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International Wie realistisch sind Obamas Klimaziele?

US-Präsident Obama hat den Kampf gegen die Erderwärmung zu einer Priorität erklärt. Werden seinen Worten auch Taten folgen? Einschätzungen Rafe Pomerance, Klimaexperte und Berater der US-Regierung.

Eisberge vor kahlen Felsen an der grönländischen Küste.
Legende: Die Klimaerwärmung lässt den Permafrost in der Arktis schmelzen. Keystone

US-Präsident Barack Obama reist nächste Woche mit einem klaren Ziel an die Klimakonferenz von Paris: Die USA wollen im Kampf gegen die Erderwärmung eine Vorreiterrolle spielen. Für Obama ist der Kampf gegen den Klimawandel wichtig und er weiss, dass er nur mit der Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen ist. Deshalb war er im September nach Alaska gereist und besuchte dort als erster US-Präsident die Arktis.

Dort seien die klimatisch bedingten Veränderungen besonders deutlich sichtbar, sagt Klimaexperte Rafe Pomerance: Doppelt so schnell ansteigende Temperaturen als anderswo, tauender Permafrost, schmelzende Gletscher und eine schwindende Schneedecke. Was man in der Arktis beobachte, sei enorm, aber nur ein Teil des weltweiten Klimawandels.

Ambitiöse Ziele in Paris möglich

Pomerance war für die Klimaverträge in der Ära von Präsident Bill Clinton zuständig und berät auch die heutige US-Regierung in Klimafragen. Er begrüsst, dass Obama die Reduktion von Treibhausgasen in seiner zweiten Amtszeit zu einer Priorität gemacht hat.

Pomerance im Porträt
Legende: Klimaexperte Rafe Pomerance. ZVG

Pomerances Erwartungen an die Klimakonferenz in Paris sind denn auch hoch. Noch selten seien die Chancen grösser gewesen, dass die Länder sich auf ambitiöse CO2-Reduktionsziele einigen könnten. Die ganze Welt müsse mitmachen, fordert Pomerance. Es brauche bedeutsame Zusagen und dann müsse das alles in den Ländern auch noch umgesetzt werden. Beim letzten Punkt ist Pomerance allerdings weniger optimistisch.

Widerstand in den USA bereits formiert

Der US-Kongress hat in den letzten 25 Jahren alle Verträge und Gesetze zum Klima blockiert. Widerstand kommt von Demokraten aus Bundesstaaten mit Kohleindustrie und von fast von allen Republikanern. Das ist auch der Grund, warum die US-Regierung darauf besteht, eine allfällige Einigung in Paris nicht als bindendes Abkommen auszugestalten. Ein solcher Vertrag hätte innenpolitisch einen schweren Stand, denn er müsste – wie bereits das Kyoto-Abkommen 1997 – vom Senat genehmigt werden.

Doch auch so schmieden die Gegner von Obamas Umweltpolitik schon Pläne, wie sie Vorschriften zur CO2-Reduktion stoppen können. Mehrere Bundesstaaten haben Klagen gegen strengere CO2-Auflagen eingereicht. Dabei waren die Republikaner nicht immer gegen den Umweltschutz. Präsident Nixon hatte die US-Umweltbehörde gegründet, der erste Präsident Bush brachte ein Luftreinhaltegesetz durch den Kongress. Damals zogen Republikaner und Demokraten am gleichen Strick.

Wenn es nach Rafe Pomerance geht, muss dieser Geist der Überparteilichkeit wieder in die US-Politik zurückkehren.

Das Klima besser schützen

Aktivisten machen weltweit Druck für mehr Klimaschutz. An einer Kundgebung in Melbourne beteilitgen sich am Freitag 40'000 Menschen; am Samstag gingen in Manila Tausende auf die Strassen. Am Wochenende sind total 2300 Veranstaltungen in 150 Staaten geplant. In der Schweiz am Samstag in Bern, Zürich, Genf und St. Gallen sowie am Sonntag in Lugano.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Die Welt gräbt ihr Grab selber, weil der Egoismus und der Hochmut "wir haben alles im Griff" viel zu gross ist. Am Klimagipfel werden wieder tausend Ausreden gemacht werden. Dabei würde die Wirtschaft unglaublich profitieren würde sie endlich auf erneuerbare Energieen setzen. Aber soweit denken die Amerikaner wohl nicht.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Die USA gibt rund $700 Mrd für's Militär aus. Eine Windfarm kostet im Schnitt $1.7/W. Das heisst mit $700 Mrd lässt sich 450 GW an Windkraft finanzieren. Bei einem Ausnutzungsgrad von 40% kann damit gleich viel Strom produziert werden, wie mit sämtlichen US-Kohlekraftwerken. Das heisst: Wenn die USA dem Klimawandel eine ähnliche Signifikanz wie ihrer Militärmacht zurechnen würde, dann könnte die USA ihren CO2-Ausstoss in kürzester Zeit massiv reduzieren.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Ob jemand der Meinung ist die Globale Erwärmung sei Menschengemacht oder nicht oder zu welchem Teil spielt gar nicht so eine Rolle. Schon nur die Aussicht den Beitrag den fossile Energieträger an der Versorgung haben mit friedlichen Mitteln zu reduzieren und damit die wirtschaftliche Dominanz der Regionen mit diesen Rohstoffen zu begrenzen sollte als Motivation genügen. Was für ein schreiendes Elend gewaltsame Methoden zur Beeinflussung dieser Politik mitbringen wird uns ja zum Exzess vorgeführt
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