Zum Inhalt springen

International «Zerstörung so gross wie im Bosnien-Krieg»

Es ist die schwerste Flutkatastrophe auf dem Balkan seit über 100 Jahren – und sie nimmt immer grössere Ausmasse an. Dutzende Menschen wurden bereits durch die Wassermassen getötet. Doch ein Ende der Katastrophe ist nicht in Sicht. In Serbien und Bosnien werden neue Flutwellen erwartet.

Legende: Video Kaum Entwarnung für Katastrophen-Gebiete in Südosteuropa abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.05.2014.

Flüsse treten über die Ufer, Häuser werden mitgerissen, Menschen sterben: Die tagelangen Regenfälle auf dem Balkan haben verheerende Folgen. Betroffen sind vor allem Bosnien-Herzegowina und Serbien.

Im Krieg haben viele Menschen alles verloren. Heute stehen sie wieder vor dem Nichts.
Autor: Zlatko LagumdzijaBosnischer Aussenminister

Allein in Bosnien mussten über 500'000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Über eine Million Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser – das entspricht mehr als einem Viertel der Bevölkerung des kleinen Balkan-Landes. Die Zerstörung im Lande sei mindestens genau so gross wie nach dem dreijährigen Bosnien-Krieg Mitte der 1990-er Jahre, meinte der bosnische Aussenminister Zlatko Lagumdzija. Und weiter: «Im Krieg haben viele Menschen alles verloren. Heute stehen sie wieder vor dem Nichts.»

Karte der Balkan-Region
Legende: Bislang kamen in den drei Ländern Kroatien, Bosnien und Serbien rund 40 Menschen durch die Fluten ums Leben. SRF

Durch Hunderte Bergrutsche und Schlammlawinen entlang des Flusses Sava wurden in Bosnien bereits grosse Teile des Ackerlandes verwüstet. Die Landwirtschaft ist das Rückgrat der bosnischen Wirtschaft.

Weitere Flutwelle soll kommen

Seit Sonntag regnet es zwar nicht mehr. Allerdings stiegen die Pegelstände der Sava weiter an. Dadurch drohen in Bosnien und Serbien weitere Überschwemmungen. In Serbien wurden neue Evakuierungen angeordnet. Millionen weitere Sandsäcke wurden entlang der Sava in Orten wie Sabac, Mitrovica, Belgrad und Obrenovac aufgestapelt. Die Regierung ordnete eine dringende Evakuierung von Sabac und Obrenovac an.

In Regionen, wo sich die Lage wieder entspannt hatte, begannen die serbischen Behörden mit den Aufräumarbeiten. Einige der betroffenen Ortschaften sind seit fünf Tagen ohne Strom und Trinkwasser.

Warnung vor Seuchen

Neben den Wassermassen lauern noch andere Gefahren: Die bosnischen Behörden warnen vor dem Ausbruch von Seuchen und vor Landminen. Bei steigenden Temperaturen könnte von Tierkadavern verunreinigtes Wasser zu Krankheiten wie Typhus oder Hepatitis führen, sagte der Leiter des Gesundheitsamts in Bosnien.

Bislang kamen bei den Fluten in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien etwa 40 Menschen ums Leben. Tagelanger Regen hatte die Überschwemmungen ausgelöst. In Tschechien und Polen hat sich die Lage in der Zwischenzeit entspannt.

EU und Schweiz leisten Nothilfe

Die EU will ihre Hilfe für die Flutopfer verstärken. EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa sagte, die Unterstützung gehe mittlerweile über das hinaus, was ursprünglich von Serbien und Bosnien-Herzegowina erbeten worden sei. 14 Staaten haben Hilfe eingeleitet. Etwa 450 Helfer aus den EU-Ländern sind bereits an Ort und Stelle.

«Die Schweiz hat übers Wochenende 50‘000 Franken an Nothilfe ans Rote Kreuz überwiesen», sagt SRF-Korrespondent Walter Müller. Die Schweizer Behörden evaluieren heute wie und wo die Schweizer zusätzlich helfen können.

Glückskette sammelt

Glückskette sammelt

Die Stiftung nimmt Spenden online und auf dem Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Überschwemmungen Europa» entgegen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.