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Corona-Virus deckt Schwächen des autoritären Systems auf
Aus HeuteMorgen vom 13.02.2020.
abspielen. Laufzeit 02:24 Minuten.
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Xi Jinping kommt unter Druck Der politische Preis des Corona-Virus

  • In China ist das neuartige Corona-Virus noch immer das alles beherrschende Thema.
  • Städte und Landstriche mit Dutzenden von Millionen Einwohnern stehen de facto unter Quarantäne. Chinas Wirtschaft rechnet mit hohen Einbussen.
  • Der machtbewusste Präsident Xi Jinping steht angesichts der Virus-Krise vor einer riesigen Herausforderung.

Das chinesische Fernsehen zeigt Präsident Xi Jinping in einem Pekinger Wohnviertel. Xi trägt einen Mundschutz, locker plaudert er mit Anwohnerinnen und Anwohnern und spricht ihnen gleichzeitig Mut zu. Die Bilder sollen zeigen: Die Führung ist nah bei den Menschen und lässt sie in dieser schwierigen Zeit nicht im Stich.

Dabei blieb der Präsident während Wochen im Hintergrund, so reiste er nicht nach Wuhan – ins Zentrum der Krise, sondern schickte stattdessen Premierminister Li Keqiang vor. Es schien, als wolle Präsident Xi erst abwarten und beobachten.

Xi Jinping in Burma.
Legende: Kollektive Führung war einmal: Xi vereinigt eine Machtfülle, wie sie zuletzt Mao Zedong hatte. Das macht ihn im aktuellen Chaos angreifbar. Reuters/Archiv

Nicht ohne Grund: Die Virus-Krise sei Xis bisher grösste Herausforderung, sagt der Politologe Wu Qiang in Peking. Wu gehört zu den kritischen Stimmen in China.

Doch auch Wu äussert sich vorsichtig, wenn es um Präsident Xi geht. «Er kann die Verantwortung nicht auf andere abschieben, der ständige Ausschuss des Politbüros kann nicht die Gesamtverantwortung übernehmen. Denn: Wie wir alle wissen, gibt es das System der kollektiven Führung nicht mehr.»

Das Risiko der Allmacht

Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Xi alle Macht zunehmend bei sich konzentriert. Doch Xis totale Kontrolle bringt nicht nur Vorteile. Wenn etwas schiefläuft, erhöht sich auch das Risiko, dass das auf ihn zurückgeführt wird.

Man hört die zunehmende Unzufriedenheit der Menschen.
Autor: Wu QiangChinesischer Politologe

Der Ärger und die Wut der Menschen entluden sich zuerst über der Lokalregierung in Wuhan und über Hubeis Provinzregierung. Die offiziellen Medien lassen dies zu – wohl um zu verhindern, dass die Menschen auch die chinesische Führung verantwortlich machen – und damit auch Präsident Xi.

Epidemie zeigt Probleme des Systems auf

Kritik an der Führung oder gar am System an sich ist in den offiziellen Medien Tabu. Wu sagt, er könne deshalb nur von seinen persönlichen Eindrücken sprechen: «Ob bei Klatsch und Tratsch in den Strassen und Gassen, oder wenn sich die Menschen zum Essen treffen, ob Parteikader oder gewöhnliche Bürger, man hört die zunehmende Unzufriedenheit der Menschen.»

Wie lange die Virus-Krise anhalten wird, lässt sich noch nicht sagen. Für Politologe Wu zeigt die Epidemie aber schon jetzt die Probleme des autoritären Systems in China auf.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Vielleicht merken die Chinesen jetzt endlich dass der Kommunismus eine Sackgasse ist. Natürlich ist die demokratische Art zu regieren die bessere Lösung. Aber leben unsere Regierungen wirklich die hochgelobte Demokratie oder nähern Sie sich nicht eher immer mehr China an?
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Vor allem Russland und die USA nähern sich immer mehr einer Diktatur.
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    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Noch merken sie es nicht, es geht ihnen wesentlich besser als unter Mao. Und das zählt für den Grossteil der Bevölkerung. Zwischen Kommunismus
      Und heute gab es noch den Stalinismus der darauf aufgebaut war. Der
      Marx....Kommunismus ist nur die Grundform. Heute sollte man auch Komm.
      Nicht immer mit Sozialismus gleichstellen. Wir werden jedenfalls eine
      Abkehr in China nicht mehr erleben.
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Hoffen wir doch dass dieses Virus ein Ende der KP in China bedeutet. Und das eine friedliche Demokratie das Regiem Xis usurpiert.
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    1. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Herr Gasser vorsichtig mit dem was Sie sich wünschen, vielleicht geht es sogar in Erfüllung aber nicht so wie sich erhoffen. Zwei Beispiele, Libyen und Irak, 2 Diktatoren mit "funktionierenden" Ländern, man wollte diesen Demokratie aufzwingen und nun liegen 2 Länder und eine ganz Region als Scherbenhaufen darnieder.
      Ich bezweifle aufgrund der Geschichte und Kultur Chinas, dass eine Demokratie nach westlichem Vorbild da funktionieren würde.
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    2. Antwort von Oskar Schneider  (Oski2)
      HOC stimmt 100%. Leider glauben wir immer noch unsere Demokratie ist das A und O für alle ohne zu realisieren dass sich Demokratie Entwickelt und nicht Erzwingbar ist. Erzwingbar = Diktatorisch.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Was die Chinesen müssen ist anders mit Tieren umzugehen. Die riesigen Tierhaltungsbetrieben und die schlechte Haltung der Tieren gegenüber, wird uns, wenn nichts geändert wird in China, noch etliche Epidemien aus China und Umgebung bescheren.
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    1. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Das wird leider noch lange nicht geschehen. Denn Fleisch steht in China wie nichts anderes für Wohlstand. Die tägliche Verfügbarkeit von Fleisch beweist den Menschen tagtäglich, dass sie die "schlimmen" Zeiten hinter sich haben. Desweiteren ist das Schicksal der Regierung quasi direkt mit der Verfügbarkeit von Fleisch in China gekoppelt. Genügend Fleisch - Menschen sind zufrieden und achten die Regierung / Fleischmangel - Unruhe kommen langsam auf, Erinnerungen kommen hoch - Politik reagiert.
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