Wer wird der nächste Papst?

Kaum hat Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt, schiessen die Mutmassungen über seinen möglichen Nachfolger ins Kraut. Die Zeit könnte reif sein für den ersten Pontifex, der nicht aus Europa stammt.

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So wird der nächste Papst gewählt

0:51 min, aus Tagesschau vom 11.2.2013

Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von Benedikt XVI. haben Spekulationen und auch Buchwetten darüber eingesetzt, wer zum nächsten Papst gewählt werden könnte.

Zwei Afrikaner sind immer wieder genannt worden, wenn es um die Nachfolge auf dem Stuhl Petri ging. Kardinal Peter Turkson aus Ghana ist ein Kandidat. Bei einer vatikanischen Synode zeigte er aber ein muslimkritisches Video und schürte damit Zweifel über sein Verhältnis zum Islam.

Auch der nigerianische Purpurträger Francis Arinze soll gute Chance haben. Er könne es sich gut vorstellen, dass erstmals ein Afrikaner Papst werde, hatte Benedikt XVI. einmal gesagt.

Auch Lateinamerikaner mit guten Chancen

Fast häufiger noch war allerdings zu hören, die wachsende lateinamerikanische Kirche müsse den nächsten Pontifex stellen.

Beobachter glauben, dass etwa der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Odilo Pedro Scherer, ein Kandidat sein könnte. Er zählt in seiner Heimat zu den Konservativen, würde andernorts aber als gemässigt durchgehen. Das rasante Wachstum der protestantischen Kirchen in Brasilien könnte gegen ihn sprechen.

Ein weiterer Kandidat: Kardinal João Braz de Aviz. Er  befürwortet die Hinwendung zu den Armen, wie sie die lateinamerikanische Befreiungstheologie anstrebt, tendiert aber nicht zu den extremeren Ausprägungen dieser Lehre. Ein Nachteil für ihn dürfte sein, dass er relativ unbekannt ist.

Kanadier könnte das Rennen machen

Auch der Kanadier Marc Ouellet aus Quebec hat sich in Rom profiliert. Als Leiter der Bischofskongregation ist er so etwas wie der Personalchef im Vatikan. Er sagte jedoch einmal, Papst zu werden «wäre ein Alptraum». Laut Buchmachern steht er an zweiter Stelle hinter Turkson.

Bleiben die Italiener: Der Mailänder Erzbischof Angelo Scola wäre so ein «nationaler» Kandidat, etwas weniger wohl der – umstrittene – «Regierungschef» Benedikts, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

Einer bekannten vatikanischen Redewendung zufolge sollte man jedoch nicht zu sehr im Vordergrund stehen. Denn wer schon als Papst in die Wahl gehe, der komme als Kardinal wieder heraus, wird gern zitiert.

Europas Einfluss schwindet

Nach Einschätzung der Autorin Klara Obermüller bewegt sich der Katholizismus immer weiter weg von Europa in andere Regionen, vor allem nach Lateinamerika und Afrika. Europa werde säkularer. Über kurz oder lang werde sich dies auch bei der Papstwahl zeigen. Ob dies schon bei der nun anstehenden Wahl der Fall sein werde, sei unklar, so Obermüller.