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International Wie es zur Teilung Zyperns kam

Seit 1974 ist Zypern in einen griechischen und einen türkischen Teil gespalten. Nun scheint die Vereinigung der Mittelmeerinsel in greifbarer Nähe. Eine Chronologie des Konflikts.

  • Die Rolle der Briten

Zwischen 1878 und 1959 stand Zypern unter britischer Vormachtstellung. Zunächst als britisches Protektorat, 1914 annektierte Grossbritannien die Insel. Seit der Jahrhundertwende gab es Bestrebungen des griechischen Teils der Bevölkerung, sich von den Machthabern zu lösen und den Anschluss an Griechenland herzustellen. Das Vereinigte Königreich wollte aus militärischen Gründen nicht auf die Mittelmeerinsel verzichten. Erste Unruhen in den dreissiger Jahren unterdrückte die Kolonialmacht. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges regierten die Briten in Zypern mit harter Hand. Auch nach 1945 und mit dem sich anbahnenden Kalten Krieg hielt Grossbritannien an Zypern aufgrund der geostrategischen Lage fest.

  • Die Türkei kommt ins Spiel

In einem inoffiziellen Plebiszit sprach sich 1950 eine deutliche Mehrheit der griechischen Zyprer für den Anschluss an Griechenland aus. Die Briten ignorierten dies zunächst vornehm. Doch der politische Führer der griechischen Zyprer, Erzbischof Makarios III., zwang die Regierung Griechenlands, den Fall vor die Vereinten Nationen zu bringen.

Grossbritannien brachte daraufhin die Türkei ins Spiel. London versuchte die beiden Mutterländer der Insel gegeneinander auszuspielen. Die Türkei stieg darauf ein und kündigte an, die Insel zurückzufordern, sollte sich etwas am Status quo ändern. Nach dem griechisch-türkischen Krieg (1919 bis 1922) entstand damit ein neuer Konflikt zwischen den beiden Ländern.

  • Der Konflikt beginnt zu brodeln

Mitte der fünfziger Jahre erreichte der Streit seinen ersten Höhepunkt. Auf griechischer wie auf türkischer Seite bildeten sich bewaffnete Untergrundorganisationen. Gewalttätige Ausschreitungen und bewaffnete Mordanschläge waren die Folge. Während Griechenland seine Landsleute auf Zyspern unterstützte, wurden türkische-zyprische Truppen von der Türkei und Grossbritannien in Stellung gebracht. Das türkische Ziel war zunächst die Beibehaltung des Status quo. Mit der Zeit rückte aber die Teilung Zyperns in einen türkischen und einen griechischen Teil in den Vordergrund.

  • Die Gründung der Republik und ihre blutigen Folgen

Gegen Ende der fünfziger Jahre verlor Zypern für Grossbritannien an geostrategischer Bedeutung. Nach Gesprächen in Zürich und London wurde 1960 der unabhängige Staat Zypern gegründet. Griechenland, die Türkei und Grossbritannien wurden zu Garantiemächten des Staates. Da die Zyprer an der Lösung nicht beteiligt waren, wurden die innenpolitischen Probleme jedoch nicht gelöst und der Konflikt schwellte weiter an.

1963 sollten mit einer Verfassungsänderung die Rechte der türkischen Zyprer beschnitten werden, worauf der Konflikt eskalierte. In bürgerkriegsähnlichen Kämpfen kamen zwischen 1963 und 1964 mindestens 350 türkische und 200 griechische Zyprer ums Leben. Zur Beruhigung der Lage entsandte die UNO im März 1964 die United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP) auf die Insel. Die Friedenstruppe ist bis heute im Land stationiert. Es ist der drittlängste Einsatz von UNO-Blauhelmen.

  • Türkische Invasion

Aufgrund der ab 1967 in Griechenland herrschenden Militärdiktatur wünschten immer weniger griechische Zyprer den Anschluss an das Mutterland. Man entschied sich dazu, einen von Griechenland losgelösten Weg einzuschlagen. Mit Hilfe der griechischen Militärjunta putschten griechisch-zyprische Offiziere Präsident Makarios III. und brachten die Insel für einige Tage unter Kontrolle. Ziel des Putsches war der Anschluss Zyperns an Griechenland. Die Türkei intervenierte daraufhin mit der Invasion im Norden der Insel und besetzte fast 40 Prozent der Landesfläche. Über 170.000 griechische Zyprioten wurden vertrieben. Viele türkische Zyprer aus dem Süden zogen daraufhin in den Norden. Die ethnische Teilung der Insel war vollbracht. 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern proklamiert, welche nur von Ankara anerkannt wird.

  • Der lange Weg zum Frieden

Seit 1983 wurden verschiedene Bemühungen zur Lösung des Konflikts unternommen. Im Zuge des EU-Beitritts Zyperns im Jahr 2004 entwarf der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan einen Plan zur Vereinigung der beiden Inselteile. Die Mehrheit der griechischen Zyprer lehnte das Vorhaben in einer Volksabstimmung jedoch ab, während der türkische Teil sich dafür aussprach.

2003 wurde immerhin ein Grenzübergang in der Inselhauptstadt Nikosia geöffnet. Heute besteht berechtigter Grund zur Hoffnung: Seit 2014 laufen Gespräche über eine Wiedervereinigung. Mitte Mai dieses Jahres gaben die Präsidenten der beiden Inselteile bekannt, dass entscheidende Fortschritte gemacht wurden und man bereit sei, die offenen Fragen zu überwinden.

Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung, Link öffnet in einem neuen Fenster

Heinz A. Richter: Historische Hintergründe des Zypernkonflikts, Link öffnet in einem neuen Fenster

Bevölkerung Zyperns

Knapp über eine Million Menschen lebt auf der Mittelmeerinsel. Etwa 300'000 sind im türkischen Norden beheimatet. Hinzu kommen 7500 britische Militärangehörige auf den beiden Stützpunkten des Vereinigten Königreichs.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Die Macht der Geographie spielt wohl bei Zypern eine wirklich eindrückliche Rolle, nicht erst seit den Engländern. Sei nicht zur falschen Zeit am falschen Ort. Würde Zypern in der Mitte des Pazifik liegen dann wäre es sicher etwas ruhiger.
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  • Kommentar von B Näf (uluru)
    ein weiteres schönes beispiel dafür, wie interessen von kolonialmächten (und den usa) zu lokalen konflikten mit vielen toten führen. selten werden die gewünschten ziele (ausgenommen ausbeutung) erreicht und die befriedung dauert generationen. und jeden tag steht wieder einer auf, der das spiel noch nicht begriffen hat. schade um die schöne welt und die verlorene zeit.
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