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Zehn Jahre Staat Kosovo Zwischen Euphorie und Kater

Vor zehn Jahren unterschrieb Präsident Hashim Thaçi die Unabhängigkeitserklärung. Nun wird mit Rita Ora gefeiert.

Legende: Video 10 Jahre Unabhängigkeit abspielen. Laufzeit 1:11 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.02.2018.

Der Soundcheck auf dem Skanderbeg-Platz übertönte alles in der Stadt: Die Musik der Strassencafés, die schwarzen Vögel, die ausgelassene Stimmung auf dem verstopften Mutter-Teresa-Boulevard. Am Samstagabend singt die britisch-kosovarisch Sängerin Rita Ora zu Ehren der Unabhängigkeit Kosovos.

Unabhängig, aber gescheitert?

Die Festlaune überstrahlt für einen kurzen Moment die Sorgen des jungen Staates: Viele, besonders junge, gut ausgebildete Leute wollen weg. Die Schweiz ist noch immer ein Sehnsuchtsort. Fehlende Jobs und Abhängigkeiten von starken Männern in allen Bereichen des Lebens behindern die persönliche Entfaltung der jungen Generation.

Dies betrifft insbesondere auch die politische Szene: Ehemalige Kommandanten der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK besetzen die Staatsspitze – allen voran Präsident Hashim Thaçi. Im Interview mit SRF betont er allerdings mit Nachdruck, Kosovo sei kein gescheiterter Staat: «Das trompeten nur das russische ‹Sputnik›-Portal oder Belgrad heraus.»

Legende: Video Kosovo – unabhängig, aber gescheitert? abspielen. Laufzeit 7:45 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.02.2018.

Hindernis Ethno-Nationalismus

Serbien anerkennt die Unabhängigkeit Kosovos nicht, hat aber unter EU-Schirmherrschaft Normalisierungsabkommen mit der Regierung abgeschlossen. Polit-Beraterin Luljeta Aliu ist vor zehn Jahren nach Kosovo zurückgekehrt. Was Kosovo in den letzten zehn Jahren trotz aller Probleme erreicht habe, findet sie beachtlich, sagt sie gegenüber 10vor10: «Wir sind erst seit zehn Jahren ein eigener Staat.» Ein grosses Hindernis sei der Einfluss Serbiens auf Kosovo.

Er sieht die Chance Kosovos in der Bildung: Arben Hajrullahu hat in Wien promoviert und ist heute Professor an der Universität Pristina. Ein streitbarer Gelehrter, der auch seine Studierenden herausfordert: «Das Hindernis in dieser Region sind sowohl der serbische- als auch der albanische Ethno-Nationalismus.»

Do it yourself, Kosovo!

Hajrullahu organisiert ein akademisches Austauschprogramm der Universität Fribourg: «Eine Win-Win-Situation: Kosovaren kommen als Intellektuelle und nicht als Arbeitskräfte. Schweizer lernen die Heimat der grossen kosovarischen Diaspora kenne.» Im Mai besuchen Studenten aus der Schweiz ihre Kommilitonen in Pristina. Nächtelange Diskussionen sind vorprogrammiert.

Legende: Video Hajrullahu: «Die Schweiz sollte im Bildungsbereich viel mehr machen» abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Vom 17.02.2018.

Vllaznim Xhiha hat wohl als erster Kosovare überhaupt an der ETH in Zürich studiert. Kürzlich verkauft er sein Technologieunternehmen für 170 Millionen. Jetzt investiert er sein Geld in die Ausbildung von Kindern. Sie lernen in der Stadt Gjakova im Westen Kosovos den Bau von Robotern und 3D-Druckern. Seine Technologie-Plattform heisst Bonevet: Mach es selber! Der Name ist Programm: Nimm Dein Glück selber in die Hand statt zu jammern! Do it yourself, Kosovo!

Serbische Protestnote

Am Wochenende hat der serbische Aussenminister Ivica Dačić bekanntgegeben, das afrikanische Land Burundi habe die Anerkennung Kosovos zurückgezogen. Gleichzeitig erhielt die Karibik-Insel eine Protestnote aus Belgrad «über den erstaunlichen Akt, den sogenannten Staat Kosovo anzuerkennen». Serbien wird aber wohl noch in diesem Jahr über den eigenen Schatten springen: Brüssel verlangt für die EU-Integration, dass Belgrad Kosovo als selbständigen Staat akzeptiert.

Legende: Video «Jedes Kind ist ein Talent» abspielen. Laufzeit 2:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.02.2018.
Grafik zeigt Fakten zum Kosovo

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Ohne die hunderttausenden Auslandskosovaren die ein Teil ihrer üppigen Sozialhilfegelder in den Kosovo überweisen wäre dieser Staat schlicht nicht überlebensfähig.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      Danke Mm.Calmy -Rey Ihre voreilige Anerkennung von Kosovo hat bis anhin nur gekostet und Aerger gebracht,nicht sehr hilfreich... Warum drängt es unsere Bundesräte/innen ihre Unterschrift unter Dokumente und Verträge zu setzen oft ohne sich der Konsquenzen voll bewusst zu sein ?
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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Welchen positiven Aspekt kann man diesem Staat überhaupt abgewinnen? Trotz milliarden schweren Hilfszahlungen westlicher Staaten ist es Kosovo nicht gelungen eine nachhaltige wirtschaftliche Infrastruktur aufzubauen. Korruption, hoher Machteinfluss der albanischen Mafia, zweifelhafte Figuren in der Regierung, keine Perspektiven für junge fähige Bewohner. Dieser Staat ist am Scheitern, wenn kurzfristig keine radikalen positiven Veränderungen stattfinden.
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    1. Antwort von SRF News
      SRF hat in der „Rundschau“ vom 14.2.18 ausführlich über die Vorwürfe an die Staatsspitze berichtet - und Xhavit Haliti, dem starken Mann hinter dem Präsidenten, kritische Fragen gestellt: https://www.srf.ch/news/international/zehn-jahre-unabhaengigkeit-die-jungen-europaeer-von-kosovo?ns_source=srf_app
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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Solange die Schweiz als beste Ausweichstation benutzt werden kann, bleibt dieser Staat ein Misserfolg und kommt keinen Schritt weiter. Unsere Altbundesrätin mach kontraproduktive Arbeit.
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