Yahoo soll E-Mails für US-Behörde kontrolliert haben

Der Internetdienst Yahoo soll heimlich die E-Mails hunderter Millionen Nutzer kontrolliert haben, berichtet die «Washington Post». Dies sei im Auftrag einer US-Behörde geschehen. Yahoos Stellungnahme lässt viel Raum für Spekulationen.

Blick auf das Logo von Yahoo! an der Firmenzentrale in Sunnyvale

Bildlegende: Man halte sich an die Gesetze, liess Yahoo als Reaktion auf den Bericht der «Washington Post» verlauten. Keystone

Der Internet-Konzern Yahoo hat nach Medieninformationen im vergangenen Jahr heimlich die E-Mails hunderter Millionen Nutzer auf Anfrage einer US-Behörde durchforstet. Es sei unklar, wonach genau gesucht worden sei – und ob dabei Informationen an die Regierung gegangen seien, schrieb die «Washington Post» unter Berufung auf einen früheren Mitarbeiter.

Yahoo: «Wir halten uns an die Gesetze»

Die bei Yahoo eingehenden E-Mails seien seit April 2015 gescannt worden, berichtete die Zeitung. Welche Behörde aus dem Geheimdienst-Apparat dazu aufgefordert habe, könne bislang nicht geklärt werden. Yahoo erklärte in einer Reaktion zunächst lediglich, man halte sich an Gesetze der USA.

Yahoo musste aber erst kürzlich zugeben, dass 2014 die Profil-Informationen von mindestens 500 Millionen Nutzern durch Hacker erbeutet worden waren.

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Yahoo liest Mails für Geheimdienst mit

0:16 min, aus Tagesschau am Mittag vom 5.10.2016

Die jüngsten Berichte wären die erste Bestätigung aus der Branche für ein flächendeckendes Durchleuchten von Informationen in Echtzeit – auch wenn dies nicht von einem Geheimdienst, sondern vom Unternehmen selbst ausgeführt worden sei.

Der damalige Yahoo-Sicherheitschef Alex Stamos und mindestens ein weiterer Manager hätten das Unternehmen verlassen, weil sie mit dem Einlenken ohne Gegenwehr nicht einverstanden gewesen seien, schrieb die «Washington Post». Stamos arbeitet jetzt bei Facebook. Er baute dort die Verschlüsselung deutlich aus.

NSA-Enthüller Edward Snowden hatte im Juni 2013 berichtet, der US-Abhördienst habe einen weitreichenden Zugriff auf Informationen bei Internet-Unternehmen. Die Konzerne betonten daraufhin wiederholt, es gebe keinen Generalzugang, und sie rückten Daten nur auf richterliche Anordnung heraus.

Google, Microsoft und Apple streiten ab

Auch nach den neuen Berichten versicherten unter anderem Google, Microsoft und Apple, sie hätten solche Geheimdienst-Forderungen nicht hingenommen. «Wir haben nie eine solche Anfrage erhalten – und wenn das passiert wäre, hätten wir einfach geantwortet: ‹Auf keinen Fall›», sagte ein Google-Sprecher. Von Apple hiess es, man habe nie Anfragen dieser Art erhalten. «Wenn wir eine bekämen, würden wir uns vor Gericht dagegen wehren.»

Microsoft erklärte der «Washington Post», der Konzern habe nie heimlich den E-Mail-Verkehr gescannt. Microsoft verklagte vor einigen Monaten die US-Regierung, um sich das Recht zu erstreiten, Nutzer über Anfragen von Sicherheitsbehörden informieren zu dürfen.

Heikles Thema

Anfragen mit Bezug zur nationalen Sicherheit sind in den USA geheim, und allein sie zu bestätigen, ist strafbar. Nach den Snowden-Enthüllungen handelten die Internet-Unternehmen. Sie erreichten zumindest das Recht, Zahlen zu Anfragen mit Bezug zur nationalen Sicherheit in einer Zeitspanne nennen zu dürfen.

Yahoo hatte sich bereits 2007 erfolglos vor Gericht gegen eine Überwachungs-Aufforderung nach dem Gesetz zur Auslandsaufklärung gewehrt. Damals war von dem Unternehmen verlangt worden, E-Mail-Profile ohne richterlichen Beschluss zu durchsuchen. Details des Falls sind nach wie vor unter Verschluss.