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Studie der Weltbank Wenn Arbeitsmigranten kein Geld mehr heimschicken

Legende: Audio «Heimatüberweisungen auch 2016 rückläufig» abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
1:26 min, aus HeuteMorgen vom 22.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einen so starken Einbruch bei den Rück-Überweisungen von Arbeitsmigranten an ihre Angehörigen in Entwicklungsländern wie 2016 hat es lange nicht gegeben: Um elf Milliarden Dollar ist dieser Geldfluss zurückgegangen.
  • Insgesamt lag der Betrag im vergangenen Jahr bei 430 Mrd. Dollar.
  • Ausgerechnet bei Überweisungen in die ärmsten Länder Schwarzafrikas sind die Kosten am höchsten. Knapp zehn Prozent des Betrags kassierten Finanzintermediäre (wie Western Union, PayPal oder Moneygramm) als Gebühr.
  • Wenn weniger nach Hause überwiesen wird, könnte es für viele Familien deutlich schwierig werden, Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Nahrung zu bekommen, warnt die Weltbank.

Viele Haushalte in Entwicklungsländern können nur über die Runden kommen, weil ihnen Familienangehörige, die im Ausland arbeiten, regelmässig Geld überweisen. Die Empfänger können oft nur dank dieser Überweisungen Essen kaufen, ihre Kinder in die Schule schicken oder Spitalbesuche finanzieren.

Starker Rückgang

Doch der für viele Arme überlebenswichtige Geldfluss ist nun schon im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. Die Weltbank warnt vor gravierenden Folgen.

Einen so starken Rückgang hat es nach Angaben der Weltbank seit Jahrzehnten nicht gegeben: 2016 überwiesen Arbeitsmigranten in aller Welt 2,4 Prozent oder elf Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr zurück an ihre Familien in Entwicklungsländern. Dies, obwohl die Zahl der Migranten gleichzeitig zugenommen hat. Insgesamt wurden rund 430 Milliarden Dollar zurücküberwiesen – das ist immer noch ein Vielfaches der öffentlichen Entwicklungshilfe.

Schwaches Wirtschaftswachstum

Als Gründe für den Rückgang nennt die Weltbank vor allem niedrige Rohstoffpreise und das schwache Wirtschaftswachstum in Ländern, in denen Arbeitsmigranten ihr Geld verdienen. Wenn sie dort weniger verdienen, können sie auch weniger an die Familien zuhause überweisen.

Einen gewissen Effekt dürften auch die im Vergleich zum Dollar niedrigeren Devisenkurse von Euro, britischem Pfund oder russischem Rubel gehabt haben. Die Statistik wird in US-Dollar ausgewiesen.

Hohe Transfer-Gebühren

Überdurchschnittlich schrumpften die Rück-Überweisungen in südasiatische Länder wie Indien, Bangladesh oder Nepal. Aber auch Länder Schwarzafrikas waren besonders stark betroffen – mit einem Minus von gut sechs Prozent oder 33 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa den Volkseinkommen von Guinea, Togo und Sierra Leone zusammengezählt.

Geldfluss durch Emigranten


Rücküberweisungen durch Emigranten
(in Millionen US-Dollar)
Anteil am BIP
Indien
68'910
3,3%
China
63'938
0,6%
Philippinen28'4839,8%
Mexiko
26'233
2,3%
Pakistan
19'306
7,2%
Nigeria21'0604,4%
Ägypten
18'3255,5%
Bangladesch15'3887,9%
Vietnam13'0006,7%

Was die Weltbank-Statistik auch zeigt: Ausgerechnet bei Überweisungen in die ärmsten Länder Schwarzafrikas sind die Kosten am höchsten. Knapp zehn Prozent des Betrags kassierten Finanzintermediäre (wie Western Union, PayPal oder Moneygramm) als Gebühr.

Wichtige Einkommensquelle

Für viele arme Länder seien die Rücküberweisungen eine wichtige Einkommensquelle, warnte die Weltbank. Wenn weniger nach Hause überwiesen würde, könnte es für viele Familien deutlich schwierig werden, Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Nahrung zu bekommen.

Immerhin gibt es ein wenig Hoffnung: Die Weltkonjunktur läuft in diesem Jahr etwas besser – das könnte auch den privaten Geldfluss in Entwicklungsländer wieder etwas beleben.

Studie zu Heimatüberweisungen

Das Original der 44seitigen Analyse der Weltbank kann hier abgerufen werden.

30 Kommentare

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  • Kommentar von ely berger (ely berger)
    "global denken, lokal handeln" global denken bzw. verantwortlich sein bedeutet in erster Linie für Industrienationen und ihre Bürger, ihr (materielles) Glück nicht mehr auf dem Unglück anderer (Ausbeutung von Mensch, Tier, Natur) aufzubauen. Für andere Kontinente eher Familienplanung und Überprüfung ihrer (destruktiven) Leitkultur/-ideologie. Das wäre eine Art Schröpfkur für alle. Kein Preis bzw. Verbesserung ohne Fleiss und leiden. Für Weltbürger ist klar: jeder Erdteil muss glücklich werden.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Ein Teil des Geldes ist nicht von Arbeitsmgranten von ihrem Arbeitslohn abgespart, sondern von der Sozialhilfe an Asylsuchende zweckentfremdet. Im ganzen Asylbereich sollten die Geldleistungen gestrichen und durch nur noch notwendige Sachleistungen ersetzt werden. Derweil gibt der Bund fuer Sozial"hlfe" an mehr als 700 000 Auslandschweizer nur noch rund ein Millioenli Fraenkli pro Jahr aus, was weniger als 2 Fraenkli pro Auslandschweizer und Jahr betraegt....
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    430 Mrd $ wurden überwiesen, 10% Gebühr, 43 Mrd $. Würde die Schweiz ein Transfersystem einrichten, das nur 3% kostet, würden 30 Mrd $ mehr in arme Länder fliessen. Pro Jahr zahlt die Schweiz weniger als 1 Mrd Entwicklungshilfe. Die Bürgerlichen werden sofort aufschreien und sagen, das gehe den Staat nix an, der «freie Markt» (also das Kartell der Finanzintermediäre, Western Union, PayPal oder Moneygramm) müsse das regeln. Dass es diesen «freien» Markt nicht gibt, interessiert sie nicht.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Mich interessiert's auch nicht. Aber aus einem anderen Grund. Hört auf, uns ständig unterschwellig für die lösung aller probleme dieser welt verantwortlich zu machen! Staaten der dritten welt sind seit über 50 jahren keinen schritt weiteegekommen! Das muss man auch mal sagen.
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Als der Zahlungsverkehr noch bei den staatlichen Postverwaltungen monopolisiert war, war nicht nur die damit verbundene Buerokratie minimal, er war im Inland fast gratis. Im internationalen Verkehr wurde ungefaehr ein Prozent verlangt. Abgerechnet wurde zu Mittelkursen. Am Kapitalverkehr wuchern die Baenkster bis zu zehn Prozent ab. Eine Tobintax von 0,5 Prozent (mehr) wuerde da kaum mehr auf- oder gar ins Gewicht fallen. Dafuer koennten die Einkommenssteuern auf Loehnli und gar auch Rentli abge
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