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International Wer ist Marine Le Pen?

Weniger extrem will die Parteivorsitzende des französischen Front National auftreten. Doch die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen kann sich nur schwer von dessen extremen Parolen distanzieren. Trotzdem erhält sie Zuspruch bis weit in die bürgerliche Mitte Frankreichs.

Legende: Video SRF-Korrespondent: «Man kann von einem Le Pen-Effekt sprechen» abspielen. Laufzeit 2:08 Minuten.
Vom 23.03.2014.

Seit drei Jahren führt Marine Le Pen die Geschicke der rechtsextremen Partei Front National. Le Pen übernahm im Januar 2011 die Parteileitung von ihrem Vater, dem Parteigründer Jean-Marie Le Pen. Seither bemüht sie sich – im Gegensatz zu ihrem Vater – moderater aufzutreten.

Die 45-Jährige will der Partei mit derzeit rund 75‘000 Mitgliedern ein bürgerliches Image verpassen – jenseits von Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus. Dabei setzt sie auf populistische Themen wie Rente mit 60, mehr Sicherheit oder klarere Unterscheidung von EU und Nato.

Doch die Abgrenzung von der Fremdenfeindlichkeit gelingt der Rechtsanwältin nicht immer. So wurde ihr denn auch im Juli letzten Jahres die Immunität im Europaparlament aufgehoben.

Ein Vater mit Vorgeschichte

Dies nachdem Le Pen bei einem Auftritt im Dezember 2010 vor Parteianhängern öffentliche Gebete von Muslimen verurteilt hatte. Sie verglich diese mit der Besatzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland. «Sicher geschieht dies ohne Panzer und ohne Soldaten, aber trotzdem ist es eine Besatzung, und betroffen sind die Einwohner», sagte Le Pen. Die Rede löste in Frankreich grosse Empörung aus.

Auch Marine Le Pens Vater sorgte bereits für ähnliche Schlagzeilen, indem er die Gaskammern der Nazis als «Detail der Geschichte» verharmloste oder die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg als «nicht besonders unmenschlich» bezeichnete. In den 1990er Jahren wurde dem Parteigründer die Immunität dreimal entzogen.

Bei der Präsidentenwahl 2012 erzielte die dreifache Mutter in der ersten Runde mit fast 18 Prozent das beste Ergebnis der Parteigeschichte. Seither ist Marine Le Pen in Frankreich eine ernstzunehmende Politgrösse und erhält weit bis in die bürgerliche Mitte der Gesellschaft Zuspruch.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Weber, Leuggern
    Warum und mit welchem Recht bewerten die SRF-Staatsmedien gewisse Parteien, z.B. den Front National mit der Etikette "rechtsextrem". Erstens wird da Berichterstattung und Kommentierung vermischt. Zweitens wird "rechtsextrem" als moralisch aufgeladene Beschimpfung verwendet, zum Total-Abseitsstellen von, für die herrschenden Schichten, unerwünschten Parteien und Bewegungen. Das gehört nicht in die zwangsfinanzierte Medien.
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  • Kommentar von Heiri Kugler, Udon Thani
    Persönlichkeiten wie Frau Le Pen treffen den Nerv der Bürger haargenau. Ihre Popularität ist nur logisch und wird noch zunehmen. Die politische Gegenseite versucht immer wieder vergeblich mit denselben fragwürdigen Argumenten, solche Personen zu diffamieren. Die dahinter stehende Wählerschaft und deren legitime Anliegen werden gefliessentlich übergangen.Dieses selbstherrliche Gebaren wird sich mit positiven Auswirkungen auf die politische Landschaft Europa's rächen. Und das ist gut so!
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Ob die Aberkennung der Immunität im EU-Parlament im Hinblick auf die anstehenden Wahlen in genau dieses Gremium sinnvoll war und ist wage ich zu bezweifeln. Je nach Situation und Gelegenheit muss Marine le Pen nun sehr viel weniger Rücksicht in Bezug auf die aktuellen Themen, welche den Franzosen in Bezug auf die EU unter den Nägeln brennt, Rücksicht nehmen.
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