Wohl Dutzende Tote nach Bahnunglück in Kanada

Nach der verheerenden Zug-Katastrophe von Kanada scheinen die schlimmsten Befürchtungen Realität zu werden: 20 Leichen sind geborgen und für 30 Vermisste gibt es kaum Hoffnung mehr. Die grosse Frage bleibt: War der Lokführer schuld an dem Unglück?

Video «Das Flammenmeer» abspielen

Das Flammenmeer nach dem Unglück (unkommentiert)

1:37 min, vom 11.7.2013

Die Zahl der Opfer des Zugunglücks in der kanadischen Kleinstadt Lac-Mégantic wird laut Polizei wahrscheinlich auf 50 steigen. Die 30 Menschen, die vermisst werden, sind wahrscheinlich bei der Explosion ums Leben gekommen.

Bislang waren es offiziell 15 Tote und bis zu 60 Vermisste. Fünf Leichen wurden am Mittwoch entdeckt. Eines der 20 geborgenen Opfer konnte identifiziert werden.

Lokführer suspendiert

Der Lokführer des Unglückszugs wurde unterdessen vom Dienst suspendiert. Er sei «unter der Kontrolle der Polizei», sagte der Chef des Bahnunternehmens Montreal, Maine & Atlantic Railway. Der Mann werde bis auf weiteres nicht für sein Unternehmen arbeiten und auch kein Gehalt bekommen. «Ich glaube nicht, dass er wieder für uns arbeiten wird», sagte der Bahnchef.

Der Lokführer habe gesagt, dass er am Unglückszug nach dem Abstellen elf Handbremsen gesetzt habe. «Wir haben jetzt das Gefühl, dass das nicht wahr ist», so der Bahnchef.

Anwohner protestierten

Der zuständige Lokführer arbeitet seit vielen Jahren für die Firma und ist noch nie negativ im Zusammenhang mit Sicherheitsmassnahmen aufgefallen. Der Bahnchef sagte, sein Unternehmen trage «jede Menge Verantwortung». Und: Er fühle sich persönlich «absolut scheusslich». Bewohner von Lac-Mégantic protestierten mit Plakaten gegen den Besuch des Bahnchefs in der Stadt.

Die Polizei ermittelt unterdessen weiter, ob das Entgleisen der mehr als 70 Kesselwagen einen kriminellen Hintergrund hat. Details der Ermittlungen wollte die Polizei keine nennen. Allerdings gebe es für Terrorismus keine Hinweise.

Zum Gedenken an die Opfer sollen die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden in der Provinz Québec ab Donnerstag für eine Woche auf halbmast wehen.

Gewaltige Feuerbälle

Beim Unglück waren am frühen Samstagmorgen mehr als 70 mit Rohöl beladene Kesselwagen rund zwölf Kilometer aus dem Nachbarort Nantes einen Berg hinunter nach Lac-Mégantic gerast. Das leicht entflammbare Rohöl stammte aus dem US-Bundesstaat North Dakota und sollte in die kanadische Provinz New Brunswick transportiert werden.

In der Innenstadt von Lac-Mégantic entgleiste der Geisterzug schliesslich. Mehrere Detonationen mit gewaltigen Feuerbällen erschütterten die Kleinstadt. Etwa 30 Gebäude wurden zerstört. 2000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die meisten konnten wieder zurückkehren, 600 harren noch immer in Notunterkünften oder bei Freunden aus.

Die Bilder zum Zugunglück in Kanada