«Wir hoffen, dass jedes Schutzmachtmandat ausläuft»

Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA ist auch für die Schweiz ein historischer Moment: Ihre Aufgabe als Vermittlerin zwischen den beiden Ländern wird nach über 50 Jahren hinfällig. Das freut den Schweizer Botschafter in Washington, Martin Dahinden.

Aufnahme des Schweizer Botschafters in Washington, Martin Dahinden.

Bildlegende: Kein Interesse an schlechten zwischenstaatlichen Beziehungen: Schweizer Botschafter in Washington, Martin Dahinden. Keystone/Archiv

Wenn Martin Dahinden eine Träne verdrücken sollte, dann höchstens eine der Freude. Der Schweizer Botschafter sitzt in seinem Büro in Washington. Es sei eine erfreuliche Entwicklung, dass er heute einen Teil seiner Arbeit verliere.

«Wir hoffen, dass jedes Schutzmachtmandat ausläuft», sagt Dahinden. Die Schweiz habe kein Interesse an schlechten Beziehungen zwischen zwei Staaten. 1961, nach der Machtübernahme der Kommunisten auf der Karibikinsel, wurde die Schweiz von den USA angefragt, ihre Interessen auf Kuba treuhänderisch zu übernehmen.

Das war während der heissen Phase des Kalten Krieges. Da war die gescheiterte Invasion der Amerikaner in der Schweinebucht, da waren die Kuba-Krise und der Versuch der Sowjets, Nuklearwaffen auf der Insel zu stationieren. Die Schweiz versuchte zu kommunizieren und zu vermitteln. Auch später, als es um Enteignungen, Gefangene oder kubanische Flüchtlinge ging.

Ab 1977 vor allem Aufgaben formeller Natur

1977 entschieden die USA und Kuba, gegenseitig eine «Interests Section» zu eröffnen. Das ist eine Art Bonsai-Botschaft unter Schweizer Flagge – zuerst in Havanna, später auch in Washington.


In Havanna weht wieder das Sternenbanner

5:16 min, aus Echo der Zeit vom 20.07.2015

Nun seien auch direkte Dialoge zu Themen möglich, die beide Seiten interessierten, sagte der Vertreter des US-Aussenministeriums 1977. Laut Dahinden veränderte sich ab diesem Moment auch die Aufgabe der Schweiz. An den Vertretungen sei eine Schweizer Fahne angebracht gewesen. «Aber unser eigenes Personal war nicht mehr direkt in die Abwicklung der Geschäfte einbezogen.»

Im Gegensatz zum umfassenden Iran-Mandat, das Dahinden mit seinem Team nach wie vor betreut, waren die Aufgaben, welche die Schweiz für Kuba und die USA fortan übernahmen, also eher formeller Natur.

Professionelle Beziehungen zu beiden Ländern

Dennoch stand Dahinden bis zum Schluss in engem Kontakt mit seinem kubanischen Kollegen in Washington. Der kubanische Ex-Vizeaussenminister sei eine «sehr interessante Person». In seiner früheren Rolle habe er sich mit den Beziehungen zu den USA befasst. «Da haben wir oft über das Verhältnis der beiden Staaten gesprochen», sagt der Botschafter.

Auch mit den USA sei das Verhältnis stets sehr professionell gewesen, sagt der Botschafter. Er zählt zwei Beispiele aus jüngster Zeit auf: Bevor US-Präsident Barack Obama im Dezember die Normalisierung der Beziehungen bekannt gegeben hatte und bevor die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen anfangs Juli bekannt gegeben worden war, «wurden wir sehr detailliert über diese Schritte informiert».

Schild an Botschaft in Washington entfernen

Dass der Vatikan und Kanada, nicht aber die Schweiz die Wiederaufnahme der direkten diplomatischen Beziehungen ins Rollen brachten, ärgert Dahinden nicht. Und wenn, dann lässt der Diplomat es sich nicht anmerken. Er freut sich, dass er an die Feier zur Wiedereröffnung der kubanischen Botschaft eingeladen ist.

Und er weiss, dass er danach noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Er muss beim Eingang der Schweizer Botschaft das Schild entfernen, auf dem steht, dass die Schweiz auch die Interessen Kubas vertrete. «Das ist keine Feier. Das ist einfach eine Anpassung, an das was passiert ist», sagt er. Ein Schraubenzieher und etwas Muskelkraft, und das Schweizer Schutzmachtmandat ist endgültig Geschichte.