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Rechtsextreme Soldaten Weshalb ein Fall Franco A. in der Schweiz unmöglich wäre

Die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen ist unter Druck: Die Armee wusste von den rechtsextremen Tendenzen des verhafteten Offiziers Franco A. – und tat nichts. In der Schweiz kaum denkbar, sagt Offiziersausbilder Tibor Szvircsev.

Legende: Audio Offizierausbilder Szvircsev: «Rechtsextremismus ist verpönt» abspielen. Laufzeit 3:21 Minuten.
3:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.05.2017.

In der Schweiz ist ein Fall wie jener von Franco A. – ein deutscher Offizier, der aus rechtsradikalen Motiven einen Anschlag plant – kaum wahrscheinlich. Dieser Ansicht ist Tibor Szvircsev, Militärsoziologe an der ETH Zürich und dort unter anderem zuständig für die Ausbildung von Schweizer Berufsoffizieren.

Den Unterschied zu Deutschland sieht Szvircsev in der Art der Armeen: Während unser Nachbar eine Berufsarmee hat, verfügt die Schweiz über eine Milizarmee.

Milizarmee ist kein Rechtsextremen-Nährboden

Die Milizarmee führt zu einer Durchmischung mit Personen aus allen Gesellschaftsschichten mit allen denkbaren politischen Ansichten. Trotzdem: «Aufgrund der Milizarmee gibt es bei den Soldaten und bei den Aspiranten rechtsradikale Tendenzen», so Szvircsev.

Das Problem stelle sich in der Schweizer Armee also nicht bei den Offizieren, könne aber bei den untersten Chargen auftreten. In Sachen Rechtsextremismus herrsche in der Armee jedoch Nulltoleranz. Entsprechend bemühe sie sich, diese Personen möglichst rasch herauszufiltern.

Der Fall des rechtsextremen deutschen Offiziers Franco A.:

  • Franco A. hat sich als syrischer Flüchtling registrieren lassen. Er wollte danach einen Anschlag verüben, um so Fremdenhass zu schüren.
  • Neben A. sitzen zwei Komplizen in deutscher Untersuchungshaft, darunter der mutmassliche Kopf der Terrorzelle – ebenfalls ein Offizier.
  • Die Männer flogen durch Zufall auf: A. hatte auf einer Toilette auf dem Wiener Flughafen eine Pistole versteckt, die vom Putzpersonal entdeckt wurde. Als er die Waffe holen wollte, wurde er verhaftet.
  • Problematisch für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist, dass der Bundeswehr offenbar schon seit 2014 Hinweise auf die rechtsextreme Gesinnung von A. vorlagen – ohne dass dies seine militärische Karriere behindert hätte.

Rechtsextremismus hat keinen Rückhalt

2016 ist es laut Szvircsev zu 30 Meldungen über rechtsextremistisches Gedankengut innerhalb der Schweizer Armee gekommen. «Das sind vergleichsweise wenig», sagt er.

Rechtsextremismus ist in der Schweiz grundsätzlich stark verpönt: Laut der neusten Sicherheitsstudie wollten 78 Prozent der Bevölkerung den Rechtsextremismus bekämpfen. Entsprechend hoch sei die Sensibilisierung bei diesem Thema – auch in der Armee, so Szvircsev.

Tibor Szvircsev.
Legende: Tibor Szvircsev ist seit 2008 Dozent für Militärsoziologie an der Militärakademie an der ETH Zürich. SRF 2013

Während ihrer Ausbildung würden Berufsoffiziere zudem «auf den verschiedensten Stufen» mit dem Thema vertieft konfrontiert.

Dies geschehe etwa, indem die angehenden Offiziere auf einschlägige Hinweise, auf die sie bei den Soldaten achten sollen, sensibilisiert: «Wir schauen etwa auch Tätowierungen und typische Zahlenmuster an», erläutert Szvircsev. So bedeute etwa die Zahl 18 «Adolf Hitler» – gemäss dem ersten und dem achten Buchstaben im Alphabet.

Soziale Medien helfen mit

Indirekte Hilfe erhält die Armee in neuster Zeit zudem von den sozialen Medien: Szvircsev erinnert an einen Fall von vergangenem Januar, als mehrere Soldaten ein Hakenkreuz in den Schnee zeichneten und daneben den Hitlergruss machten: «Das Foto ging sofort viral.»

Dank der neuen Digitalmedien habe man nun also eine Sicherungs- und Überprüfungsmechanismus zur Verfügung – um rechtsextremistische Machenschaften in der Schweizer Armee umgehend aufzudecken und zu unterbinden.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Beim allerbesten Willen kann ich nich erkennen was sich da abgespielt hat. Wenn man eine Frau von der Leyen als Ministerin installiert hat man doch die Bundeswehr bereits aufgegeben. Die hat doch keinerlei Ahnung und ist nur daran interessiert sich als Merkel-Nachfolgerin zu etablieren. BASTA.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Als ehemalige Familienministerin war sie halt zu sehr damit beschäftigt, wie man die Armee "kinderfreundlicher" umstrukturieren könnte.
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  • Kommentar von Tobias Hofer (Tobias Hofer)
    «Die Armee wusste von den rechtsextremen Tendenzen des verhafteten Offiziers Franco A. – und tat nichts.» - Na, hoffentlich unternahm sie nichts wegen "rechtsextremen Tendenzen"! Wie sollte eine Armee, die keine Meinungs- und Gewissensfreiheit duldet, glaubhaft für die Verteidigung demokratische Grundwerte einstehen?! - Und, gut ist man beim Verdacht auf kriminelle Absichten eingeschritten. Denn davor gilt es Land und Leute zu beschützen, egal welcher Gesinnung diese entspringen
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Sie sehen also kein Problem darin, dass Jemand mit staatsfeindlichen Ansichten in der Verteidigungsinstitution des Staates einen höheren Posten bekleidet? Ich muss mich da schon etwas verwundert die Augen reiben.
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    2. Antwort von Tobias Hofer (Tobias Hofer)
      Selbst in unserem Parlament, wie in der Regierung sitzen sogar mehrheitlich Leute mit, meiner freien Meinung nach, zumindest teilweise staatsfeindlichen Ansichten! Das ist jedoch für mich völlig okay so. Denn klar ist, dass es nicht gut raus käme wenn alles genau nach meinen Ansichten laufen würde. Auch bei anderen "alleinigen Tonangebern" ist auf Dauer kaum je was Gutes rausgekommen. - Nebenbei eine Frage: Wer bestimmt darüber welche Meinungen (nicht Handlungen) staatsfeindlich sind?!?
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Das ist doch ein Einzelfall aus Deutschland. Deshalb ist dieser Bericht überflüssig.
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