Wenn nicht mal die Primarschule drinliegt

Nur in der Hälfte aller Länder gibt es ein flächendeckendes Grundschulangebot für alle Kinder, so der Unesco-Bericht. Besonders Kinder in Konfliktregionen und solche, die in Armut leben, sind vom Mangel an Bildung betroffen – und Mädchen.

Kinder lernen am Boden

Bildlegende: Nur in der Hälfte aller Länder gibt es eine flächendeckende Primarschule für alle Kinder. Keystone

Nur in der Hälfte aller Länder gibt es ein flächendeckendes Grundschulangebot für alle Kinder. Dies teilte die Bildungsorganisation der Vereinten Nationan Unesco in ihrem Erziehungsbericht mit. Besonders Kinder in Konfliktregionen und solche, die in Armut leben, sind vom Mangel an Bildung betroffen – und Mädchen.

Zwar habe die Welt enorme Fortschritte bei der Bildung gemacht, sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa. Es seien Millionen Kinder mehr in der Schule, allerdings sei das Ziel noch nicht erreicht.

Die Ziele:

Vor 15 Jahren hatten sich 164 Staaten auf sechs verbindliche Bildungsziele geeinigt.

  • Ausbau frühkindlicher Bildung
  • Grundschulbildung für alle
  • Absicherung von Lernbedürfnissen von Jugendlichen
  • Senkung der Analphabetenrate bei Erwachsenen um die Hälfte
  • Überwindung von Geschlechterungleichheiten
  • Verbesserung der Bildungsqualität
Drei Mädchen lernen in Schule

Bildlegende: Besonders Mädchen erhalten weniger Zugang zu Bildung: So sind zwei Drittel aller erwachsenen Analphabeten weiblich. Reuters

Immer noch 781 Millionen erwachsene Analphabeten

Nur in jedem vierten Land wurde dem Unesco-Bericht zufolge das Ziel erreicht, die Analphabetenrate um 50 Prozent zu senken. Weltweit gibt es 781 Millionen erwachsene Menschen, die weder schreiben noch lessen können.

Besonders betroffen sind Frauen: Zwei Drittel der Analphabeten sind weiblich. Welche Ausmasse dies nimmt, wird am Beispiel des südlichen Afrika klar: Hier kann jede zweite Frau weder lessen noch schreiben.

Kinder in Krisenregionen besonders betroffen

Kriege und Konflikte sind für alle zivilen Opfer verheerend. Doch besonders für die Kindergeneration: Die Situation von Kindern in Krisengebieten sei besorgniserregend, so die Unesco. Ein Drittel der Kinder, die keine Schule besuchen, lebt in Konfliktregionen.

Im Bildungsbereich schnappt für Kinder auch die Armutsfalle zu: Bei den Ärmsten ist die Wahrscheinlichkeit, nur schon die Primarschule abzuschliessen, fünfmal geringer als bei den Reichsten.

20 Milliarden Euro nötig

Nur ein Drittel der Länder habe die im Jahr 2000 beschlossenen Ziele einer messbaren «Bildung für alle» erreicht. Nach Unesco-Berechnung sind zusätzlich 20 Milliarden Euro jährlich notwendig, um neue Bildungsziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Das klingt nach viel Geld. Zum Vergleich: Der Sportartikelhersteller Adidas will seinen – jährlichen – Umsatz auf gleichviel erhöhen.