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Putin besucht Japan Wie weit geht Tokio im Inselstreit?

Wladimir Putin besucht Japan. Es geht um die Kurilen-Inseln und um Wirtschaftsbeziehungen. Dabei sitzt Putin am längeren Hebel, sagt Martin Fritz in Tokio.

Legende: Audio «Putin sitzt am längeren Hebel» abspielen. Laufzeit 04:10 Minuten.
04:10 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.12.2016.
  • Russlands Präsident Putin besucht Japans Premier Abe.
  • Thema sind der Streit um die Kurilen-Inseln sowie die Wirtschaftsbeziehungen.
  • Washington wollte das Treffen verhindern, weil es befürchtet, Japan könnte aus der Sanktionsfront gegen Russland ausscheren.

SRF News:

Russlands Präsident Putin trifft in Japan Premier Shinzo Abe. Thema ist unter anderem der Streit um die Kurilen-Inseln. Worum geht es da genau?

Martin Fritz: In Japan heissen die vier umstrittenen Inseln «nördliche Territorien», in Russland «südliche Kurilen». Die ursprünglich japanischen Inseln wurden bei Kriegsende 1945 von Russland besetzt. 1956 beendeten die beiden Länder den Kriegszustand formal und Russland wollte zwei der vier Inseln an Japan zurückgeben. Doch Tokio beharrt auf der Rückgabe aller vier Inseln, deshalb gibt es bis heute keinen Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern. Nun muss ein Kompromiss her, doch das Thema ist für die Japaner sehr emotional: Noch immer leben einige der damals von den Inseln vertriebenen Japaner, und sie demonstrieren jedes Jahr für die Rückgabe der Inseln.

Was erhofft sich Japan von dem Treffen zwischen Abe und Putin?

Abe will Putin etwas umgarnen und dann den Gordischen Knoten im 70-jährigen Streit um die Inseln durchschlagen. So wäre der Abschluss eines Friedensvertrags möglich, was es wiederum zuliesse, die wirtschaftlichen und politischen Bande zwischen Russland und Japan zu stärken. Tokio erhofft sich dadurch, gegenüber China stärker und flexibler agieren zu können.

Kartendartsellung mit Japan, den Kurilen-Inslen und einem Teil Russlands
Legende: Die Kurilen-Inseln gehören heute zu Russland. Japan erhebt aber Territorialansprüche auf die Inseln. SRF
Neben den emotionalen Gründen: Sind die Inseln denn auch wichtig für Japan?

Japan sieht nicht ein, wieso es nach dem verlorenen Krieg mit Gebietsverlusten büssen muss, wie das etwa Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt und akzeptiert hat. Bekanntlich war Okinawa lange in amerikanischer Hand, wurde aber 1972 an Japan zurückgegeben, das soll nun auch mit den Kurilen geschehen. Japan will als Folge des Zweiten Weltkriegs also keinen Quadratmeter Staatsgebiet aufgeben. Der Krieg soll für das Land ohne territoriale Folgen bleiben.

Eigentlich weiss Abe, dass die japanische Position nicht haltbar ist.

Was kann Japan den Russen als Gegenleistung für die Kurilen-Inseln denn anbieten?

Premier Abe vermittelte bislang den Eindruck, man müsse Russland nur genügend Wirtschafts- und Finanzhilfe anbieten, damit es zu einem Kompromiss komme. Dabei weiss Abe eigentlich, dass die japanische Position nicht haltbar ist. Das kann er der japanischen Öffentlichkeit aber nicht so sagen. Das Ganze ist für Abe deshalb eine Gratwanderung. Bereits wirft ihm die Opposition vor, Russland erhalte zu viel, ohne etwas zurückgeben zu müssen. Putin sagte vor der Abreise nach Japan, Russland habe kein Territorialproblem, ein solches habe nur Japan. Es ist dies ein Signal an Japan, dass es die alte Position, alle vier Kurilen-Inseln zurückzuerhalten, wohl aufgeben muss.

Könnte es denn zu einer Annäherung zwischen Moskau und Tokio kommen, auch wenn Russland die Kurilen behält?

Eine echte Annäherung kann es nur geben, wenn der Inselstreit gelöst ist. Das japanische Interesse an einer Annäherung scheint mir stärker zu sein als das russische. Putin sitzt also am längeren Hebel. Ausserdem hat er einen weiteren Hintergedanken:

Grüne, hügelige Landschaft, darin steht ein blaues Holzhäuschen.
Legende: Die Kurilen sind nur dünn besiedelt, für Japan haben sie vor allem symbolische Bedeutung. Reuters

Er möchte Japan aus der G7 herausbrechen, die wegen der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Moskau verhängt hat. In einem Interview im Vorfeld der Reise sagte Putin, bessere Wirtschaftsbeziehungen zu Japan hätten keinen Sinn so lange gegen Russland Sanktionen in Kraft seien. Die USA versuchten denn auch, das Treffen zwischen Abe und Putin zu verhindern. Doch Japans Regierung ignorierte die Bedenken aus Washington und stellte sich auf den Standpunkt, es gebe nationale Interessen für die Gespräche.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Martin Fritz

Martin Fritz

Der Journalist Martin Fritz arbeitete als Radio-Korrespondent für die ARD in Tokio. Als freier Journalist berichtet er auch über Nord- und Südkorea. Vorher war er fünf Jahre lang Südasien-Korrespondent in Neu-Delhi. Er hat Politik in Münster, Los Angeles und London studiert.

Gespräche um Inseln stocken

Wladimir Putin und Shinzo Abe haben über die Hoheitsrechte der Kurilen-Inseln gesprochen. Es wurde über gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten und die Möglichkeit freier Besuche früherer japanischer Bewohner der Inseln gesprochen. Die Inseln fielen nach dem 2.Weltkrieg an die Sowjetunion. Tokio erhebt Anspruch auf den Südteil der Inselgruppe.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Japan hat hier eine komplett chancenlose Meinung. Sie glauben, dass eine wirtschaftliche schwäche Russland ein Tausch der Kurilen gegen irgendwelche Güter Erfolg haben kann. Diese Meinung ist komplett chancenlos - Fakt ist, dass die Japaner 50 AKW ersetzen müssen durch Gas oder was auch immer was. Nur Russland kann dermassen viel Gas überhaupt anbieten. Gemäss guten Quellen wird überhaupt nicht über die Kurilen gesprochen. Bestenfalls Wirtschaftsabkommen.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    "Skurriler Inselstreit" oder "Streit um Skurrileninseln" ;-) Einmal mehr prägt Geopolitik die Beilegung eines unklaren Zustandes. Je näher wir alle geografisch zusammenrücken, desto häufiger werden als Territorialkampf maskierte Unstimmigkeiten wieder ans Tageslicht befördert. Wie viele dieser Reibungsflächen gibt es weltweit noch? ich weiss es nicht...
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  • Kommentar von Wolfgang Bortsch (a2b3c4d5)
    Die KURILEN-INSELN können meiner Meinung nach für RUSSLAND nur strategischen Wert haben ! Von anderen , erwähnenswerten Möglichkeiten ist zumindest mir nichts bekannnt !
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