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International Winterspiele in Peking – eine «sichere Nummer»?

Peking kommt wieder zum Handkuss: Die chinesische Hauptstadt darf nach den Olympischen Sommerspielen von 2008 nun auch die Winterspiele von 2022 durchführen. Fragen an Martin Aldrovandi, SRF-Auslandredaktor mit Spezialgebiet China.

Eine Chinesin mit Sonnebrille und einem Wimpel mit Olympischen Ringen macht ein Selfie.
Legende: Nach den Sommerspielen 2008 bekommt Peking nun auch den Zuschlag für die Winterspiele 2022. Reuters

SRF News: Was hat den Ausschlag für Peking gegeben?

Martin Aldrovandi: Beim Internationalen Olympischen Komitee IOC hofft man einfach, dass man sich auf China verlassen kann. China hat ja bereits die Sommerspiele 2008 erfolgreich durchgeführt. Da wollte man sich nicht auf etwas Neues einlassen und lieber auf Nummer sicher gehen.

Es werden Spiele der langen Wege. Die Berge sind mindestens 150 Kilometer entfernt. Da kann man kaum von ökologischen Spielen reden. Wie geeignet ist Peking für den Wintersport?

Für diese langen Wege wird extra ein Hochgeschwindigkeitszug gebaut. Der soll natürlich auch nach den Spielen weiterhin im Betrieb bleiben. Was die Ökologie angeht, ist die Situation so, dass es auf diesen Bergen zu wenig Schnee gibt. Darum müssen Schneekanonen zum Einsatz kommen und es braucht sehr viel Wasser. Und das in einer Region, in der es eigentlich zu wenig Wasser hat.

Für die Sommerspiele 2008 wurden Milliarden in Stadien investiert. Kann man 2022 auf diese Infrastruktur zurückgreifen?

Erstmals wird viel weniger Geld gebraucht – nur ein Bruchteil von dem, was für die Sommerspiele 2008 ausgegeben wurde. Unter anderem, weil die Winterspiele viel kleiner sind, aber auch weil man das Vogelnest-Stadion für die Eröffnung erneut benützen kann. Da muss man nicht allzu viel Neues bauen – zumindest in Peking nicht.

Haben Winterspiele in Peking das Potential, den dortigen Skitourismus zu fördern?

Das hofft man zumindest, vor allem was Nordchina angeht. Dort soll es 300 Millionen Chinesen geben, die eventuell Interesse haben könnten. Das wäre für die Region wirtschaftlich sehr gut. Ob die Rechnung aufgeht, ist eine andere Frage. Wintersport ist in China, zumindest jetzt, ein noch ziemlich neues Konzept.

Bereits vor der Vergabe der Olympischen Spiele haben Menschenrechtsorganisationen kritisiert, Peking wäre eine schlechte Wahl. Werden die chinesischen Behörden auf die Kritiker hören?

Sie haben es dem IOC zumindest 2008 schon einmal versprochen. Viel passiert ist seither nicht. Im Gegenteil: Viele Menschenrechtsorganisationen sagen, dass sich die Situation in China in den letzten paar Jahren weiter verschlechtert hat. Unter der neuen Regierung von Xi Jinping haben die Repressionen eher noch zugenommen. Deswegen würde ich erst einmal abwarten, was wirklich passiert.

Das Gespräch führte Daniel Hofer.

Martin Aldrovandi

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Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Korruptes IOC, korrupte FIFA? Korruption, Raubbau an der Natur, Gigantomanie und Geldmacherei. Und das sind die Hüter der olympischen Idee oder des Fußballsports? Und wer hofft, dass sich die Menschenrechtslage dadurch in China verbessert, gibt sich wohl einer argen Täuschung hin. Man fühlt sich in seiner Haltung bestätigt und braucht ja bloß zu gucken, was Putin unmittelbar nach den von ihm ausgerichteten letzten olympischen Winterspielen so alles angestellt hat. Da legte er erst richtig los.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Was sind die OS überhaupt? Es waren im antiken Griechenland Sportveranstaltungen, die in erster Linie den Göttern und damit den Dämonen geweiht waren. Gerade deshalb hat der christliche Kaiser Theodosius sie im Jahr 395 verboten. Es ist kein Zufall, dass die olympische Bewegung genau in der zweiten Hälfte des 19. Jh. aufkam, als der Abfall vom Christentum immer mehr einsetzte. Dieser ganze Rummel seit dem Jahr 1896 zeigt uns, dass es der gleiche Geist ist wie im Altertum.
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  • Kommentar von Andrea Schmidt, Davos Platz
    Das ist die neue Realität! Diejenigen Orte, welche olympische Winterspiele durchführen könnten, wollen nicht. Auch in Graubünden wurde das Kandidatur-Projekt für 2022 versenkt; zu gross, zu teuer, ökologisch fragwürdig und dann das korrupte IOC im eigenen Land?!? Das Nein des Bündner Volkes hat nichts genützt, denn die olympischen Spiele finden immer statt, nun profitieren andere. Leider haben WIR diese Chance nicht genutzt !!!
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