Zoran Djindjic – Serbiens ermordeter Hoffnungsträger

Vor zehn Jahren ist Serbiens pro-westlicher Staatschef Zoran Djindjic erschossen worden. Sein Tod läutete das Ende der Hoffnungsperiode nach dem Sturz von Slobodan Milosevic ein. Heute sind die alten Nationalisten wieder an der Macht und Djindjics Anhänger von der Bildfläche verschwunden.

Zoran Djindjic am 28. September 1999 auf einem Markt in Belgrad, wo er Anhänger begrüsst.

Bildlegende: Zoran Djindjic im September 1999 auf einem Markt in Belgrad. Reuters

Die Kugel eines Scharfschützen setzte Zoran Djindjic vor zehn Jahren ein Ende. Am 12. März 2003 wurde der Philosoph und Staatschef in Belgrad erschossen. Der 50jährige zahlte mit dem Leben dafür, dass er den Autokraten Slobodan Milosevic mit einem Volksaufstand von der Macht gefegt hatte. Um Serbien aus der Isolation zu holen.

Drei Tage nach dem Anschlag vor dem Regierungsgebäude wurde Djindjic zu Grabe getragen. Zehntausende gaben ihm das letzte Geleit. Serbien war im Schock- und Ausnahmezustand, Armee und Polizei in Alarmbereitschaft. Der Todesschütze und seine Mittäter waren Sonderpolizisten und ehemalige Paramilitärs aus den Balkankriegen der 90er-Jahre. Heute sitzen sie im Gefängnis. Die politischen  Drahtzieher und Hintermänner jedoch sind unentdeckt geblieben.

Djindjic sei zu schnell vorgegangen, dies sei ihm im konservativen Serbien zum Verhängnis geworden, sagte heute rückblickend die Historikerin Olga Manojlovic-Pintar.  Der in Deutschland ausgebildete Visionär habe Probleme schonungslos benannt und Lösungen angestrebt. Zu früh und zu direkt für die Bevölkerung, die noch immer unter dem Eindruck der blutigen Kriege der 90er-Jahre gestanden habe.

Demokratische Partei hat versagt

Wohl hatte Djindjic durchgesetzt, dass Slobodan Milosevic an das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag ausgeliefert wurde. Die meisten seiner Mitstreiter und Mitläufer mussten ihren Teil der Verantwortung jedoch nie übernehmen. Heute sind sie wieder an der Macht.

Schuld daran sei vor allem die Demokratische Partei DS, – die Djindjic-Partei –  des ehemaligen Staatspräsidenten Boris Tadic, konstatiert Zarko Korac, Oppositionspolitiker und stellvertretender Parlamentspräsident. In den sieben Jahren an der Macht habe die Regierungspartei DS ihre Aufgabe nicht erfüllt und grobe Fehler gemacht. Korruption sei geduldet worden, selbst bei eigenen Regierungsmitgliedern.

Damit verspielten die selbstsüchtigen und arroganten DS-Politiker leichtsinnig das Erbe des ermordeten Zoran Djindjic. Die Quittung erhielten sie letztes Jahr, als sie an der Urne abgestraft wurden. Die Aufbruchstimmung, die Djindjic in Serbien einst ausgelöst hatte, ist vollkommen verschwunden.

Nationalist Vucic – autoritär und trotzdem beliebt

Seit sieben Monaten ist nun eine nationalistische Regierung am Werk. Sie gebärdet sich so autoritär wie einst Milosevic. Dessen ehemaliger Informationsminister Aleksandar Vucic ist heute der eigentlich starke Mann in Serbien. Als Vizeministerpräsident, Verteidigungsminister und oberster Korruptionsbekämpfer gibt er Verhaftungen bekannt, als ob er der Staatsanwalt wäre.

Vucic untergräbt laufend die schwach ausgeprägten staatlichen Institutionen, stellt beispielsweise die Unabhängigkeit der Justiz immer wieder in Frage. Dieser autoritäre Stil vertrage sich nicht mit der Demokratie, fügt  Oppositionspolitiker Korac hinzu.

Widerstand regt sich in Serbien aber nicht. Im Gegenteil: Vucic ist in der Bevölkerung sehr beliebt. Die Demokratie in Serbien sei tatsächlich in Gefahr und die Gesellschaft gelähmt, lautet die erschreckende Analyse des Verlegers Dejan Ilic. Er verlegt in Belgrad beachtete Werke zu gesellschaftlichen Transformations-Prozessen. Ilic war Demokratie-Aktivist bereits in den 90er-Jahren.

Mit dem Erbe von Djindjic

Und die Ironie der Geschichte: Die ehemaligen Kriegstreiber geben sich nun geläutert - und haben in vielen Punkten eine politische Kehrtwende vollzogen. Unter dem Druck der EU handeln sie mit der kosovo-albanischen Regierung Kompromisse aus für eine bessere Nachbarschaft. Und sie treiben Serbiens EU-Beitritt voran. Denn sie wissen, dass Serbien keine andere Wahl hat. Die Wirtschaft des Landes ist auf die Gelder aus dem Ausland angewiesen. Damit setzen sie aber letztlich in den Grundzügen die Politik von Zoran Djindjic um.