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Erdbeben in Italien Wer soll das bezahlen?

Gewaltige Zerstörungen und das Damoklesschwert der Bankenkrise: Italiens Schuldenspirale dreht sich weiter.

Die Schadensbilanz: Erst die Erdbebenserie, dann die Schneemassen: Die Behörden rechnen mit Schäden von zehn Milliarden Euro. Die bisherigen Kontrollen haben ergeben, dass rund 40 Prozent der Häuser nicht mehr bewohnbar sind. Dazu kommen Schäden in der Landwirtschaft, etwa durch Frost zerstörte Gemüsekulturen. Auch wurden viele Ställe durch die Beben zerstört, weswegen viele Tiere verendet sind. Zusätzlich sind Experten daran, Campotosto, den grössten Stausee der Apenninkette, zu untersuchen. Denn eine durch die Erdstösse geöffnete Spalte verlaufe exakt unter der Staumauer.

Grosse Aufgaben, leere Kassen: Die Aufgaben, die auf Italien zukommen, sind riesig. Gleichzeitig sind die Kassen leer. Brüssel hat Rom vor einer Woche ultimativ dazu aufgefordert, bis im Februar Vorschläge zu unterbreiten, um im laufenden Haushalt 3,4 Milliarden Euro einzusparen. Ansonsten drohe Italien ein Disziplinarverfahren wegen Budgetüberschreitung. Nach dem Beben aber hiess es dann aus Brüssel: Wir lassen Italien nicht allein. Das hat man in Italien gehört. Aber viele hätten diesen vagen Zuspruch gern ein bisschen konkreter gehabt. Am liebsten in Euro und Cent.

Als Bittsteller nach Brüssel: Die Verhandlungen laufen, aber Brüssel dürfte kaum darum herumkommen, Rom nach den Beben und dem Unwetter mehr finanziellen Spielraum einzuräumen. Auch weil die Bankenkrise riesige Löcher in die Kasse reissen könnte. Nur schon um die marode Bank Monte dei Paschi zu retten, wird Italien wohl schon bald weitere Milliarden zur Verfügung stellen müssen. Auch in dieser Frage ist Rom auf massive Zugeständnisse Brüssels angewiesen. Bleiben diese aus, müsste die drittgrösste Bank Italiens Konkurs anmelden. Die Folgen wären gravierend.

Warum Italien ein Erdbebenland ist

In Europa ist neben Griechenland besonders Italien erdbebengefährdet. Unter dem Land bewegt sich ein etwa tausend Kilometer langer Keil der afrikanischen Platte mehrere Meter im Jahrhundert nach Norden und drückt gegen die Alpen unter die eurasische Platte. Dabei können verheerende Kräfte frei werden.

Legende: Schweizerischer Erdbebendienst

Auch die Schweiz ist ein Erdbebenland: Um die horrenden Kosten eines Jahrtausenderdbebens zu stemmen, debattierte der Ständerat im Herbst über eine obligatorische Erdbebenversicherung – und lehnte diese ab. Der Entscheid des Nationalrats steht noch aus.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Nun darf Frau Merkel beweisen, ob ihre vielgepredigte "Solidarität unter Freunden" nicht nur für Griechen, Osterweiterungsländer oder Flüchtlinge reicht, sondern auch für ein arg gebeuteltes Italien, dass diese enormen Kosten nicht alleine stemmen kann. Wenn das nicht funktioniert, dann kann die EU wirklich schliessen.
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    hat Italien schon bei der Vatikan Bank angeklopft und um eine "Spende" erfragt, oder gehört das nicht in die Kompetenz der sogenannten Bank der katholischen Kirche, um quasi vor der "Haustüre Notleidenden zu helfen?
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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    Italien kann ja den Eigenmietwert einführen wie die Schweiz. Dann gibt's wieder Geld ins Kässeli. Immerhin wohnen 80 Prozent der Italiener in ihren eigenen 4 Wänden. Fast doppelt soviel wie in der Schweiz.
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