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International Wie weiter mit der Entwicklungspolitik?

In Addis Abbeba beginnt am Montag die UNO-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung. Die Weichen die dort gestellt werden, dürften sowohl für die Erste als auch für die Dritte Welt entscheidend sein.

Eine Frau trägt in Südsudan eine Bananenstaude.
Legende: Wie geht es mit der Entwicklungs- finanzierung weiter? Keystone

2015 könnte ein Schicksalsjahr werden. Dieser Meinung ist Jeffrey Sachs, der amerikanische Professor, der die UNO-Millenniumsziele massgeblich mitformulierte. Am UNO-Gipfel im äthiopischen Addis Abeba geht es darum, ein Fundament für die Finanzierung von nachhaltigen Entwicklungszielen zu legen.

Im Herbst soll die Weltgemeinschaft die Nachfolge der Millenniumsziele verabschieden. Eine Chance wie sie jetzt bestehe, die Welt auf einen umweltverträglichen Kurs zu bringen, biete sich nur einmal pro Generation, ist Sachs überzeugt.

Mehr als eine Billion Dollar jährlich

Die besten Zielkataloge seien jedoch nutzlos, bekomme man die Ressourcen dafür nicht zusammen. Nötig seien jährlich mehr als eine Billion Dollar während der nächsten fünfzehn Jahre, sagt Charles Kenny von der entwicklungspolitischen Denkfabrik Center for Global Development.

Da es sich dabei um ein Vielfaches der weltweiten Entwicklungshilfe handle, müssten noch weitere riesige Summen in diesen Bereich fliessen. Vorgesehen sei, dass die Privatwirtschaft stärker in nachhaltige Projekte investiere. Ausserdem müsse der Geldabfluss durch Steuerflucht von der Dritten in die Erste Welt gestoppt werden.

NGO sind skeptisch

Nichtregierungsorganisationen, die sich vor der UNO-Konferenz zu einem eigenen Gipfel trafen, befürchten, der vorgesehene Aktionsplan werde zwar viele, jedoch zu schwammige Absichten formulieren.

In ihrem Appell setzen sich die NGO entschieden dagegen ein, auch den Klimaschutz über die Entwicklungskasse zu finanzieren. Es brauche dafür zwingend zusätzliche Mittel. Moniert wird zudem, dass sich die wohlhabenden Staaten mit der – zwar berechtigten – Forderung nach mehr Eigenengagement von armen Ländern und Wirtschaft allmählich aus der Entwicklungshilfe stehlen wollten.

Bereits dritte Konferenz

Die UNO-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba ist die dritte ihrer Art. Die erste fand 2002 in Mexiko statt und mündete in den sogenannten Konsens von Monterrey. In Doha wurde 2008 eine Nachfolgekonferenz organisiert. In Addis Abeba sollen nun wichtige Weichen gestellt werden, die nicht nur für die Dritte Welt entscheidend sind.

9 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Würden wir den Ländern in Afrika gute Preise für Ihre Waren und Bodenschätze bezahlen, dann könnten sie sich selber helfen. Solange aber internationale Konsortien wie einst Kolonialherren, von Söldnern bewacht, Afrikanische Länder ungestraft ausplündern dürfen, ist unsere Entwicklungshilfe ineffizient - und doppelbödig. Was beispielsweise BP in Nigeria angerichtet hat, das müsste bereits unter "GENOZID" laufen...und es gibt viele weitere Beispiele.
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    1. Antwort von P.Meier, Zürich
      Das ist nur Möglich, weil die Afrikansichen Politiker so korrupt sind. Auch andere Länder (Europa, USA, Kanada, u.s.w.) haben Bodenschätze, aber dort verkaufen die Politiker nicht die Bodenschätze für ein paar Dollar. Daher ist es falsch, dafür dem Westen die Schuld zu geben, die Verantwortung tragen die Politiker des jeweiligen Landes.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      m.mitulla,selbst wenn wir einen guten Preis für ihre Waren bezahlen, dann weckt dieser Geldstrom das Interesse von eigennützigen Personen und Organisationen, so dass dann dort wohl der Zwischenhandel oder ein Protagonist (Präsident?) dann das ganze Geld einsteckt. Mit genügend Egoistmus (einzelner) bringt man nun mal leider jedes System zum scheitern. Es muss m.E. dort die ganze Gesellschaft geschlossen an sich einen höheren Lebensstandart haben wollen und das setzt hohe kulturelle Werte voraus.
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    3. Antwort von Margot Helmers, Bülach
      Was heisst hier "WIR"? Die Unternehmen gestalte ihre Preise entsprechend der jeweiligen Kaufkraft. Das kennt man in der CH sehr gut mit dem CH Aufschlag, im Ausland sind dieselben Produkte einiges günstiger. Nicht nur BP, sondern die gesamte Ölbranche wie man in "Abgefackelt" sehen konnte. Die Doku zeigt wunderbar wie die Politiker in Nigeria / Brüssel den int. Konzernen dienen. Aber solche Grundlagen überprüfen ist den meisten zu aufwendig.
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  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Die Entwicklungshilfe muss abgeschafft werde. Sie bringt nichts, sonder verschlechter nur die Lage. Mit Entwicklungshilfe Geldern werden Korrupte Regierungen an der Macht gehalten und längst fällige Reformen künstlich herausgezögert. Je schlechter es der Bevölkerung geht, um so mehr Geld bekommt die Regierung eines Landes - und umgekehrt. Darum haben die Regierungen gar kein Interesse daran, ihr Land forwärts zu bringen. Länder die keine Entwicklungshilfe bekommen entwicklen sich besser.
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    1. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ p.meier: was allerdings eine positive wahrnehmung von entwicklung und der damit einhergehenden veraenderungen voraussetzt. nicht gerade charakteristika der abendlandretter und morgartenrhetoriker.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      andreas furrer, mit Blick auf Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Ireland usw. wäre in den Ländern die Charakteristika von "Globalisten", Liberalen und Sozialisten auch nicht gerade dienlich.
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    3. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ hans knecht: und wo standen diese laender vor fuenfzig jahren? entweder waren es militaerdiktaturen oder hoffnungslos im konfessionalismus feststeckende armenhaeuser. dem trauern sie nach?
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    4. Antwort von Hans Knecht, Torny
      andreas furrer, diese Armenhäuser hatten 1965 an den Folgen des Weltkriegs zu arbeiten und mit Blick auf die "goldenen" 80er und 90er Jahre sich relativ gut geschlagen. Irgend was ist aber in den letzten 30 Jahren schief gelaufen, nur was? Solange man dies nicht löst ist eine Entwicklungshilfe des Westens für diese Länder wohl eher ein Boomerang. P.S. glaubt nicht jeder Mensch an irgend ein höchstes Gut in seinem Leben wie z.B. Geld, Macht, Familie oder Gott?
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