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Obama lässt Gnade walten Wie Chelsea Manning zum Staatsfeind Nummer 1 wurde

Die einstige US-Soldatin Chelsea Manning übergab aus Gewissensgründen geheimes Material über Verfehlungen der US-Streitkräfte der Enthüllungsplattform Wikileaks. Für dieses Vergehen wurde Manning hart bestraft. Nun hat der abtretende US-Präsident Barack Obama ein Einsehen mit der Whistleblowerin.

Legende: Video Obama begnadigt Manning abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.01.2017.
  • Die US-Soldatin und IT-Spezialistin Chelsea Manning gilt als eine der berühmtesten Whistleblowerinnen der Welt.
  • Manning entwendete rund 800'000 als geheim klassifizierte Dokumente der Armee und des US-Aussenministeriums und übergab diese Informationen daraufhin der Enthüllungsplattform Wikileaks.
  • Nach seiner Verurteilung erklärte die US-Soldatin im August 2013, als Frau zur Welt gekommen zu sein und dieses Geschlecht auch ausleben zu wollen. Die medizinische Angleichung ist bislang nicht vollzogen.
  • In Haft soll Manning mehrmals versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Geboren wurde Chelsea Manning im Jahre 1987 als Bradley Edward Manning. Manning erlangte mit der Enthüllung von geheimen Dokumenten des US-Aussenministeriums und der US-Armee auf der Enthüllungsplattform Wikileaks Berühmtheit: So verfügte die US-Soldatin in der US-Armee über einen «Top-Secret»-Status. Somit hatte Manning Zugang zu heiklen Informationen der Streitkräfte und des US-Aussenministeriums.

Im Jahre 2010 wurde Manning unter dem Verdacht festgenommen, Wikileaks rund 800'000 geheime Dokumente der Armee und des Aussenministeriums zugespielt zu haben. Darunter waren Aufnahmen aus der irakischen Hauptstadt Bagdad, die den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten und Journalisten aus einem US-Kampfhelikopter zeigen.

Whistleblowerin wollte nur helfen

Manning legte daraufhin ein Teilgeständnis ab. Sie sagte, sie habe immer nur Menschen helfen wollen, aber niemals Menschen verletzen. Wikileaks-Gründer Julian Assange erklärte denn auch stets, Mannings Informationen hätten niemals Schaden für US-Bürger verursacht.

Mannings Haftbedingungen waren derweil zu Beginn von seltener Härte. Mehrfach verlegt, war sie als einzige Frau in einem Militärgefängnis unter lauter Männern. Menschenrechtler brandmarkten ihre Haft als eine Art Folter. Amerikanische Politiker forderten hingegen die Todesstrafe. In der Haft soll Manning mehrfach versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Im August 2013 trat Manning mit der Erklärung an die Öffentlichkeit, als Frau zur Welt gekommen zu sein und dieses Geschlecht auch ausleben zu wollen. Die hierfür nötige Anpassungs-Operation ist bislang nicht ausgeführt worden.

Mannings Geschichte wurde verfilmt

Manning verfügt neben der US-amerikanischen auch über die britische Staatsbürgerschaft. Ihr Leben wurde verfilmt und vielfach in Theaterstücken, Büchern und Aufsätzen beleuchtet.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Manning hat nur getan, was seine Pflicht war, selbiges gilt für Snowden und andere Whistleblower. Wenn man intern Meldungen über Missstände meldet und merkt, dass nichts passiert bleibt einem manchmal nichts anderes übrig, als an die Öffentlichkeit zu gelangen. Wenn man allerdings hört, wie Menschen wie Manning behandelt werden, muss man sich schon fragen, was der Westen von Menschenrechten und Meinungsfreiheit hält.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Merkwürdig: Quasi vor Torschluss zeigt sich Obama von der barmherzigen Seite und lässt den zu 35 Jahren Knast verurteilte Whistleblower zwei Tage vor seiner Pensionierung frei. Warum tat er diesen Schritt nicht schon vorher? Antwort: Dann hätte seine "barmherzige" Seite kaum gewünschte Wirkung gezeigt. Und wer weiss: Vielleicht trug auch Obamas Frau Michelle zur Freilassung des als Frau geborenen ehemaligen US Soldaten bei.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Zitat Snowden: "Individuen haben internationale Verpflichtungen, die die nationalen Verpflichtungen des Gehorsams übersteigen.“ Er stützt sein Handeln auch auf die Prinzipien, die aus der Rechtsprechung der Nürnberger Prozesse formuliert wurden. Daher habe jeder einzelne Bürger die Pflicht, inländische Gesetze zu verletzen, um Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit zu verhindern. So gesehen ist Manning unschuldig - und hat Anrecht auf Entschädigung und Wiedergutmachung.
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