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International Zehntausende trauern um Boris Nemzow

Nach dem Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow haben sich in Moskau Zehntausende zu einem Trauermarsch formiert – bewacht von einem Grossaufgebot an Sicherheitskräften.

Legende: Video «Trauermarsch in Moskau» abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.03.2015.

Menschen allen Alters, viele von ihnen mit Rosen und Nelken in den Händen haben sich in der Innenstadt von Moskau versammelt. Zehntausende wollen in Gedenken an den Ex-Vizeregierungschef Boris Nemzow einen Trauermarsch abhalten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort.

Auf Plakaten sind Aufschriften zu sehen wie «Ich fürchte mich nicht», aber auch «Ich fürchte mich – wer ist der Nächste?». Die Stadtverwaltung hatte eine Kundgebung mit bis zu 50'000 Menschen genehmigt. Gekommen sind laut einem der Organisatoren 70'000, die Polizei dagegen sprach von lediglich 16'000.

Der von dem Oppositionsführer und Ex-Regierungschef Michail Kasjanow organisierte Marsch soll auch über die Grosse Moskwa-Brücke am Kreml führen, wo Nemzow am späten Freitagabend mit vier Schüssen in den Rücken ermordet worden war. Die Tat löste international Trauer und Entsetzen aus. Am Tatort legten viele trauernde und weinende Menschen Blumen und Heiligenbilder nieder.

In der zweitgrössten russischen Stadt St. Petersburg versammelten sich nach Schätzungen der Nachrichtenagentur AFP mindestens 6000 Demonstranten im Gedenken an Nemzow.

Leichnam wird aufgebahrt

Ursprünglich hatte die Opposition für Sonntag eine Grosskundgebung gegen die Ukraine-Politik von Präsdient Wladimir Putin geplant, diese wurde nach Nemzows Ermordung abgesagt.

Nach der Trauerkundgebung in Moskau wird der Sarg mit dem Leichnam des Politikers im Sacharow-Menschenrechtszentrum aufgebahrt werden. Dort sollen die Menschen nach russisch-orthodoxem Brauch am Dienstag Abschied nehmen können vom früheren Vize-Regierungschef. Anschliessend ist die Beisetzung auf dem Prominentenfriedhof Trojekurowo geplant.

Legende: Video «Neue Hinweise zum Mord an Putin-Kritiker Nemzow» abspielen. Laufzeit 1:38 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 01.03.2015.

Hinweise, aber noch keine Spur

Nemzow war am späten Freitagabend nur wenige Meter vom Kreml entfernt auf offener Strasse hinterrücks erschossen worden. Vom Täter fehlt seitdem jede Spur. Sowohl die Polizei als auch der Kreml gehen von einem Auftragsmord aus.

Fernsehberichte, wonach Ermittler das Fluchtauto gefunden hätten, wies die nationale Ermittlungsbehörde in der Zwischenzeit zurück. Der TV-Sender Rossija 24 hatte zuvor ein weisses Fahrzeug mit einem Nummernschild der Teilrepublik Inguschetien gezeigt, die im islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt. Die Polizei ermittelt in verschiedene Richtungen, jedoch nicht in alle, wie SRF-Korrespondent Christof Franzen bemerkt.

112 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Hat sich jemand Mühe gemacht, festzustellen welche Parteien und Organisationen an diese Demo dabei waren? Es Waren unteranderen, Kommunisten von Zirinovski wie verschiedene Rechtsextreme Organisationen. Es ist schwer zu sagen wie viele Prowestliche Demonstranten dabei waren?
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wie kann man nur nach den Erfahrungen mit dem Irakkrieg die kriegstreibende Propagandamaschinerie des Westens nicht erkennen, welche da mit voller Wucht betrieben wird? Je mehr Menschen dies erkennen und dieser nicht folgen, desto weniger wahrscheinlich wird ein Krieg gegen Russland. Aber seit einem Jahrt nähert man sich immer mehr einer solchen Situation. Dass sollten sich alle bewusst sein, welche im Chor der westlichen Propaganda einstimmen. Und man kann dagegen sein, ohne für Putin zu sein!
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  • Kommentar von sven Golopp, Freiburg
    Doppelmoral vom Feinsten ! Alle, die das russische System und den damit verbunden Konsequenzen bzgl Meinungsfreiheit für gut erachten, treten eigentlich die Vorstellung von demokratischen Werte mit Füßen und davon ist Putin wesentlich mehr entfernt als Amerika.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Auch Sie denken nur in entweder man ist für Putin oder gegen ihn und dann ist man automatisch für USA oder gegen die USA. Man kann aber auch weder-noch sein oder sowohl als auch! Und alle Schattierungen dazwischen sind auch möglich. Leider zeichnet sich die Anti-Putin-Hetze durch besonders eindimensionales Denken aus. Mit ein bisschen Logik und gesundem Menschenverstand hält man ja diese auch gar nicht aus und erkennt, wie hohl diese ist.
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    2. Antwort von sven Golopp, Freiburg
      Wie wollen Sie ohne Verbündete in dieser zunehmenden globalen Weltwirtschaft einen Staatsüberschuss erreichen? Wieder Grenze um die Schweiz und Schotten dicht? Na dann Prost Genosse !
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