend gehandelt. Ich wünschte mir mehr solche Firmen. Der Bundesrat sollte sich daran ein Beispiel nehmen, denn man kann gegen den Goliath gewinnen...wenn man denn nur will. Die USA muss in ihrer Informationsgier gestoppt werden wo immer das möglich ist. Was sie in ihrem eigenen Land tun, ist mir egal, aber Weltweit, das geht nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen