Zentralafrikanische Republik: Neuer Präsident will Frieden

Am Wochenende hat die Rebellenallianz Sékéla in der Zentralafrikanischen Republik die Macht an sich gerissen und den amtierenden Präsidenten vertrieben. Der Rebellenführer Michel Djotodia hat sich zum neuen Präsidenten ernannt. Sein Ziel: Demokratische Wahlen und Frieden im Land.

In Europa weiss fast niemand, wo Zentralafrika liegt. Das Land kommt selten in die Schlagzeilen. Vor Jahrzehnten tauchte das Land kurz in den Medien auf. Es war wegen eines verrückten Kaisers, der angeblich Kannibale war. 1979 wurde Kaiser Bokassa I. gestürzt. Seither geriet das Land wieder in Vergessenheit. Ruhig war es im Land trotzdem nicht.

Umsturz nach Umsturz

Die aktuelle Machtübernahme der Rebellen der Séléka im Land reiht sich in eine lange Reihe von Umstürzen, Revolten und Putschversuchen ein, welche die Zentralafrikanische Republik seit ihrer Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich 1960 erlebt hat.

Ein dunkelhäutiger Mann mit Turban.

Bildlegende: Zentralafrikanische Republik: Rebellenchef Michel Djotodia hat sich zum Präsidenten ernannt. Keystone

Rebellenchef Michel Djotodia hat sich am Montagmittag zum neuen Staatschef ernannt. Innerhalb von drei Jahren will er freie Wahlen durchführen, sagte er gegenüber Radio France International. «Das ist nicht mein Sieg. Die Bevölkerung in der Zentralafrikanischen Republik muss wieder in Frieden vereinigt werden. Ohne Frieden kann man gar nichts machen.»

Es sei daher sein Ziel, den Frieden im Staat wiederherzustellen. Auch die Autorität des Staates und seiner Institutionen wolle er wieder gewährleisten. Und: «Dann werden wir die Wirtschaft wieder zum Blühen bringen», verspricht er.

Immer wieder Gefechte

Auch Präsident Francois Bozizé – seit gestern offenbar im Exil in Kamerun – war vor zehn Jahren selbst durch einen Aufstand an die Macht gekommen. Auch während seiner Amtszeit gingen bewaffnete Kämpfe im Land weiter. Vor allem im Norden der Zentralafrikanischen Republik lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen immer wieder Gefechte. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass eine Million Menschen von den Auseinandersetzungen betroffen sind. Hunderttausende sind deshalb geflüchtet.

Tiefe Lebenserwartung

Die knapp fünf Millionen Einwohner der Zentralafrikanischen Republik haben mit einer Unzahl von Problemen zu kämpfen. Krankheiten wie Aids oder Malaria sind weit verbreitet, die Lebenserwartung liegt bei knapp über 40 Jahren. Die Mehrheit der Bevölkerung kann nicht schreiben oder lesen, Kinderarbeit ist die Regel, die Wirtschaft im eigentlich rohstoffreichen Land ist kaum entwickelt, asphaltierte Strassen sind die Ausnahme.

Die einen sehen die fehlende Demokratie als Ursache für die aktuelle politische Krise, andere sehen ethnische Ursachen. Wie viele Länder Afrikas ist auch die Zentralafrikanische Republik gespalten durch die Kämpfe zwischen verschiedenen Interessen, die oft als ethnische Gegensätze deklariert werden. Oft geht es dabei um Geschäftsinteressen.

Export von Diamanten

Die Zentralafrikanische Republik exportiert pro Jahr Diamanten im Wert von rund 50 Millionen Dollar. Mindestens 30 Prozent der Rohdiamanten werden angeblich ohne Zertifikat aus dem Land geschmuggelt. Ein interner Bericht einer Menschenrechtsorganisation nennt das Land im Herzen Afrikas ein Jagdrevier für bewaffnete Rebellengruppen, Regierungssoldaten und Banditen. Denn trotz seiner Bodenschätzen gehört die Zentralafrikanische Republik zu den ärmsten Ländern der Welt.