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International «Wie Löwen um ein Stück Fleisch»

In Ägypten ist es in den letzten Jahren bei Demonstrationen immer wieder zu Gewalt gegen Frauen gekommen. Von 250 gemeldeten Fällen ist laut einem Bericht bis heute kein einziger aufgeklärt und kein einziger Täter verurteilt worden.

Handgemenge zwischen zwei Frauen mit Kopftuch und mindestens vier Männern auf dem Tahrir.
Legende: Auf dem Tahrir kam es zu hunderten gewaltsamen Übergriffen. Opfer waren oft Frauen. Reuters/Archiv

Bei den Massendemonstrationen in Ägyptens Hauptstadt Kairo kam es zu zahlreichen Fällen von sexueller Gewalt gegen Frauen. Von all den Fällen wurde bis heute kein einziger aufgeklärt.

«Nicht ein einziger Täter ist zur Verantwortung gezogen worden», steht in einem Bericht der Internationalen Liga für Menschenrechte (FIDH). «Mehrere Regierungen sind dabei gescheitert, sexuelle Gewalt gegen Frauen zu verfolgen», schreibt die FIDH. Das habe gravierende Folgen für die Beteiligung von Frauen am politischen Übergang des Landes.

Dutzende bewaffnete Männer

Von November 2012 bis Januar 2014 seien 250 Übergriffe und Vergewaltigungen gemeldet worden. Viele davon ereigneten sich auf dem Tahrir-Platz. Zu Beginn war er das Zentrum der Revolte gegen den gestürzten Präsidenten Husni Mubarak. Später versammelten sich Anhänger und Gegner seines Nachfolgers Mohammed Mursi dort.

«Überlebende und Zeugen berichten stets dasselbe: Dutzende Männer umzingeln eine Frau, reissen ihr die Kleider vom Leib und begrapschen sie», heisst es in dem Bericht. «Die Täter waren oft mit Stöcken, Messern und anderen Waffen ausgerüstet.»

Justizbehörden haben versagt

In dem Bericht kommt auch ein Opfer zu Wort. «Meine Hose und meine Wäsche wurden mir mit Gewalt heruntergerissen», gibt sie zu Protokoll. «Plötzlich war ich auf dem Boden, die Männer zogen mich an den Haaren, Armen und Beinen und vergewaltigten mich. Sie waren wie Löwen um ein totes Stück Fleisch.»

Verschiedene Menschenrechtsgruppen werfen den vom Militär eingesetzten Justizbehörden vor, bei der Suche und Strafverfolgung der Täter versagt zu haben. Es seien umfassende Massnahmen notwendig, «um Frauen zu schützen und ihnen die Beteiligung an der Gestaltung der Zukunft Ägyptens zu ermöglichen», fordern sie.

Neues Gesetz in Aussicht

Oft werde den Frauen die Schuld an ihrer Vergewaltigung zugeschoben, kritisiert Astrid Frefel, Journalistin in Kairo. «Das Bewusstsein ändert sich nur langsam.» Erst seit wenigen Jahren sei es üblich, dass in solchen Fällen Gerichte zum Zug kämen.

«Es wird aber in Kürze ein neues Gesetz in Kraft treten, das zum ersten Mal den Tatbestand Gewalt gegen Frauen auch juristisch erfasst und die entsprechenden Strafen dafür vorsieht», erklärt Frefel. Optimistisch stimmt sie das allerdings kaum. «Im Moment nimmt die Repression eher zu», und damit steige auch die Anzahl Menschenrechtsverletzungen.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Amira Salem, Zürich
    Seit dem Putsch vom 3 Juli ist die Zahl der inhaftierten Frauen in den ägyptischen Gefängnisse gestiegen , verschiedene NGOs sprechen von etwa 1200 Frauen, von insgesamt 23000 Häftlinge. Kein Täter wurde bestraft, weil Gewalt gegen politisch aktive Frauen von der Polizei gesteuert wird und in einer Militärpolizei-Macht können die Täter ganz ruhig ihr Verbrecher weiter ausüben.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Nach islamischen Recht und Glauben haben Frauen doch keine echten Rechte, werden als minerwertig angesehen und so behandelt!
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Je islamistischer ein Land wird, desto hemmungsloser ist die Gewalt gegen Frauen, egal ob in der Türkei (seit Erdogan an der Macht ist, ist die Zahl der Frauenmorde um 1400% gestiegen!) oder in Ägypten. In Ägypten geben gemäss Umfragen 99.3% aller Frauen an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein - dieses Macho-Gehabe ist unerträglich! Aber was will man anderes erwarten, wenn im Koran, Sure 2:223 steht, "Eure Frauen sind für euch ein Saatfeld. Geht zu eurem Saatfeld, wo immer ihr wollt."?
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      Ahja, und was sagt denn die Bibel über die Frauen? (1. Kor 14,35): "Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden." - Oder: (Eph 5,23): "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau." - Viel besser, nicht wahr...? Das Macho-Gehabe in gewissen Staaten ist kulturell bedingt, nicht durch die Religion.
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    2. Antwort von Philipp Weiersmüller, Buochs
      Seit rund einem Jahr bin ich mit meiner angehenden Frau in arabischen Ländern unterwegs.Zu sagen, umso islamischer ein Land, desto hemmungsloser die Gewalt gegen Frauen, zeichnet ein zu einfarbiges Bild! Die Religion ist sicherlich ein ernstzunehmende Faktor aber da spielen noch unzählige andere mit! In Sure 2:228 heisst es zum Beispiel auch: Die Frauen haben (in der Behandlung von seiten der Männer) dasselbe zu beanspruchen, wozu sie (ihrerseits den Männern gegenüber) verpflichtet sind,
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    3. Antwort von Björn Christen, Bern
      Ach, der Herr Würz mal wieder mit seiner altbekannten These, "Islam hat nichts mit Islam zu tun." Was glauben Sie hat in islamischen Ländern den grössten Einfluss auf die Kultur - Nintendo, Musikantenstadl oder etwa doch die Inhalte des Korans? - Lesen Sie einfach mal "Mein Leben, meine Freiheit", das Buch der gebürtigen Somalierin Ayaan Hirsi Ali, die das Mädchen- bzw. Frau sein in einer islamischen Gesellschaft hautnah und mit aller Brutalität, inkl. Genitalmutilation, erlebt hat.
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    4. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Lieber O. Wuerz, die Bibel und der Koran sind Paralelbuecher, die Religion an sich auch.. ein oberster Herrscher (Allah / Gott) je ein Prophet.. und alles geschrieben von Menschen die jeweils ihre Ansicht ueber Gott und die Welt eingebracht haben... nur, die "Christen" haben irgendwie das Mittelalter und die Barbarei mit einem duennen Lack ueberzogen.. das ist der Unterschied!
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