Zum Inhalt springen

International Zerreissprobe in der Ukraine

Während in zahlreichen Städten der Süd- und Ost-Ukraine prorussische Demonstrationen stattfanden, versammelten sich am Sonntag in Kiew mehrere Zehntausend prowestliche Ukrainer. Zu ihnen sprach auch Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski.

Legende: Video Prorussische und prowestliche Demonstrationen abspielen. Laufzeit 1:35 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 09.03.2014.

In mehreren Grossstädten der Süd- und Ostukraine haben am Sonntag Tausende prorussische Demonstranten ein Referendum wie auf der Krim verlangt. Im östlichsten Verwaltungsgebiet Lugansk stürmten Aktivisten den Sitz der Regionalregierung und erklärten den Gouverneur für abgesetzt. Demonstranten seien in Bussen aus Russland über die nahe Grenze zu der Kundgebung gefahren, berichteten örtliche Medien.

In der Industriemetropole Donezk, der Heimat des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch, verlangten etwa 1500 Demonstranten unter russischen Fahnen die Loslösung von Kiew, wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete.

Auch in der wichtigsten Hafenstadt des Landes, Odessa, forderten einige Tausend Demonstranten mehr Rechte für die Regionen und ein Referendum über den aussenpolitischen Kurs des Landes. Im ostukrainischen Charkow, der zweitgrössten Stadt des Landes, demonstrierten dagegen etwa 10'000 Menschen mit einer riesigen ukrainischen Fahne für die Einheit des Landes.

Kreml-Kritiker Chodorkowski in Kiew

Derweil versammelten sich auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiew mehrere Zehntausend Ukrainerinnen und Ukrainer zu einer prowestlichen Kundgebung. Dort trat auch der erst kürzlich aus russischer Lagerhaft entlassene Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski auf. Er rief Russen und Ukrainer zum Einlenken im Krim-Konflikt auf. Für Ukrainer und Russen existiere nur der «einheitliche Weg der europäischen Entwicklung».

Die frühere ukrainische Regierung sei mit Einverständnis Russlands brutal gegen Regierungsgegner vorgegangen, sagte der frühere Öl-Manager. «Etwa 100 Tote und rund 5000 Verletzte. Ich könnte weinen – es ist so furchtbar», sagte Chodorkowski weiter. Es gebe aber auch ein «anderes Russland». Viele Menschen im Riesenreich würden trotz Verboten für die russisch-ukrainische Freundschaft demonstrieren.

Chodorkowski warf Russland eine Verdrehung von Tatsachen vor. «Die russische Propaganda lügt – wie immer», sagte er. In Kiew gebe es nicht mehr Rechtsextremisten als etwa in Moskau. Er habe auf dem Maidan mit vielen Menschen gesprochen. «Sie haben nur ihre Freiheit verteidigt. Ich wünsche Euch viel Glück», sagte er.

Sanktionen der EU rücken näher

Laut dem deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier werden die EU-Sanktionen gegen Moskau verschärft, sollte Russland nicht binnen weniger Tage ein Bewegen in der Ukraine-Frage signalisieren. Dies hiesse Reisebeschränkungen und Kontensperrungen für bestimmte im Ukraine-Konflikt verantwortliche Personen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

36 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Weiler, Ostschweiz
    Arsenij Jazenjuk hat eine Stiftung (openukraine.org) auf der die Sponsoren fett vermerkt sind. Aus unerfindlichen Gründen ist die Website aus dem Verkehr gezogen worden....Chodorkowski dürfte ideologisch zum gleichen Lager gehören. Es ist schon lustig wie hier über östliche Oligarchen hergezogen wird wie wenn es das im Westen nicht geben würde. Dort heissen sie nicht Oligarchen, sondern Investment Banker, treten nicht einzeln, sondern als Firma auf und können ganze Länder in den Ruin treiben (GR
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    @O. Toneatti: Soso, die Rote Armee war also "heldenhaft". - 1. Von den angeblich 20-22 Mio. Opfern der Sowjets gegen den Faschismus müssen Sie 1 Mio. abziehen, diese wurden im Krieg gegen die Finnen geopfert. - 2. Da die "heldenhaften" Rotarmisten im Gegensatz zu den Deutschen und Finnen oft "chinesisch" kämpften, also durch wenig gedeckte Massenanstürme, betrug die Verlustquote etwa eins zu zehn. - 3. Zum Teil haben sie sich noch gegenseitig abgemurxt,. - Helden? Ein Wunschdenken!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      @Juha Stump: Wobei die Finnen schon damals an der Seite Nazi Deutschlands auf der falschen Seite der Geschichte kämpfte !!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @M. Guggisberg: Was heisst "schon damals"? "Nur damals" wäre richtig. In den Erinnerungen von Marschall Mannerheim hat er in einem speziellen Kapitel geschrieben, dass die UdSSR alles versucht habe, um Finnland in den Krieg gegen DE mit hineinzuziehen. Ob das stimmt - die Finnen griffen ja kurz nach dem 21.6.1941 an -, ist schwer zu beantworten, aber es ging vor allem darum, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Auch ich sage, dass der Einmarsch darüber hinaus ein Fehler war.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      @Juha Stump: Finnland hätte so viel für die Freiheit in Europa tun können. Olli Rehn steht heute in der EU leider auf der Seite des Unrechts. Das ist ein Fehltritt. Aber es gibt noch eine Chance, das zu ändern !!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stefan Keel, Ittigen
    Ihr westlichen Nationen, wacht auf und helft der Ukraine, indem Ihr der Diktatur des Ostens die Stirn bietet. Oder habt Ihr Euch von Sotschi blenden lassen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      @Stefan Keel: Das gibt ein böses Erwachen in den Klauen von EU und USA !!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen