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International «Wir wollen durch»: Migranten-Sitzstreik an Grenze zu Frankreich

Rund 100 Flüchtlinge haben im italienischen Ventimiglia, unmittelbar an der Grenze zu Frankreich, einen Sitzstreik abgehalten. Sie protestieren dagegen, dass Frankreich sie an der Einreise hindert.

Legende: Video Hunderte Flüchtlinge wollen nach Frankreich abspielen. Laufzeit 01:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.06.2015.

Im italienischen Ventimiglia, nur einige Dutzend Meter von der Grenze zu Frankreich entfernt, haben Flüchtlinge aus Afrika einen Sitzstreik abgehalten. Mit Transparenten mit der Aufschrift «Wir wollen durch» oder «Wir brauchen Freiheit» protestieren sie dagegen, dass sie an der Weiterreise nach Frankreich gehindert werden.

Acht französische Polizisten sperren derweil die Strasse beim Grenzübergang ab. Nach Angaben des Roten Kreuzes, welches vor Ort präsent ist, verbrachten die Flüchtlinge bereits die zweite Nacht in Folge an dem Grenzübergang. Die französischen Polizisten gaben an, sie hätten Anweisungen, die Migranten nicht durchzulassen.

200 Euro für Autofahrt über die Grenze

Viele Flüchtlinge versuchten, die Polizeikontrollen zu umgehen und mit dem Zug Frankreich zu erreichen, berichteten Medien in Italien. Allein am Freitag seien 240 von ihnen von der französischen Polizei angehalten und abgeschoben worden. In der ganzen Woche waren es 1439, berichtete der Präfekt von Nizza, Adolphe Colrat.

Oft würden Migranten versuchen, auch zu Fuss die Grenze zu überqueren, schrieben italienische Medien. Dutzende Afrikaner übernachten am Strand oder auf dem Bahnhof Ventimiglias in der Hoffnung, jemanden zu finden, der sie mit dem Auto nach Frankreich mitnehme. Dafür seien sie bereit, über 200 Euro zu zahlen.

Ligurien will mehr Druck auf Frankreich

«Wir haben die Pflicht, dass die in der EU geltenden Regeln angewendet werden. Illegale Migranten müssen im Land bleiben, in dem sie eingetroffen sind, in diesem Fall Italien», berichtete Colrat.

Die ligurischen Behörden riefen die Regierung in Rom auf, Druck auf Frankreich auszuüben. «Die Franzosen können nicht so tun, als wären sie von der Flüchtlingsfrage nicht betroffen», sagten lokale Politiker.

Der neue Präsident der Region Ligurien, der rechstkonservative Giovanni Toti, zeigte sich wegen möglichen negativen Auswirkungen der Flüchtlingswelle auf den Tourismus in der Gegend besorgt.

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi sagte, Italien bemühe sich, im Einklang mit der EU Lösungen für die Flüchtlingsproblematik zu finden. Populistische Propaganda würde nicht helfen, konstruktiv mit dem grossen Flüchtlingsstrom aus Nordafrika umzugehen.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Sitzstreik an der Grenze? Undenkbar bei uns. Da werden die lieben Migranten von unseren Zöllner mit einem Panzerkäsli und einem Militärschöggeli empfangen (neuerdings wird ihnen wohl schon Couscous gereicht) und anschliessend werden sie ins nächste Aufnahmezentrum gefahren, wo unsere nette Sozialindustrie wartet um ihnen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.
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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Nachdem wir die äusserst beunruhigenden Nachrichten über unzufriedene streikende Flüchtlinge gesehen haben, braucht es dringend eine Erklärung des BR, wie er in Zukunft bei solchen Eskalationen handelt. Fast mittellose, aufgebrachte junge Männer, durch Europa reisend, ist eine politische Angelegenheit, die dringends gelöst werden sollte. EU scheitert beim Schengen-Dublin Abkommen. Aussagen von Sozialdirektoren und Flüchtlingsdepartament sind irrelevant, die Situation geriet ausser Kontrolle!
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  • Kommentar von S. Schenk, Genf
    Was ist denn hier für eine Ansammlung selbstgerechter Kommentatoren? WARUM sind die Migranten unterwegs? Ob Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlinge, Friede/Reichtum sind auf unserer Welt ungerecht verteilt und wir Schweizer sind daran nicht unschuldig (s. Steuerparadies, oder Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, die weltweit die grössten Schweinereien anstellen)! Wir haben eine Verantwortung! "Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein."
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