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Weltweiter Waffenhandel «Indien will China nicht als Hegemonialmacht in Asien»

Legende:
Die indischen Waffenimporte sind zwischen 1993 und 2017 von 735 Millionen auf 3,3 Milliarden US-Dollar gestiegen https://www.sipri.org/databases/armstransfers

Der weltweite Waffenhandel legt zu. In den Jahren 2013 bis 2017 nahm er im Vergleich mit der vorangegangen Fünfjahresperiode um zehn Prozent zu. Das zeigen die neusten Zahlen des Stockholmer Friedens-Forschungs-Instituts Sipri. Grösster Käufer ist Indien. Wieso Indien weltweit inzwischen am meisten Waffen kauft, fasst Fredy Gsteiger zusammen.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF News: Indien importiert seit Jahren mehr Waffen, jetzt weltweit sogar am meisten. Warum?

Fredy Gsteiger: Der erste Grund ist möglicherweise etwas banal. Indien ist wohlhabender geworden und kann sich mehr Waffen leisten. Auch die anderen grossen Waffenimporteur sind reiche Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. In Bezug auf Indien sind es hauptsächlich Spannungen mit dem alten Rivalen vor Ort, mit Pakistan, die das Land veranlassen, sich diese Waffen zu beschaffen, aber nicht nur. Es gibt auch Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und China. Zudem will China die neue Hegemonialmacht in ganz Asien werden, und das passt Indien nicht. Deswegen kauft Indien immer mehr Waffen, und zwar nicht nur bei seinem traditionellen Lieferanten Russland, sondern auch in den USA.

Sind die Waffenexporte aus den USA ein Zeichen für eine Öffnung gegenüber dem Westen?

Indien hat sich lange als tendenziell anti-westliches Land definiert. Es war sozusagen das führende Land unter den entkolonialisierten Mächten, auch dank Gandhi. Es hat eher Beziehungen zu Russland und zu damals als blockfreie Staaten geltenden Ländern gesucht. Gegenüber dem Westen war es misstrauisch. Deshalb ist die indische Armee zu einem grossen Teil noch mit Waffen aus Russland ausgerüstet. Russland war mit Abstand Indiens Hauptwaffenlieferant, ist es immer noch.

Indien war das führende Land unter den entkolonialisierten Mächten, auch dank Gandhi.

Aber es hat eine Annäherung zwischen Indien und den USA stattgefunden, sie hat schon unter dem US-Präsidenten George W. Bush begonnen. Es gibt mittlerweile sogar eine nukleare Zusammenarbeit zwischen Indien und den USA. Das wäre vor zehn, zwanzig Jahren undenkbar gewesen. Indien möchte wegkommen von der einseitigen Abhängigkeit im militärischen Bereich von Russland.

Sucht Indien Verbündete im Konflikt um die Region Kaschmir?

Das ist zweifellos so. Pakistan hat zwar auch Beziehungen zu den USA, gerade im militärischen Bereich. Aber Pakistan gilt ein Stück weit auch als Satellit von China. China ist der Hauptlieferant von Waffen nach Pakistan und es ist auch der wichtigste politische Supporter. Wenn sich Indien und Pakistan – wie das seit Jahrzehnten der Fall ist – spinnefeind gegenüberstehen, hat Indien das Interesse, auf jemanden anderen zu setzen als den Unterstützer von Pakistan.

Dann ist insgesamt in der Region wieder ein grösseres Aufrüsten im Gange, nicht nur in Indien?

Neben dem Nahen Osten gehört Asien zu den Gebieten, wo weltweit am stärksten aufgerüstet wird. Das hängt mit regionalen Konflikten zusammen. Die kleinen Nachbarländer von China rüsten auf, weil sie China als zunehmend aggressiv wahrnehmen, beispielsweise in den Konflikten um das Ost- und das Südchinesische Meer.

Die kleinen Nachbarländer von China rüsten auf, weil sie China als zunehmend aggressiv wahrnehmen.

China versucht wie erwähnt, in Asien immer mehr die Vormachtrolle zu spielen, nicht nur in den chinesischen Meeren, sondern auch im Indischen Ozean. Es baut militärische Stützpunkte in Burma, Sri Lanka, Pakistan und in Bangladesch. Das ist die sogenannte Perlenkette; China streckt damit faktisch die Arme in Richtung Indischer Ozean aus. Und das passt Indien ganz und gar nicht. Man ist sich bewusst, dass man China militärisch weit unterlegen ist, aber vor der eigenen Haustür will man China nicht derart prominent haben.

Das Gespräch führte Christina Röthlisberger.

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