Weit über 100 Tote bei IS-Anschlägen in Ägypten

Bei einer Anschlagsserie auf der Sinai-Halbinsel sind mindestens 100 Menschen getötet worden. Zu den Taten bekannte sich der ägyptische Ableger der radikalen IS-Miliz, die Sinai-Provinz. Es handelt sich um den schwersten Gewaltausbruch im Sina seit 2003.

Die Gewalt auf der Halbinsel Sinai erreicht einen neuen Höhepunkt. Laut Angaben des ägyptischen Militärs sind bei den Anschlägen islamistischer Extremisten fast 120 Menschen getötet worden.

Die Anschläge galten Posten der ägyptischen Armee. 100 Militante sowie 17 Soldaten sollen den Angaben zufolge bei den Anschlägen und anschliessenden Gefechten ums Leben gekommen sein.

Zu den Angriffen bekannte sich der ägyptische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Zahlreiche Attentäter der «Löwen des Kalifats in der Provinz Sinai» hätten am frühen Mittwochmorgen 15 Posten der ägyptischen Armee überfallen.

Ziel der Angriffe seien aber nicht nur Armeeposten gewesen, sondern auch eine Polizeiwache. Extremisten hätten rund um die Wache in Scheich Suweid Sprengsätze deponiert und die Polizisten dazu gezwungen, im Gebäude zu bleiben. Zudem hätten sie eine Verbindungsstrasse zu einem Armeelager vermint.

Schwerster Gewaltausbruch seit 2003

Terrorangriffe hatten sich in den vergangenen Tagen in Ägypten gehäuft. Am Montag war Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bei einem Bombenanschlag in Kairo getötet worden. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte daraufhin angekündigt, Prozesse künftig beschleunigen zu wollen - als Teil seines Kampfes gegen die verbotene Muslimbruderschaft.

Der IS hatte seine Anhänger aufgefordert, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit einer Welle von Anschlägen Stärke zu demonstrieren. In Ägypten steht insbesondere der Sinai im Visier von Islamisten.

Bereits hunderte Polizisten in den letzten Monaten getötet

Hunderte Polizisten und Soldaten wurden in den vergangenen Monaten getötet. Als Reaktion darauf verhängte die Armee den Ausnahmezustand über Teile der Halbinsel. Sie griff auch immer wieder Stellungen der Extremisten an und zerstörte Tunnel in den angrenzenden palästinensischen Gazastreifen, über die vermutlich Waffen geschmuggelt wurden.

Radikale Gruppen greifen im Norden des Sinai seit Jahren immer wieder die ägyptische Armee an. Die arme Region ist eine Hochburg der Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis, die Ende des vergangenen Jahres dem IS die Treue geschworen hatte. Der Angriff am Mittwoch war der heftigste Gewaltausbruch im Sinai, seit die Armee Ägyptens Präsidenten Mohammed Mursi 2013 stürzte.