Bericht von Amnesty Weniger Hinrichtungen weltweit

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Amnesty zählt 2016 weniger Hinrichtungen, aber mehr Todesurteile

1:25 min, aus Tagesschau vom 11.4.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2016 soll die Zahl der Hinrichtungen weltweit zurückgegangen sein.
  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weiss von mindestens 1032 Vollstreckungen von Todesurteilen.
  • Die Zahl ist jedoch nur bedingt aussagekräftig: Hinrichtungen in China wurden nicht erfasst. Dort gilt die Hinrichtungsstatistik als Staatsgeheimnis. Amnesty berichtet von tausenden Exekutionen in China.
  • Im vergangen Jahr wurden 37 Prozent weniger Hinrichtungen registriert als im Jahr 2015, wie Amnesty in einem Bericht schreibt. Der Rückgang der Hinrichtungszahlen weltweit ist vor allem auf den Rückgang im Iran (minus 42 Prozent: von mindestens 977 auf mindestens 567) und Pakistan (minus 73 Prozent: von 326 auf 87) zurückzuführen.

In den meisten Ländern, in welchen Menschen zum Tode verurteilt oder hingerichtet wurden, sei die Todesstrafe nach Prozessen verhängt worden, die nicht den internationalen Standards für faire Prozesse entsprächen. 23 Staaten vollstreckten die Todesstrafe - das sind zwei weniger als im Vorjahr.

So hat Amnesty keine Hinweise auf Hinrichtungen in Tschad, Indien, Jordanien, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie im Jemen. 2015 hatten diese Staaten noch Menschen exekutiert. Weissrussland und die Palästinenserregierung dagegen nahmen die Hinrichtungen nach einem Jahr Pause wieder auf. Botswana und Nigeria vollstreckten erstmals seit 2013 wieder die Todesstrafe.

Iran mit den meisten Hinrichtungen

55 Prozent der registrierten Hinrichtungen geschahen im Iran. Nimmt man Saudi-Arabien, Irak und Pakistan dazu, entfallen gar 87 Prozent der weltweiten Hinrichtungen auf die vier Länder. Während der Irak die Zahl der Exekutionen mehr als verdreifachte und Ägypten und Bangladesch die ihrigen verdoppelten, verminderte der Iran die Zahl von 977 auf 567.

Erstmals seit 2006 waren die USA nicht mehr unter den Top-5-Scharfrichtern. Das hängt teilweise mit den Problemen zusammen, die das Land bei der Beschaffung von chemischen Mitteln für die Giftspritzen hat.


So versteckt China seine Hinrichtungen

4:53 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.04.2017

Nauru und Benin schafften die Todesstrafe ab

Zwei Länder schafften 2016 die Todesstrafe ab: Der Staatsgerichtshof von Benin erklärte sie für verfassungswidrig. Nauru entfernte die Todesstrafe als erlaubte Bestrafung im Rahmen einer Revision aus dem Strafgesetzbuch. Guinea schaffte in seinem revidierten Strafgesetzbuch die Todesstrafe zumindest für normale Verbrechen ab.

Saudi-Arabien vollzog als einziges Land Hinrichtungen durch Köpfen. Gehängt wurden Verurteilte in Afghanistan, Bangladesch, Botswana, Ägypten, Iran, Irak, Japan, Malaysia, Nigeria, Pakistan, Palästina, Singapur, Südsudan und im Sudan. Giftspritzen verwendeten die USA, China und Vietnam, Erschiessungen führten Weissrussland, China, Indonesien, Nordkorea, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia und Taiwan durch.

Mord, Verrat oder Blasphemie

Zum Tode verurteilt wurden Menschen weltweit aus verschiedenen Gründen. Nicht immer wurden Todesurteile im Zusammenhang mit schweren Verbrechen wie Tötung oder Mord ausgesprochen. So wurden wegen Drogenhandels in China, Indien, Indonesia, Iran, Kuwait, Laos, Malaysia, Saudi-Arabien, Singapur, Sri Lanka, Thailand, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam Todesurteile verhängt.

Weitere Gründe waren Spionage, Kidnapping und Vergewaltigung (Saudi-Arabien) oder Blasphemie (Iran, Pakistan). Verschiedene Formen von Verrat, Spionage, Kollaboration mit fremden Mächten, Akten gegen die nationale Sicherheit, Infragestellung der Führerschaft, Terrorismus waren in Ländern wie China, Iran, Libanon, Nordkorea, Pakistan, Palästina und Saudi-Arabien ein Grund für die Verurteilung zum Tode.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

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    Aus Tagesschau vom 11.4.2017

    In Arkansas wurden seit 12 Jahren keine Todesurteile mehr vollstreckt. Nun sollen innerhalb von 10 Tagen sieben Menschen getötet werden. Der Grund dafür ist erschreckend pragmatisch: ein Mittel des tödlichen Giftcocktails läuft Ende April ab.