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International Zehntausende Podemos-Anhänger protestieren in Madrid

Die spanische Linkspartei Podemos stellt sich zu Tausenden beim «Marsch für Veränderung» gegen die Sparpolitik der Regierung. Podemos («Wir können») will bei den Parlamentswahlen im November erfolgreich wie die griechische Syriza an die Macht kommen.

Älterer Mann skandiert mit erhobener Faust.
Legende: Tausende Menschen aus ganz Spanien skandieren auf dem Platz Puerta del Sol in Madrid für einen politischen Wechsel. Keystone

In Madrid sind zehntausende Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos gegen die Sparpolitik der Regierung auf die Strasse gegangen. Demonstranten beim «Marsch für Veränderung» trugen Transparente mit Slogans wie «Allgemeines Grundeinkommen» und «Ticktack, Ticktack, die Stunde der Veränderung ist da».

«Die Zeit der Wende ist gekommen, das ist Demokratie», sagte Parteiführer Pablo Iglesias auf dem überfüllten Platz Puerta del Sol im Zentrum der Hauptstadt.

Legende: Video «Spanier protestieren gegen Sparpolitik» abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.01.2015.

Unter dem Jubel seiner Anhänger warf der 36-jährige Politologieprofessor der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy vor, mit der Sparpolitik «Elend» zu schaffen. Das sei «Betrug am Volk». Teilnehmer skandierten Parolen wie «Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden!» oder «Ja, wir schaffen es!»

Laut Podemos wurden 260 Busse gemietet, um die Anhänger aus dem ganzen Land nach Madrid zu bringen. Hunderte Einwohner meldeten sich, um Demonstranten für die Nacht zu beherbergen.

Podemos will es griechischer Syriza gleich tun

Die erst vor einem Jahr gegründete linkspopulistische Partei Podemos («Wir können») will bei den Parlamentswahlen im November den gleichen Erfolg wie Syriza in Griechenland erreichen und an die Regierungsmacht kommen. Podemos-Führer Pablo Iglesias unterstützte denn auch während des Wahlkampfs in Griechenland den Vorsitzenden der Schwesterpartei Syriza, Alexis Tsipras.

Podemos war im Januar 2014 aus dem Protest der «Indignados» (Empörten) hervorgegangen und hat sich erst Mitte November formell als Partei gegründet.

Politische Macht in Griffnähe

Ebenso wie Syriza in Griechenland lehnt Podemos die Spar- und Reformpolitik in Spanien strikt ab, zu der sich die Regierungen in Madrid und Athen verpflichtet haben, um Gelder der internationalen Kreditgeber zu erhalten. Bei der Europawahl im Mai stimmten bereits 1,2 Millionen Spanier (acht Prozent) für Podemos, die fünf Mandate im Europäischen Parlament eroberte.

Legende: Video «Podemos auf der Puerta del Sol in Madrid» abspielen. Laufzeit 0:52 Minuten.
Vom 31.01.2015.

Inzwischen liegt Podemos in einigen Umfragen für die spanischen Parlamentswahl im November vor der regierenden konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy und vor der oppositionellen Sozialistischen Partei (PSOE) in Führung.

Rajoy warnte die Spanier eindringlich davor, «russisches Roulette» zu spielen, indem sie für Podemos stimmten, das ihnen «die Sterne vom Himmel verspricht», seine Versprechen aber nicht halten könne.

Dauerproblem Arbeitslosigkeit

Zwar hat Spanien die Rezession überwunden und die Wirtschaft ist laut vorläufigen Daten vom Freitag im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gewachsen, doch ist noch immer fast jeder Vierte arbeitslos.

Besonders unter der Jugend hat die Arbeitslosigkeit dramatische Ausmasse. Die Löhne sind während der jahrelangen Krise zurückgegangen, während die Zahl der Angestellten mit gering bezahlten befristeten Verträgen stark gestiegen ist.

5 Kommentare

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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Spanien leidet länger als Griechenland unter den strengen Auflagen der EU. Laut angewandtem Neoliberalismus, nur Privates funktioniert gut, wurden gut funktionierende Betriebe und Infrastruktur zerstört. Fast alles wurde an die Geldgeber verschachert, hauptsächlich private Banken und Privatinvestoren, die ihre Vorstellungen von globalem Wachstum und Verschuldung gierig verfolgten. Ausser in den Baubranchen, wurden keine neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Mut der Griechen ist zurecht ansteckend.
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  • Kommentar von M. Pestalozzi, Zürich
    Dass Länder oder "failed countries" interne Probleme auf andere Staaten abwälzen, wird immer mehr zum Trend. Leider wird meistens in die gleiche Richtung gewälzt (zum Sündenbock im "bösen Westen"). Dadurch verstärkt sich die Ungleichheit und die Abhängigkeit, Weiterentwicklungen werden blockiert und interne Reformen verschieben sich auf den Sankt Nimmerleinstag. Ich kann ja wirklich nur hoffen, dass ich mich irre.
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Gemäss Oxfam werden 2015/16 1%, 99% des gesammten Vermögens besitzen. Kein Wunder fangen die Leute an gegen die Umverteilung von unten nach oben massiv zu protestieren.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Schaut man in der Geschichte der Menschheit zurück, war Auslöser von Revolutionen schon immer die ungerechte Verteilung von Vermögen. Fazit: Heute handelt man nicht klüger als früher, weil Motto immer noch ist: "Man nehme es den Armen & gebe es den Reichen.". Unter Sparzwang & Reformen leiden immer nur die ärmeren Menschen. Da darf es nicht wundern, wenn sie auf die Strasse gehen.
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    2. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Waeden: Nanana, sind Sie jetzt bei den Linken gelandet? Wie dem auch sei, diese Bewegung ist mir auch nicht unsympatisch, solange sie dem Rassismus keine Chance gibt.
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