Wolgograd: USA wollen helfen, Russland sicherer zu machen

Hinter den beiden verheerenden Selbstmordanschlägen auf einen Bahnhof und Linienbus in Wolgograd vermutet Russland Extremisten aus dem Nordkaukasus. Jetzt wollen die USA Russland zur Hilfe kommen.

Video «Wolgograd im Bomben-Terror» abspielen

Wolgograd im Bomben-Terror

1:19 min, aus Tagesschau vom 30.12.2013

Für die beiden Anschläge in Wolgograd hat die russische Regierung Extremisten aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus verantwortlich gemacht. Gesamthaft sind bei den Attacken auf den Bahnhof und einen Linienbus mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen.

«Banditen» wie Islamistenführer Doku Umarow schickten «unter der Flagge des Dschihad» (Heiligen Krieges) immer neue Kämpfer in einen «Terrorkrieg», teilte das Aussenministerium in Moskau mit. «Wir werden unseren Kampf gegen einen bösen Feind konsequent fortsetzen», kündigte das Ministerium an. Die Anschläge seien mit Terrorattacken in Syrien, Afghanistan oder im Irak vergleichbar.

Video «Christoph Wanner: «Keine Stadt auf der Welt ist vor solch perfidem Anschlag sicher»» abspielen

Christoph Wanner: «perfider Anschlag»

2:12 min, aus Tagesschau vom 30.12.2013

Laut SRF-Korrespondent Christoph Wanner in Moskau hat Islamistenführer Doku Umarow bereits im Sommer angekündigt, die Olympischen Spiele in Sotschi mit allen erdenklichen Mitteln zu sabotieren.

USA wollen helfen

Die Vereinigten Staaten wollen Russland nun Hand bieten. Sie tun dies im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi: «Die US-Regierung hat der russischen Regierung den Vorschlag unterbreitet, sie in der Planung der Sicherheitsmassnahmen auf ganzer Linie zu unterstützen», sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates NSC, Caitlin Hayden. Zugleich sprach die US-Regierung den Opfern der Attentate ihr Beileid aus.

Es könnte jedem Land passieren

Korrespondent Christoph Wanner warnt jedoch: «Kein Land auf der Welt ist vor solch einem perfiden Anschlag geschützt».

Nach dem Anschlag auf den Bahnhof Wolgograd sind bei der jüngsten Explosion am Morgen mindestens 14 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Rettungskräften wurden dabei über 40 Menschen verletzt. Die Ermittlungsbehörde teilten mit, ein Selbstmordattentäter habe in einem voll besetzten Linienbus einen mit Metallstücken gefüllten Sprengsatz gezündet. Es war der dritte Anschlag in der Millionenstadt seit Ende Oktober.

Zu den Anschlägen hat sich bislang niemand offiziell bekannt. Sie ähnelten aber einem Anschlag im Oktober. Damals hatte sich eine Selbstmordattentäterin aus der russischen Kaukasusrepublik Dagestan in einem Linienbus in Wolgograd – dem früheren Stalingrad – in die Luft gesprengt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen.

Putin in Bedrängnis

In die Ermittlungen ist inzwischen auf der Inlandsgeheimdienst FSB involviert – im Auftrag von Staatspräsident Wladimir Putin. Dieser ordnete an, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen – «russlandweit und besonders in der Region von Wolgograd». Was genau Putin anordnete, teilte der Kreml nicht mit.

Karte Wolgograd

Bildlegende: Wolgograd – die Stadt am Fluss Wolga – liegt rund 1000 Kilometer südöstlich von Moskau. SRF

Wolgograd liegt in der Nähe der Nordkaukasus-Region und rund 700 Kilometer von Sotschi entfernt. Dort sollen im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden.

Islamistische Rebellen wollen im Nordkaukasus einen islamistischen Staat errichten. Ihr Anführer Doku Umarow hatte im Juli in einem Video zu Anschlägen aufgerufen, um die Ausrichtung der Olympischen Spiele «mit allen Mitteln» zu verhindern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Erneutes Attentat im Kaukasus

    Aus 10vor10 vom 30.12.2013

    14 Tote und 41 Verletzte: Das ist die vorläufige, traurige Bilanz des Selbstmordattentats, das heute Morgen die russische Metropole Wolgograd erschüttert hat. Mitten im morgendlichen Berufsverkehr explodierte eine Bombe. «10vor10» berichtet über die Hintergründe des Terrors im Süden Russlands.