Zahlreiche Tote bei schweren Gefechten in der Ostukraine

Bei einem «Anti-Terror-Einsatz» seien laut dem ukrainischen Militär mindestens 150 Aufständische getötet worden. Damit wolle die Führung in Kiew vor Verhandlungen über eine neue Waffenruhe militärisch Fakten schaffen, meint SRF-Korrespondent Peter Gysling.

Ein Radschützenpanzer mit Ukrainischen Soldaten

Bildlegende: Ukrainische Soldaten am 3. Juli nahe Slaviansk in der Ostukraine, von wo bereits Tausende geflüchtet sind. Reuters

Parallel zum Ringen um eine Waffenruhe hat es bei schweren Gefechten in der Ostukraine nach Angaben der Regierung erneut viele Tote gegeben. Durch Luftschläge und Artilleriefeuer seien sechs Stellungen pro-russischer Separatisten zerstört worden.

Der Ort Nikolajewka sei vollständig von den Truppen eingeschlossen, teilte ein Sprecher des «Anti-Terror-Einsatzes» in Kiew mit. Mindestens 150 Aufständische seien getötet worden. Auch zwei Soldaten seien ums Leben gekommen, hiess es.

Rund drei Monate nach Beginn des «Anti-Terror-Einsatzes» kontrolliere die Armee derzeit 23 von 36 umkämpften Bezirken. «Ich habe den Eindruck, die ukrainische Armee will vor Beginn einer neuen Waffenruhe militärisch Fakten schaffen und die Separatisten schwächen», sagt SRF-Korrespondent Peter Gysling in Moskau. Dies verschärfe die Lage zusätzlich.

Vorwürfe wegen Waffenlieferungen

Der ukrainische Vizeregierungschef Wladimir Groisman sprach von «intensiven Gesprächen» über eine mögliche Feuerpause. Gleichzeitig warf die Führung in Kiew Moskau erneut vor, Nachschub für die Aufständischen über die ukrainische Grenze nicht zu verhindern. Allein im Gebiet Lugansk würden die militanten Gruppen mittlerweile über mindestens 20 Panzer und mehr als 120 Panzerfahrzeuge verfügen, sagte Juri Stez von der Nationalgarde in Kiew.

Der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin warf seinerseits dem Westen die Versorgung der Ukraine mit Waffen vor. Es gehe vor allem um früheres sowjetisches Kriegsgerät, das in Arsenalen osteuropäischer Nato-Mitglieder lagere, sagte Rogosin. Es sei ganz typisch für die Nato, dass sie stets Öl ins Feuer giesse, kritisierte er.

Das Bündnis hatte mehrfach Waffenlieferungen für die Ukraine ausgeschlossen. Sehr wohl aber könnten einzelne Mitgliedstaaten Militärhilfe leisten.

«Unkontrollierbare» Verhandlungspartner

Für eine friedliche Lösung sei es dagegen unabdingbar, dass sich Russland vom bewaffneten Widerstand unmissverständlich abgrenze, sagt SRF-Korrespondent Gysling. Russland hatte sich in Vierergesprächen mit der Ukraine, Deutschland und Frankreich zuletzt für Friedensverhandlungen ausgesprochen. Die Seiten hatten am Dienstag in Berlin einen neuen Versuch vereinbart, eine

Waffenruhe auszuhandeln. Dazu soll bis spätestens am Samstag die Kontaktgruppe zusammenkommen. «Es gibt noch keinen Termin für die Kontaktgruppe, obwohl morgen Frist ist», sagte ein Kremlsprecher. Alles werde inzwischen innerhalb Stunden entschieden.

Angesichts der schweren Gefechte sei ein Waffenstillstand so schnell nicht zu erwarten, sagt SRF-Korrespondent Gysling. Die Schwierigkeit liege in der Verschiedenartigkeit der Partner, die eine solche Waffenruhe vereinbaren müssten. Wenn die ukrainische Regierung mit einzelnen selbsternannten Kommandanten des ostukrainischen Widerstandes verhandelten, fühlten sich nicht alle Kämpfer in die Verhandlungen miteingebunden. Diese seien zudem teilweise «eigenmächtig und unkontrollierbar».

Russisches Militärmanöver

20 Kriegsschiffe und 20 Jagdbomber und Hubschrauber seien im Einsatz, teilte das russische Verteidigungsministerium am Freitag der Agentur Interfax zufolge mit. Geplant seien auch Tests von Marschflugkörpern. Bei dem Manöver soll die Vernichtung eines Gegners geübt werden, hiess es.

UNO: Menschenrechte einhalten

Die UNO hat die Gegner im Ukraine-Konflikt aufgefordert, die Menschenrechte einzuhalten und das Recht auf Leben zu respektieren. Seit dem Ende der Waffenruhe am 30. Juni seien in der Ostukraine zahlreiche unbeteiligte Menschen im Kreuzfeuer getötet worden, erklärte UNO-Menschenrechts-Kommissarin Navi Pillay am Freitag in Genf.