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International Weltsozialforum in Tunis: Absage an Fundamentalisten

Mit Tunesien hat sich das am Dienstag gestartete Weltsozialforum erstmals einen arabischen Austragungsort ausgesucht. Erstes Thema der 30'000 Globalisierungskritiker: Die Rolle der Frau zwischen Islamisten und neuem Bürgertum.

Legende: Video Weltsozialforum in Tunis abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.03.2013.

Unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich» ist in der tunesischen Hauptstadt Tunis das diesjährige Weltsozialforum eröffnet worden. Bei der Gegenveranstaltung zum alljährlichen Weltwirtschaftsgipfel (WEF) in Davos diskutieren bis Freitag Gewerkschafter, Globalisierungsgegner und andere Aktivisten über Alternativen zur kapitalistischen Weltordnung.

Eine Friedensfahne über Teilnehmern einer Demonstration
Legende: Mit einem Marsch gegen alle Formen von Fundamentalismus, der sich gegen Frauen richtet, begann das Treffen. Keystone

Eine andere Welt ist möglich

Das Forum ist für die Veranstalter auch eine Botschaft der Solidarität an Völker, die als Preis für mehr Freiheit politische und wirtschaftliche Unsicherheit ertragen müssen. Zwei Jahre nach der Vertreibung der Diktatoren leiden Staaten wie Tunesien und Ägypten weiter unter Unruhen und Spannungen zwischen islamischen Konservativen und westlich geprägtem Bürgertum.

Das Forum hat sich nach Angaben der Organisatoren zum Ziel gesetzt, die politische Situation in Ländern mit revolutionären Erfahrungen besser verständlich zu machen. Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Beschäftigung sowie der Kampf gegen Korruption gehörten zu den grössten Herausforderungen.

Auf der Agenda der Teilnehmer stehen ferner Themen wie die Macht der Finanzmärkte, europäische Sparprogramme, der Klimawandel, Entwicklungspolitik und Migration.

Schuldenerlass für Tunesien gefordert

Hugo Braun von der deutschen Niederlassung der Globalisierungskritiker Attac sprach sich für einen Erlass der tunesischen Schulden aus. Es sei unfair, wenn einfache Tunesier die Schulden des korrupten Regimes des gestürzten Diktators Zine El Abidine Ben Ali zurückzahlen sollten, sagte Braun. Vielmehr müsse die herrschende Klasse des Landes zur Kasse gebeten werden.

Zum Auftakt befasste sich das Forum mit der Situation der Frauen vor allem in Ländern des Arabischen Frühlings. In Tunesien geniessen Frauen offiziell dieselben Rechte wie Männer. Ein Vorstoss der regierenden Islamisten-Partei Ennahda, wonach Frauen in der neuen Verfassung als «ergänzend» zu Männern definiert worden wären, wurde rasch zurückgewiesen. Dennoch gibt es zwei Jahre nach Beginn der Revolution wachsendes Unbehagen bei Frauengruppen angesichts eines erstarkenden Selbstbewusstseins radikalislamistischer Salafisten.

Warnung vor Fundamentalismus

Am Dienstag hatten die Frauen Globalisierungskritiker und Gewerkschafter an ihrer Seite. Ein Marsch durch die Hauptstadt Tunis sollte dies unterstreichen. Das Weltsozialforum warnte in einer Stellungnahme vor «allen Formen von Fundamentalismus», der Kontrolle über Frauen übernehmen wolle.

Demonstranten mit grossen Transparenten und Fahnen
Legende: Die Globalisierungskritiker wollen in Tunis auch die Ideale und Ziele des Arabischen Frühlings neu beleben, hiess es. Keystone

Die wachsende Kluft zwischen Säkularen und religiösen Konservativen fand in Tunesien einen vorläufigen Höhepunkt nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Chokri Belaid. Die anschliessenden Unruhen mündeten in eine Regierungskrise und in ein neues Kabinett.

«Wir haben eine Vision der Gesellschaft, für die wir kämpfen», sagte Belaids Witwe Basma Khalfaoui in Tunis. «Wir müssen uns entscheiden zwischen einer fortschrittlichen Gesellschaft auf freiheitlicher Basis oder einem rückschrittlichen Projekt, einer – wie ich es die ich nennen würde – dunklen Vision für eine Gesellschaft, in der alles verboten ist.»

Zehntausende erwartet

Die Organisatoren erwarten zu Workshops und Konferenzen rund 30'000 Teilnehmer. Das Weltsozialforum 2013 ist das erste in einem arabischen Land. Die Premiere hatte das Format 2001 in Brasilien.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Guenter Schwarz, Berlin
    Ich wundere mich, dass die Organisationen nicht eindeutig ein bedingungsloses Grundeinkommen für die Menschen fordern, damit sie sich selbst helfen können, freier werden durch Unabhängigkeit. Das Existenzminimum ist ein Menschenrecht. https://ec.europa.eu/citizens-initiative/REQ-ECI-2012-000028/public/index.do?lang=de
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