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International Wein aus aller Herren Länder – aber kein Mehl

In Venezuela hat die Opposition einen Zwischensieg errungen, doch bis zur Absetzung des unbeliebten Präsidenten Maduro könnten noch Monate vergehen. Inzwischen geht es der Bevölkerung immer schlechter. Schuld daran ist die Misswirtschaft der Regierung.

Menschen protestieren.
Legende: Immer mehr Venezolaner wenden sich von Maduro ab. Laut Umfragen sind inzwischen 60 Prozent gegen den Präsidenten. Keystone

Die Opposition in Venezuela hat eine weitere Hürde in ihrem Streben nach einem Referendum zur Amtsenthebung von Präsident Nicolás Maduro genommen. Noch aber braucht es eine zweite Unterschriftensammlung, bevor das Volk zur Urne gerufen wird. Die amtierende Regierung versucht alles, diesen Prozess hinauszuzögern.

Derweil leiden die Venezolaner immer stärker unter der Krise, deren Ursache der Unfähigkeit der Regierung Maduro zugeschrieben wird, wie SRF-Südamerikakorrespondent Ulrich Achermann sagt.

SRF News: Die Versorgungskrise in Venezuela wird immer akuter. Wo zeigt sie sich am stärksten?

Ulrich Achermann: Besonders prekär ist die Lage bei den Grundnahrungsmitteln und den Medikamenten. Brot, Milch und sowieso alle Produkte, deren Preise staatlich kontrolliert werden, sind nur schwer zu bekommen. Die Situation ist absurd: In jedem Supermarkt erhält man dutzende verschiedene Sorten Rotwein aus dem Ausland; aber Mehl, Milch und Zucker gibt es nicht.

Inzwischen ist eine Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr zufrieden mit Maduro. Weshalb aber halten die Streitkräfte nach wie vor zum chavistischen Präsidenten?

Rund die Hälfte von Maduros Minister sind Militärs, zudem hat er die Armee mit Pfründen versorgt. So betreibt das Militär eigene Erdöl- und Bergbaubetriebe. Damit verfügt die Armee über grosse Einnahmen.

Die Opposition ist gegen Maduro und seine Chavisten. Welches Programm hat sie darüber hinaus?

Das würden alle gerne wissen. Derzeit ist die Opposition bloss darauf eingeschworen, Maduro von der Macht zu verdrängen. Es gibt aber immer wieder Berichte über eine Spaltung des bürgerlichen Lagers. Bislang hat die Opposition auch noch keinen Regierungsplan vorgelegt, wie sie Venezuela regieren würde. Es ist völlig offen, was sie anders und besser machen würde als Maduro.

Das Gespräch führte Roman Fillinger.

Maduros Stuhl wackelt stärker

Maduros Stuhl wackelt stärker

Die Opposition ist einen Schritt näher an der Amtsenthebung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Die regierenden Sozialisten unternehmen aber alles, um den scheinbar unvermeidlichen Prozess zu verzögern. Lesen Sie hier mehr.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Venezuela, ein anderes klassisches Beispiel das zeigt wo Sozialismus hinführt wenn die Geldquelle versiegt!
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  • Kommentar von Bruno Vogt (b.vogt)
    Die Opposition ist zwar in verschiedene Lager aufgeteilt, das ist aber verständlich, schliesslich hat Venezuela auch nicht nur ein 2-Parteien System. Und die Opposition hat einige wichtige Punkte bei denen sie sich einig sind, beispielsweise die sofortige Freilassung von politischen Gefangenen aber auch die Aufhebung der Preiskontrollen und die Ankurbelung der Lebensmittelproduktion. Da das Militär am aktuellen System verdient, wird es einen demokratischen Machtwechsel kaum freiwillig erlauben.
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