Westliche Firmen bringen sich im Iran in Stellung

Der Grundsatzentscheid in der Atomfrage gibt vielen Iranern Hoffnung auf ein Ende der Sanktionen und ein Leben in Normalität. Er ruft aber auch zahlreiche westliche Unternehmen auf den Plan. Sie hoffen in einem riesigen Absatzmarkt Fuss zu fassen.

Gastanks im Iran

Bildlegende: Westliche Firmen machen sich grosse Hoffnungen auf die Öffnung des Irans, mit seinen riesigen Rohstoffreserven. Keystone

Iran – das ist das grösste und saftigste Filetstück auf dem Teller der Weltwirtschaft. So beschreiben Ökonomen salopp aber treffend Irans Wirtschaft und den Hunger des Westens sich dieses Filet einzuverleiben.

Einer der diese Aussagen untermauert ist Sharif Nezam-Mafi, Unternehmer in Teheran und Direktor der iranisch-schweizerischen Handelskammer. Der Iran sei eines der reichsten Länder der Region mit gewaltigen Öl- und Gasreserven. 8 der 77 Millionen Einwohner gelten als reich. «Das ist ein grosser Markt für den Westen, der bisher verschlossen blieb.»

«Der Wettlauf ist in vollem Gang»

Das Land biete einen riesigen potenziellen Absatzmarkt, sagt Nezam-Mafi. Bereits vor einem Jahr seien mehr als 100 Manager französischer Firmen in Teheran aufgetaucht, um das Marktumfeld zu sondieren und Geschäfte einzufädeln. Darunter waren Unternehmen wie Renault, Alstom oder Airbus. «Der Wettlauf für die beste Startposition ist in vollem Gang.»

Der Iran habe ausserdem ein riesiges unternehmerisches Potenzial mit vielen gut ausgebildeten Arbeitskräften und biete relative Sicherheit in einer von Bürgerkriegen geplagten Region.

Sanktionen verhindern Markteintritt vorerst

Für Livia Leu, die ehemalige Schweizer Botschafterin im Iran, ist nach der Grundsatzvereinbarung zur Atomfrage in Lausanne für Schweizer Firmen die Zeit reif, im Iran Präsenz zu markieren. Die Schweiz sei sehr beliebt und habe gute Chancen im iranischen Markt Fuss zu fassen.

Noch ist aber keine Zeit für Euphorie: «Die Sanktionen gegen den Iran sind noch immer in Kraft. Das heisst im Moment sprechen wir noch von einem potenziellen Markt», sagt Leu. Die Vereinbarungen von Lausanne müssten erst umgesetzt werden und in eine detaillierte Einigung münden, bevor es möglich sei die Sanktionen auszuheben.

Land von Misswirtschaft gebeutelt

Für Nezam-Mafi liegt es auch an den Sanktionen, dass es im Iran so viel zu investieren gibt. «Die iranische Wirtschaft steht am Abgrund und ist schwer gezeichnet von den jahrelangen westlichen Sanktionen.»

Diese würden die komplette Wirtschaft lähmen und Innovationen verhindern. Doch nicht nur die Strafmassnahmen, sondern auch eine jahrelange Misswirtschaft hätten das Land gezeichnet.

Eine bessere Zukunftsperspektive könne entstehen, wenn die Atomverhandlungen früchte tragen und die Sanktionen gelockert würden. Für Nezam-Mafi ist dies auch unabdingbar, denn ohne eine Einigung mit dem Westen glaubt er, könne die iranische Wirtschaft kaum je reformiert werden.