WM-Ticketskandal: Manager getürmt

Der Skandal um illegal verkaufte Eintrittskarten für die Fussball-WM in Brasilien wird immer dramatischer. Nur wenige Stunden nach den Unschuldsbeteuerungen seines Schweizer Arbeitgebers befindet sich der Topmanager Ray Whelan laut Staatsanwaltschaft auf der Flucht.

Ray Whelan

Bildlegende: Ohne Pass auf der Flucht: Ray Whelan, Topmanager einer Schweizer Firma. Reuters

Die brasilianische Polizei sucht im Skandal um illegal verkaufte Eintrittskarten nach dem britischen Topmanager Ray Whelan. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro.

Sicherheitskamera filmte Flucht

«Er wird nun als Entflohener betrachtet. Wir haben Aufnahmen einer Sicherheitskamera, die zeigen, wie er das Hotel durch einen Lieferanteneingang verlässt», sagte ein Polizeiermittler. Die Behörde beantragte elf vorläufige Haftbefehle, einer davon gegen Whelan. Die Polizei sei im Einsatz, um Whelan festzunehmen. Der Brite habe sich einer bevorstehenden erneuten Festnahme entzogen, hiess es.

Er wird verdächtigt, einer Ticket-Schieberbande Zugang zu WM-Eintrittskarten verschafft zu haben. Dies wird von ihm und seinem Arbeitgeber, dem Fifa-Partner Match Services, bestritten.

Anwalt: Mandant wird sich stellen

Der 64-Jährige soll in Begleitung seines Anwalts aus dem Fifa-Hauptquartier, dem noblen Copacabana Palace, gegangen sein. Der Anwalt kündigte laut der Zeitung «Folha de São Paulo» an, dass sich sein Mandant stellen werde, machte jedoch keine Zeitangabe.

Match Services war für eine Stellungnahme vorerst nicht zu erreichen. Kurz zuvor hatte das Schweizer Unternehmen in einer Pressemitteilung die Unschuld seiner Führungskraft beteuert und die Ermittlungsbehörden scharf kritisiert.

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Top-Manager von Fifa-Partner festgenommen

1:12 min, aus Tagesschau am Mittag vom 8.7.2014

Beschuldigte in Untersuchungshaft

Whelan war am Montag festgenommen worden, am folgenden Tag aber wieder freigelassen worden. Anschliessend hatte er seine Kooperation mit der Polizei angekündigt. Seinen Pass musste er der Polizei übergeben. Die Fifa hat eine konkrete Stellungnahme zu den Ermittlungen bislang abgelehnt.

Die Ermittlungen gegen Whelan gehören zu der gross angelegten Polizeiaktion mit dem Namen «Operation Jules Rimet». Den Anträgen auf Haftbefehl sei von der Justiz stattgegeben worden. Die Beschuldigten müssten sich wegen Korruption, illegalen Tickethandels, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche verantworten. Einige sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Auch Fussball-Funktionäre im Visier

Ermittler Barucke deutete an, dass wahrscheinlich auch Fussball-Funktionäre in den Fall verwickelt seien. Bislang habe man rund 25'000 von 50'000 abgehörten Telefonaten ausgewertet. 900 Gespräche zwischen Whelan und dem hauptverdächtigen Algerier Lamine Fofana seien dokumentiert.

Laut Match Services, einem langjährigen Vermarktungspartner des Fussball-Weltverbands Fifa, habe Whelan mit Fofana legale Geschäfte abgewickelt.

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