Zugang zu Wasser: UNO präsentiert nur die halbe Wahrheit

In Afrika und Südasien müssen hunderte Millionen Menschen Wasser trinken, das mit Krankheitserregern verschmutzt ist. Das sollten die sogenannten Millennium-Entwicklungsziele der UNO ändern. Zwar sagt die UNO, dieses Ziel sei erreicht worden. Ein genauer Blick aber zeigt: Leider stimmt das nicht.

Prudensiana Amani pumpt Wasser. Klar und kühl strömt es aus ihrem neuen Brunnen. Amani wohnt in Ifakara, einem abgelegenen Ort im afrikanischen Tansania. Noch vor kurzem musste Amani eine Stunde zu Fuss gehen, um Wasser zu holen. «Wasser, das mich und meine Kinder oft krank machte», sagt sie. Immer wieder sei jemand in der Familie an Durchfall erkrankt.

In Ländern wie Tansania ist das keine Bagatelle: Jeden Tag sterben weltweit 3'000 Kleinkinder an Durchfall. «Aber das ist nur eine von vielen Folgen», sagt Lauren D'Mello, eine Gesundheitsspezialistin von der lokalen Entwicklungsorganisation Msabi: «Viele Kinder leiden an chronischem Durchfall. Das führt zu Mangelernährung, Kleinwuchs, und die Entwicklung des Gehirns leidet.» Und: Menschen mit Durchfall könnten nicht so hart arbeiten, so leide die ganze Wirtschaft eines Landes.

Bereits vor drei Jahren hiess es: «Ziel erreicht!»

Dies alles soll sich ändern. Die Weltgemeinschaft hat sich das Ziel gesetzt, dass die Zahl der Menschen halbiert werden soll, die ohne sauberes Wasser auskommen müssen. Dieses Ziel wird für 2015 angepeilt, also für dieses Jahr.

Laut UNO hat das geklappt – sogar frühzeitig. Bereits vor drei Jahren verkündete Generalsekretär Ban Ki-Moon stolz, dieses so genannte Millenniums-Entwicklungsziel für Wasser sei bereits erreicht worden: 2,6 Milliarden Menschen mehr als 1990 hätten nun Zugang zu sauberem Wasser. Etwa weil in ihrer Nähe ein neuer Brunnen gebohrt wurde, so wie bei Prudensia Amani in Ifakara.

Wasserqualität ist entscheidend

Doch viele Fachleute zweifeln diese Zahlen an. Zum Beispiel Agnes Montangero von der Entwicklungsorganisation Helvetas: «Man muss auch schauen, was genau gemessen wurde mit diesem Millennium-Entwicklungsziel», stellt sie klar. Gemessen wurde nämlich der Zugang zu einem Wasserversorgungssystem, zum Beispiel zu einem Brunnen. «Doch das heisst noch lange nicht, dass das Wasser aus dem Brunnen auch sauber ist.»

«  Es gibt Statistiken, die zeigen, dass 1,8 Milliarden Menschen Wasser aus einer kontaminierten Quelle trinken. »

Agnes Montangero
Wasserfachfrau der Entwicklungsorganisation Helvetas

Besser wäre gewesen, die Wasserqualität jedes Brunnens zu testen – aber das wäre viel zu teuer, darum wurden einfach die neuen und sanierten Brunnen gezählt. Stichproben hätten aber gezeigt, dass viele dieser Brunnen mit Bakterien verschmutzt sind, sagt Montangero: «Es gibt Statistiken, die zeigen, dass 1.8 Milliarden Menschen Wasser aus einer kontaminierten Quelle trinken.»

Wer repariert die defekten Handbrunnen?

Und es gibt noch weitere Gründe, warum das Millenniumsziel für Wasser doch nicht erreicht worden ist. Einem davon begegnet man in Ifakara auf Schritt und Tritt: Es sind Brunnen, die vor kurzem von der Regierung oder von Hilfsorganisationen gebaut wurden – und schon wieder defekt sind.

«  Was für eine Tragödie, wenn man an das verschwendete Geld denkt. »

Lauren D'Mello
Gesundheitsspezialistin der Entwicklungsorganisation Msabi

«Wenn eine Handpumpe kaputt geht, ist oft niemand da, um sie zu reparieren», weiss Bruno Sanga von der Entwicklungsorganisation Msabi. «Und für die Benutzer selbst ist die Reparatur viel zu teuer.»

Schätzungen zufolge gebe es allein in Tansania 30'000 kaputte Pumpen, die über 7 Millionen Menschen versorgen sollten, sagt Sangas Kollegin, Lauren D'Mello: «Was für eine Tragödie», sagt sie, «wenn man an das verschwendete Geld denkt.» Und vor allem: an all die enttäuschten Hoffnungen.