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International Zentralafrika: «Es geht darum, möglichst grausam zu töten»

Seit Wochen zeugen verstörende Bilder aus Zentralafrika von einem äusserst brutalen Konflikt zwischen christlichen und muslimischen Milizen. Menschen werden abgeschlachtet, Zehntausende sind auf der Flucht. Doch nicht die Religion, sondern wirtschaftliche Gründe sind die Wurzeln der Unruhen.

Ein kleiner Junge sitzt auf einem Stuhl. Er hat beide Beine verloren.
Legende: Die Muslime leiden in Zentralafrika unter Verfolgung und Gräueltaten. Menschenrechtler nennen es «ethnische Säuberung». Keystone

Täter schneiden ihren Opfern Nasen, Ohren oder Brustwarzen ab, Menschen werden geköpft – so etwas passiert derzeit in der Zentralafrikanischen Republik, jeden Tag.

SRF-Korrespondent Patrik Wülser war vor Ort und weiss: Es reicht den Kämpfern nicht, zu morden – es muss auch so grausam wie möglich sein. Das bestätigten ihm Ärzte in der Hauptstadt Bangui. Die Waffen dazu: Macheten, Messer, Pfeil und Bogen.

Muslime auf der Flucht

Die Unruhen entspringen einem Zyklus von Rebellion und Gegenrebellion. Im März 2013 hatten muslimische Seleka-Rebellen den christlichen Präsidenten François Bozizé gestürzt und als Nachfolger Michel Djotodia an die Macht gebracht, den ersten muslimischen Präsidenten in der Geschichte des Landes. Dieser löste die Seleka offiziell auf, doch die Gewalt – vor allem gegen die christliche Mehrheit im Land – nahm weiter zu.

Als Gegenbewegung formierten sich die christlichen Anti-Balaka-Milizen. Sie begannen ihre Vergeltungsschläge gegen die Seleka. Seither werden die Muslime gezielt verfolgt und getötet – ob sie nun Rebellen sind oder nicht.

Mit dem Morden kommt der Hunger

Der Konflikt lässt sich aber nicht auf Spannungen zwischen Christen und Muslimen reduzieren, wie Wülser betont. Die Leute seien seit Jahrzehnten miteinander ausgekommen, religiöse Konflikte hätten in dem Land bislang keine Rolle gespielt. Vielmehr die Unterentwicklung der ländlichen Gebiete sowie die Vernachlässigung bestimmter Regionen sind die Ursache. Menschengruppen fühlen sich benachteiligt. Sie hätten nichts mehr zu verlieren und liessen sich mobilisieren, so Wülser. Die Religion wird für politische Ziele missbraucht.

Patrik Wülser
Legende: Patrik Wülser berichtet seit 2011 für das Schweizer Radio und Fernsehen aus Afrika. SRF

Die Muslime sind in Zentralafrika traditionell Händler und Geschäftsleute, während der Grossteil der Christen vom Ackerbau lebt. Nun sind die Muslime auf der Flucht, der Lebensmittelhandel liegt brach. Die Leute hätten nichts mehr zu essen, so Wülser.

Friedenstruppen reichen bei weitem nicht

Die Europäer wollen mit verstärktem Einsatz das Blutvergiessen stoppen. Frankreich hat bereits 1600 Soldaten in dem Krisenland stationiert. Zudem sind über 4000 afrikanische Blauhelmsoldaten vor Ort.

Doch das Land ist so gross wie Frankreich, gibt Wülser zu bedenken – ein Regenwaldgebiet, ohne asphaltierte Strassen. Ruhe in das Land zu bringen, sei mit 5000 bis 7000 Mann eine unmögliche Aufgabe. Hierfür bräuchte es wohl 30‘000 bis 40‘000 Soldaten.

Reichtum des Landes nur für Elite

Zentralafrika ist reich an wertvollen Rohstoffen und dennoch bitterarm. Für die Bevölkerung scheinen die Bodenschätze eher ein Fluch als ein Segen. So berichtet Wülser: «Da steht man in einem Zelt der Unicef, umgeben von hungernden Kindern, die teilweise nicht einmal mehr die Kraft haben zu schreien und mit Sonden ernährt werden – und man weiss, man steht auf einem Boden, in dem ein Vermögen steckt. Ein Vermögen, mit dem man die Leute wunderbar ernähren könnte.» Doch die Gelder fliessen zu einer kleinen Elite ab. Diese schaut für ihren Clan, für ihre Ethnie. Aber nicht für die Allgemeinheit.

Dennoch gebe es Hoffnung, meint Wülser. Die Menschen ertragen die Situation mit Optimismus und Würde, man hilft sich gegenseitig. «Die Leute scheinen viel resistenter, als wir in Europa.»

Verschiedene Religionen

Rund 50 Prozent der 4,5 Millionen Zentralafrikaner sind Christen, etwa 10 bis 15 Prozent sind Muslime. Daneben gibt es Anhänger der indigenen Glaubensrichtungen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Die Geburt des Menschen ist die Geburt seiner Not.Weniger Geburten,weniger Not.Freuen wir uns mächtig auf unsere Wiedergeburt.Wer weiss wo wir landen werden.In Samsara,dem Ozean des Leidens und der Wiedergeburt.
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Wer ist denn die Elite in Afrika ? Ich glaube, die die mit den ausländischen Investoren tanzen. Ich finde immer noch, dass man heute international die grössten Anstrengungen machen muss, damit die Muslims und die Christen eigene ganz klar abgegrenzte Gebiete zugeteilt erhalten. Es muss doch jedermann sehen, dass es sonst nicht aufhört, bis der Letzte einer der beiden Religionen nicht mehr lebt. Afrika wäre ohne die Einmischung der restlichen Welt sicher der wunderbarste Kontinent geworden.
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  • Kommentar von Marlene Zelge3r4, 6370 Stans
    Was da abgeht, lässt sich kaum in Worte fassen. Wer hat dieses bedauernswerten Kind derart grausam verstümmelt? War es ein Muslim oder ein Christ? Es dünkt mich merkwürdig: Jetzt, da auch die Christen an den Muslimen grausame Bluttaten verüben, schrecken die Medien auf. Aber wurden und werden den grausamen Mordtaten und Folter von Muslimen an Christen auch so viel Aufmerksamkeit geschenkt????
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @M. Zelger: Ich bin Ihrer Meinung. Ueber die Masaker an Christen in Nigeria hört man leider sehr viel weniger, obwohl die meist noch blutiger und mind. so grausam sind. Ich bin sehr froh, dass wenigstens die franz. Armee schnell reagierte, nicht wie die UN in diesem Fall.
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