Zum Inhalt springen
Inhalt

Wiener Akademikerball Wo die rechtsextremen Burschen tanzen

Der Akademikerball ist regelmässig Auslöser von Demonstrationen. In diesem Jahr ist die Lage besonders angespannt.

Legende: Audio Vize-Kanzler Strache eröffnet umstrittenen Ball in der Hofburg abspielen. Laufzeit 03:45 Minuten.
03:45 min, aus Rendez-vous vom 26.01.2018.

Wenn es heute Abend einen Ort gibt, der in Sachen Polizeischutz mit dem Kongresszentrum in Davos mithalten kann, ist es wahrscheinlich die Hofburg in Wien. 3000 Polizisten werden laut dem «Standard» eine Sperrzone rund um die ehemalige Kaiserresidenz errichtet. Seit 17:00 ist die Gegend grossräumig abgesperrt.

Anders als in Davos schützen die Polizisten aber nicht globale Führer aus Wirtschaft und Politik, sondern lokale Burschen mit Führer-Ambitionen. Die Freiheitliche Partei Österreichs FPÖ hat zum jährlichen Akademikerball geladen, erwartet werden insbesondere Teilnehmer aus den Burschenschaften – Studentenverbindungen, denen in Österreich in vielen Fällen eine Nähe zu rechtsnationalem Gedankengut nachgesagt wird.

Im Herzen der Republik

Proteste gegen den Akademikerball und den vorangehenden WKR-Ball, der noch direkt von den Burschenschaften organisiert wurde, finden bereits seit Jahren regelmässig statt. Der Anlass ist hoch umstritten. Bernhard Odehnal, Österreich-Korrespondent des «Tages Anzeigers», bezeichnet die Burschenschaften im Gespräch mit Radio SRF als «immer noch stark rassistisch und antisemitisch».

Insbesondere der Austragungsort des Balls bringe grosses Konfliktpotenzial mit sich: «Er findet im Herzen der Republik statt: mitten in der Hauptstadt und in direkter Nähe zum Präsidenten und zum Parlament. Mehr Provokation geht fast nicht.» Schwierig sei in diesem Jahr zudem die Teilnahme von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Dieser besuchte den Ball zwar auch schon in vergangenen Jahren, ist seit Dezember 2017 aber Vizekanzler von Österreich. «Wenn ein offizieller Vertreter der Republik so einen Ball eröffnet, hat es eine ganz andere Symbolik.»

Rechtsextreme Lieder

Angeheizt wird die Stimmung zudem durch eine Recherche des Magazins Falter: Es veröffentlichte kürzlich Liedtexte der Burschenschaft Germania, der auch FPÖ-Spitzenpolitiker Udo Landbauer angehört. Darin finden sich Stellen wie: «Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion. Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million» – eine Anspielung auf die sechs Millionen Juden, die Nazis ermordet haben. Landbauer gibt an, die Texte nicht gekannt und nicht gesungen zu haben.

Kanzler Kurz verurteilt die rechtsextremen Lieder

Als Reaktion auf die Veröffentlichung verurteilte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz die Liedtexte. FPÖ-Chef Strache seinerseits kündigte an, am Ball keine Antisemiten zu tolerieren. Landbauer kandidiert am Sonntag bei der Landtagswahl in Niederösterreich. Ihn davon auszuschliessen steht aber offensichtlich nicht zur Debatte. Odehnal erklärt das damit, dass die ÖVP auf die FPÖ als Koalitionspartner angewiesen sei. «Ich denke, wir werden in Zukunft noch mehr solche Fälle sehen, bei denen nichts passiert.»

Liebe Kommentarschreiberinnen und Kommentarschreiber, bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe und halten Sie sich an die Netiquette. Ansonsten sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion zu deaktivieren.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

52 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
    Ich denke es ist ziemlich eindeutig von welcher Seite diese persönlichen Angriffe kommen. Wenn liest was sich Niklaus Bächler oder A.Zuckermann erlauben. Da ist vieles Grenzwertig. Bei der üblen Nachrede " Whataboutism der übelsten Sorte" gegen Herr Schink/Weiss hat A. Zuckermann jede Grenze überschritten. Warum ist es bei einigen Linken nicht möglich Respektvoll und Anständig mit politsch Andersdenkenden zu debattieren. Warum müssen diese Linke immer auf der persönlichen Ebene angreifen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tobias Weiss (Weiss)
    Weder ist es angebracht Nazi-Lieder zu singen noch jeden welcher an diesem Ball teilnimmt oder dem Linken Rand missfällt als Nazi zu diffamieren. Lustig wie hier linke Wutbürger dieses Lied etwa zu Recht verurteilen dann aber wieder mit ihrer Nazi-Rhetorik jeden mit einer anderer Meinung verunglimpfen. Nazi-Rhetorik ist daneben. Sie es von Rechtsextremen oder von Linksextremen. Es wird langsam zeigt dass auch Linksextreme Sachlich werden ohne jeden als Nazi oder Rassist zu verunglimpfen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von László Schink (Schink)
    Alexander van der Bellen hat sich in seinem Wahlkampf auch nie von linksextremen Kreisen distanziert, die sich an Demos und mit Manifesten für ihn eingesetzt haben, um den FPÖ Mann zu verhindern. Schon noch relevant bei einem wiederum knappen Ausgang der Wahl. Viele Grünen oder SPÖ Politiker haben sich auch nie von Linksextremisten, Anarchisten oder Hausbesetzern distanziert, wo so mancher dieser Politiker in diesen Kreisen früher selbst dabei war. AVB war auch einmal in der Freimaurerloge.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Für mich ist es ein Unterschied, ob ein Politiker selber in Extermen Kreisen verkehrt und diese Ideologien selber öffentlich mitträgt und unterstützt, oder ob extreme Kreise einen Politiker unterstützen. Für Sie nicht? Ist Ihnen zudem bekannt, dass bis zum Zeitpunkt als Linksextreme Herr Stache verhindern wollten mit der Unterstützung der Kandidatur von Herr van der Bellen genau jener als zu wenig Links und zu stark Liberal für die Grünen verschrien war?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      Wenn man in Kenntnis ist von Unterstützung von extremen Kreisen und sich davon nicht distanziert ist es sehr wohl zu vergleichen. Herr Schink liegt richtig.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von László Schink (Schink)
      Alexander van der Bellen hat sich aber nicht an der Schützenhilfe von Linksaußen gestört. Zumindest hat er diese stillschweigend toleriert. Bei einer relativ knappen Wahl vielleicht die entscheiden Stimmen für ihn. Außerdem sitzt Udo Landbauer im Landtag von Niederösterreich und hat mit der Österreichischen Bundesregierung nichts zu tun, wie es uns SRF glaubhaft machen will. Das gibt auch niemanden das Recht die Teilnehmer des Akademikerballs pauschal zu verunglimpfen und in einen Topf zu werfen
      Ablehnen den Kommentar ablehnen