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Krieg in Syrien «Wie nach dem Zweiten Weltkrieg in deutschen Städten»

Im Osten der syrischen Stadt Aleppo kehren Menschen in ihre Häuser zurück, obwohl diese weitgehend zerstört sind. Ein Gespräch mit Jakob Kern, der für das Welternährungsprogramm der UNO in Aleppo arbeitet.

Legende: Audio Jakob Kern berichtet aus Ost-Aleppo abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
02:50 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.01.2017.

SRF News: Warum kehren die Leute ins völlig zerbombte Ost-Aleppo zurück?

Jakob Kern: Weil es ihr Zuhause ist. Wenn ich mit Menschen in Ost-Aleppo spreche, die in einer Betonruine mit einer Plastik-Verschalung leben, die den Wind etwas abhalten soll, sagen sie, es sei ihr Zuhause und das einzige, was sie kennten. Und sie wollen sicher sein, dass nicht jemand anders in ihr – teilweise oder völlig zerstörtes – Haus einzieht.

Wie ist die humanitäre Lage für die Menschen in Ost-Aleppo derzeit?

Es ist sehr schlimm. Die Bilder erinnern mich an die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg in deutschen Städten. Alles ist zerbombt. Kein Haus ist mehr intakt. Viele Häuser sind nur noch Ruinen – wie nach einem Erdbeben. Sobald man in die Seitenstrassen und in die kleinen Gassen geht, gibt es kein Durchkommen mehr. Die sind völlig blockiert. Es besteht auch die Gefahr von Minen und nicht explodierten Granaten. Und natürlich könnten Häuser einstürzen. 65'000 Menschen leben in einer Stadt, die keine Wasser- und Stromversorgung hat.

Viele Häuser sind nur noch Ruinen – wie nach einem Erdbeben.
Autor: Jakob KernWelternährungsprogramm der UNO

Was kann das Welternährungsprogramm ausrichten?

Wir liefern jeden Tag Brot für 40'000 Personen, das wir in Bäckereien im Westen der Stadt backen und dann in den Osten transportieren. Die Leute bekommen eine warme Mahlzeit pro Tag.

Wie geht es weiter in Ost-Aleppo?

Ich denke nicht, dass es schnell weitergeht in Ost-Aleppo. Es zieht wieder etwas Leben in die Stadt zurück, aber in sehr kleinem Format. Der Wiederaufbau wird lange dauern. Aleppo ist eine Stadt, die fast zur Hälfte zerstört ist.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    In Aleppo leben noch über 1.5 Mio Menschen und es ist nach wie vor ein wichtiges Handelszentrum. Im Sinne der Differenzierung wäre es angebracht, mehr als nur ein Bild der Zerstörung von Aleppo zu zeigen. Jetzt könnte die besorgte Wertegemeinschaft Hilfe organisieren. Hilfskonvois wären sicherlich willkommen. Das würde sicher auch den Druck auf mögliche Migranten verringern, was auch Europa zu Gute käme. Das nennt man Weitsicht und ist erst noch günstig. Wo sind die besorgten White Helmets?
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Warum wird da nicht endlich mit Materialen geholfen damit die Leute ihre Häuser selber aufbauen können ? Oder sind die Kosten zu hoch ?
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  • Kommentar von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
    Danke SRF dass man sich auch mal einem der befriedeten und vor Wiederaufbau stehenden Ort zuwendet. Seit der Rückeroberung OstAleppos (nach zahlreichen Reportagen int.-Medienschaffenden kann man's nun wohl als Befreiung bezeichnen) gibts div hoffnungsvolle Bilder aus West&OstAleppo. Rückblickend zeigt sich einmal mehr, dass zB eine K.Leukefeld exakte/differenzierte Berichterstattung lieferte, aber auf SRF leider nur selten zu Wort kam? Stattdessen bot man den "Assad muss weg" Leuten den Vorrang.
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